Heidi Z’graggen, was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie für das Bundesratsamt kandidieren?

Die Schweiz ist ein hervorragendes Land mit vielen Stärken. Sie weist immer Spitzenplätze in vielen Rankings auf. Auf diesen Stärken und den Leistungen unserer Vorgängerinnen und Vorgänger will ich bauen. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, dass wir - das Schweizervolk, die Kantone und die Bundesbehörden - die Schweiz in eine gute und erfolgreiche Zukunft führen. Ich bin bereit, als Urnerin, Zentralschweizerin und Schweizerin und langjähriges Mitglied einer Kantonsregierung, die Landespolitik mitzugestalten und mich in den Dienst unseres wunderbaren Landes und seiner Bevölkerung zu stellen.

Welche Qualitäten bringen Sie für das Amt einer Bundesrätin in erster Linie mit?

Als langjährige Regierungsrätin unseres Kantons bringe ich einen grossen Erfahrungsschatz aus einem Kollegialgremium mit, bin aber auch im ständigen Austausch mit Parteien, Parlament und Bevölkerung. Ich bin vertraut mit den Mechanismen der Schweizerischen Politik und den bundespolitischen Themen. Die Politik ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Welches sind Ihre Stärken und Schwächen?

Ich bin ein strategisch denkender Mensch und versuche auf die lange Frist zu schauen. Wichtig ist, dass man in der Politik ein klares Ziel vor Augen hat. Ich möchte dann meine Visionen realisieren und arbeite konsequent daran. Mein Auftreten ist dann schon klar. Ich kann mich dann aber auch auf andere Meinungen zubewegen, denn Konsens macht uns stark.

Sie sind in Bundesbern weniger gut vernetzt als beispielsweise die hoch gehandelten CVP-Kandidatinnen Viola Amherd und Elisabeth Schneider-Schneiter. Ist das nicht ein Nachteil für Sie?

Das ist ein Aspekt, der in meine Überlegungen bei der Prüfung der Kandidatur eingeflossen ist. Ich habe aber als ehemaliges Mitglied des Parteipräsidiums der CVP Schweiz und als Mitglied von mehreren schweizerischen Regierungskonferenzen ein sehr gutes Beziehungsnetz. Mit bundespolitischen Themen bin ich vertraut. Ich möchte nun aber meine Bekanntheit in der Bundeshausfraktion noch weiter stärken.

Es ist unter Umständen auch möglich, dass nach den Bundesratswahlen nur noch eine Frau in der Landesregierung vertreten ist. Welche Rolle hat die Frauen-Frage bei ihrer Kandidatur gespielt?

Die Geschlechterfrage ist eines von vielen Kriterien. Frauen machen die Hälfte der Schweizer Bevölkerung aus. Nur wenn Frauen sich zur Wahl stellen, können sie nominiert und gewählt werden. Die CVP hat viele kompetente und fähige Frauen, die sich als Bundesrätinnen eignen.

Uri gehört mit Nidwalden, Schwyz, Jura und Schaffhausen zu den fünf Kantonen, die bisher keinen Bundesrat hatten. Die Zentralschweiz ist seit 2003 nicht mehr in diesem Gremium vertreten. Ist es Zeit, dass Uri erstmals ein Mitglied des Bundesrats stellt?

Der Kanton Uri leistet Grosses für die Eidgenossenschaft. Uri ist meine Heimat und so etwas wie die Seele für die Schweiz. Mit dem Mythos Gotthard, dem Tell, dem Rütli und vielen weiteren symbolbehafteten Orten haben wir eine geschichtsträchtige Vergangenheit, die auch wichtig ist für den Zusammenhalt in unserem Land. Darauf bin ich stolz. Gleichzeitig ist Uri ein zentralgelegener Wohn- und Wirtschaftsstandort. Aufgrund der spezifischen Erfahrungen aus meiner kantonalen Regierungstätigkeit kann ich auf die Befindlichkeiten unserer Region aufmerksam machen. Die Bundesverfassung schreibt vor, dass die Landesteile angemessen vertreten sein sollen. Die Zentralschweiz ist eine vielfältige Region, die im Bundesrat schon länger nicht mehr repräsentiert ist. Der Anspruch ist berechtigt. Trotzdem ist natürlich klar: Der Bundesrat muss sich dem ganzen Land verpflichten.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Es ist wichtig, dass die Bundeshausfraktion und danach die Bundesversammlung eine Auswahl hat. Ich stelle mich dem Wettbewerb und freue mich auf die nächsten Wochen. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, wie viele CVP-Politikerinnen und -Politiker noch Ambitionen anmelden und ich bin natürlich gespannt, welche Kandidatinnen oder Kandidaten die CVP-Bundeshausfraktion zur Wahl vorschlagen wird.

Sind Sie der Meinung, dass die CVP Schweiz in der Pflicht steht, mindestens eine Frau auf das Ticket zu setzen?

Es ist Aufgabe der Bundeshausfraktion, dieses zu entscheiden. Die Repräsentation der Frauen in der Politik ist natürlich wichtig und selbstverständlich. Gerade auch deshalb stelle ich mich als Frau und Zentralschweizerin zur Verfügung.

Haben Sie bereits nach der Rücktrittserklärung von Doris Leuthard mit dem Gedanken gespielt, für den Bundesrat zu kandidieren?

Unsere Bundesrätin Doris Leuthard hat als Mitglied des Bundesrates Hervorragendes für unser Land geleistet. Ich bin stolz, dass wir sie in der CVP wissen. In meiner Tätigkeit als Regierungsrätin für den Kanton Uri und als Mitglied unserer Partei sind wir politische Weggefährtinnen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen auf unterschiedlichen Stufen unseres Landes. Ich war traurig, dass die eigentliche Identifikationsfigur der Partei zurücktritt. Die Aufgabe als Regierungsrätin eines Kantons fordert täglichen Einsatz – da ist nicht so viel Platz für Gedankenspiele. Nachdem nun Vakanzen in der Bundesregierung bestehen, setzte bei mir ein Prozess der Reflektion ein. Ich bin zum Entscheid gekommen, dass ich bereit bin, die Landespolitik mitzugestalten.

Wie bereiten Sie sich auf die Hearings in den Fraktionen in Bern vor?

Ich nehme jetzt Schritt für Schritt und werde zuerst in der Bundeshausfraktion der CVP mich selber mit meinem Hintergrund und meinen Erfahrungen vorstellen. Der Rest wird sich zeigen.

Was sagen Ihr Partner und ihr weiteres persönliches Umfeld zur Kandidatur?

Ich habe mich in den vergangenen Wochen mit meinem engsten Umfeld besprochen. Es unterstützt meinen Entscheid und steht voll hinter mir.