Fuhrer
«Ich habe keine Reserven mehr»

Die Ankündigung, sie nehme am Montag ihre Arbeit im Regierungsrat wieder auf, verband Rita Fuhrer mit der Aussage, sie trete im kommenden Frühjahr vorzeitig zurück. Grund ist ein Unfall, von dem sie sich nur langsam erholt.

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Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

«Ich bin mit Leib und Seele Regierungsrätin.» Das sagte Rita Fuhrer gestern nicht zum ersten Mal. Aber diesmal sagte sie es mit einem leicht resignierten Unterton, denn sie wird ihr Amt im kommenden Frühjahr zur Verfügung stellen und die vierjährige Amtszeit, die eigentlich bis 2011 geht, nicht zu Ende führen. «Ich habe keine Reserven mehr», gab sie als Begründung für den vorzeitigen Rücktritt an.

Schmal geworden

Tatsächlich wirkte sie schmal und zerbrechlich, als die 56-jährige Politikerin nach ihrem vor 11 Wochen erlittenen Velounfall erstmals wieder vor die Medien trat. Sie habe auch immer noch Schmerzen, sagte sie, die Operations-narben seien noch nicht ganz verheilt. «Eine Schönheitskonkurrenz würde ich jetzt nicht mehr gewinnen», gab sie lächelnd zum Besten.

Völlig ohne eigenes Verschulden von einem Auto angefahren, hatte Fuhrer sich mehrere Rippen gebrochen, zudem waren während ihrer Rekonvaleszenz Komplikationen aufgetreten, welche eine mehrwöchige Rehabilitation in einer Klinik in Gais AR nötig machten. Körperlich sei sie nun zwar einigermassen wieder hergestellt, sagte die Regierungsrätin, doch seien ihre Kräfte grösstenteils aufgezehrt.

Auf Anraten der Ärzte habe sie sich deshalb intensiv mit der Frage befasst, ob sie wirklich noch bis 2011 amtieren wolle, und sei am letzten Wochenende zum Schluss gekommen: «Ich trete vorzeitig zurück.» Der Zeitpunkt im nächsten Frühjahr sei gut für sie, ihre Familie, ihre Direktion und die Partei. Sie könne die Arbeit im Regierungsrat nun in Ruhe abschliessen.

Nicht alles erledigt

«Ich habe nicht alles erledigt, was ich mir vorgenommen habe», erklärte die SVP-Politikerin weiter, aber das hätte sie ja vermutlich auch in einem Jahr nicht von sich behaupten können. Zumindest sei jedoch alles auf gutem Weg. Fuhrer betonte, sie gebe ihr Amt nicht auf, weil sie das Führen der Regierungsgeschäfte und insbesondere die Flughafenpolitik nicht mehr befriedigt hätte. Ihre Dossiers in der Volkswirtschaftsdirektion seien zwar nicht einfach, aber sie habe die Arbeit leidenschaftlich gerne getan. Und Weglaufen sei sowieso nicht ihre Art.

Grund für den Rücktritt sei einzig und allein, dass ihr das Leben Einhalt geboten habe. «Das Schicksal hat sich heftig meinen Absichten entgegengestellt», so Fuhrer. Zunächst habe sie unter einer schweren Lungenentzündung gelitten, und kaum sei sie davon einigermassen genesen, habe sie der Unfall auf ihrer allerersten Ausfahrt mit dem Velo wieder zurückgeworfen. «Das war einfach Pech.» Als der Unfallverursacher, ein früherer Klassenkamerad eines ihrer Söhne, verlegen am Krankenbett gestanden sei, habe er ihr fast etwas Leid getan.

Etwas mit weniger Stress

Der Entscheid zum Rücktritt sei ihr nicht leicht gefallen, sagte Rita Fuhrer weiter, aber sie werde die letzten Monate im Amt noch geniessen: «Ich werde weiterhin die kantonale Politik mitgestalten und zwar mit Freude.» Was sie ab Mai 2010 mache, darüber habe sie sich bis heute noch nicht den Kopf zerbrochen. Aber sie könne sich vorstellen, dann etwas Neues in Angriff zu nehmen, meinte die Noch-Regierungsrätin. «Ich bin selber gespannt, was ich dann mache.» Was immer das Kommende aber auch sein werde, ein Ziel von ihr sei sicher, weniger Stress zu haben.

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