Schweiz

«Ich hoffte bis zum Schluss, dass ich bleiben kann» – wie Servicetechniker Junuz Sinanovic von der Coronakrise getroffen wurde

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Er hat seine Stelle vor zweieinhalb Jahren angetreten, nun ist er aufgrund der Coronakrise entlassen worden. Junuz Sinanovic ist aber trotzdem guten Mutes, bald nicht mehr aufs RAV zu müssen. Zeigen möchte er sich nicht.

Junuz Sinanovic, Servicetechniker, 24

Dass sich etwas ändern wird, wurde mir im März schon klar. Zuerst hiess es in der Firma, man müsse sich in zwei Gruppen aufteilen, um sich nicht anzustecken. Dann wurde die Arbeit weniger, und im Mai sagte der Abteilungschef dann zu uns: Es könnte sein, dass es zu Änderungen kommt. Ich war 2,5 Jahre bei der Firma Ruggli, als Servicetechniker, eine Vollzeitstelle. Der Job hat mir sehr gefallen, er war abwechslungsreich, ein gutes Team, ich durfte auch internationale Einsätze absolvieren.

Doch Corona hat einen Einbruch gebracht, es wurden kaum mehr Maschinen bestellt. Wir haben nicht mehr die Auftragslage, die wir haben sollten, die Leute behalten das Geld, das sie noch haben, zurück, für die Rettung der eigenen Firma. Investieren will im Moment keiner mehr, die Lage ist unsicher, überall. Wir hatten zu Spitzenzeiten sicher so um die 80 bis 90 Prozent weniger Verkauf. Es gab zehn Entlassungen, und ich war eine davon. Ich habe Ende Mai erfahren, dass ich gehen muss. Per Ende Juli ist alles vorbei. Um ehrlich zu sein, hatte ich bereits damit gerechnet. Weil ich einer der wenig erfahrenen Monteure bin. Aber natürlich hoffte ich bis zum Schluss, dass ich bleiben kann. Doch so ist es jetzt. Und ich habe mich ziemlich schnell damit abgefunden.

Ich nehme die Kündigung mittlerweile ziemlich locker. Ich bin 24 Jahre alt, ich finde sicher etwas Neues. Irgendwo wird man immer gebraucht. Und sonst gibt es ja auch noch das RAV. Wenn ich ein paar Monate arbeitslos bleibe, dann ist das eben so. Ich nehme es pragmatisch. Emotional war die Kündigung für mich nicht. Wohl auch, weil ich mich innerlich bereits gut darauf vorbereitet hatte. Aber natürlich tut es weh, dass man die Leute nicht mehr sieht, die man davor jeden Tag sah. Und all die Spässe, die man zusammen machte.

Jetzt bin ich auf Jobsuche und geniesse nebenbei mein Leben, ich will auch in die Ferien reisen, es gibt ja noch genügend Länder, die nicht auf der Liste stehen, vielleicht gehe ich in die Türkei, oder zurück in die Heimat. Einen Sommer in Bosnien, das hatte ich schon lange nicht mehr.

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