Würenlingen

Hätte der Swissair-Absturz noch verhindert werden können? – Geheimdienst-Insider liefert brisante Informationen

50 Jahre nach dem Bombenanschlag auf eine Swissair-Maschine, die in Würenlingen abstürzte, ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Ein deutscher Politologe sagt, dass die Swissair ein Zufallsziel war. Und ein US-Agent spricht von einem «fatalen Missverständnis» zwischen zwei Geheimdiensten.

Mit 770 Stundenkilometern raste die Coronado im Sturzflug in den Wald bei Würenlingen. Der Terroranschlag vom Februar 1970 forderte 47 Menschenleben. 38 Passagiere – unter anderem aus Israel, Deutschland und den USA – sowie die neunköpfige Besatzung der Swissair-Maschine fanden einen grauenhaften Tod. «Die Zerstörungskraft der Explosion war derart stark, dass später keine einzige Person identifiziert werden konnte», heisst es in einem Bericht der Bundespolizei an Interpol.

Trotzdem wurden die Mörder nie zur Rechenschaft gezogen. Obwohl die Polizei die Schuldigen bald ausfindig machte: Die Jordanier Sufian Kaddoumi und Mousa Jawher sollen das Bombenpaket in München aufgegeben haben. Eine weitere Bombe explodierte zwei Stunden vor dem Absturz der Swissair in einer Maschine der Austrian Airlines, die noch rechtzeitig in Frankfurt notlanden konnte. Gegen die Jordanier und weitere Komplizen gab es Haftbefehle. Doch am Ende wurden alle Verdächtigen freigelassen.

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Am 21. Februar 1970 stürzt ein Swissair-Flugzeugzeug nach einer Bombenexplosion im Wald von Würenlingen ab. Alle 47 Menschen an Bord sterben. Die Terrortat ist noch immer ungeklärt, obwohl schnell klar war, wer für die Tat verantwortlich ist.

Die «NZZ»-Journalisten Marcel Gyr (der Wettinger ist Autor des Buchs «Schweizer Terrorjahre») und Marc Tribelhorn sind anlässlich des 50. Jahrestags der Katastrophe neuen Spuren nachgegangen. Wie sie in der «NZZ» vom Dienstag schreiben, hätte der Absturz vermutlich verhindert werden können. Der Politikwissenschafter Wolfgang Kraushaar aus Hamburg gehört zu den belesensten Wissenschaftlern in Sachen palästinensischer Terror. Im Interview mit der «NZZ» antwortete Kraushaar auf die Frage, ob die Passagiere der Swissair Zufallsopfer waren: «Ja, genau so wie jene der Austrian Airlines.»

Die Attentäter seien davon ausgegangen, dass die Bomben in den Frachträumen zweier israelischer El-Al-Maschinen detonieren würden, die an jenem Tag von München und von Frankfurt nach Tel Aviv fliegen sollten. «Durch seltsame Gegebenheiten ging dieser Plan nicht auf: Am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen verweigerte die El Al just an jenem Tag die Annahme von Paketpost. Und in München fiel der El-Al-Linienflug gleich ganz aus», so Kraushaar. Das Bombenpaket wurde über Kloten umgeleitet.

Besonders frappant: Ein amerikanischer Geheimdienst-Insider glaubt, dass der israelische Auslandgeheimdienst Mossad von den Bomben wusste und die Beladung der El-Al-Flugzeuge verhinderte. Hätten die Geheimdienste besser zusammengearbeitet und wären alle Fluggesellschaften nach der Detonation in der Austrian Airlines rechtzeitig gewarnt worden, hätte der Absturz von Würenlingen verhindert werden können. «Ein fatales Missverständnis», so die These. Auch wenn Bundesanwalt Lauber den Fall 2018 ad acta gelegt hat: Der «Fall Würenlingen» ist wohl noch längst nicht abgeschlossen.

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