Im Dunst der Missverständnisse
Im Dunst der Missverständnisse

In Grenchner Gastrobetrieben wird umgebaut und abermals umgebaut. Eine Abfolge von kantonalen Weisungen zur Umsetzung des Rauchverbots ist Grund für die Renovationsfreudigkeit. Doch von Freude kann bei einigen Wirten kaum die Rede sein.

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Bildarchiv_Rauchverbot_key.jpg

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Keystone

Mit Frühjahrsputz hatte es nichts zu tun, als Pächter Antonio Gonzalez kürzlich die Einrichtung des Hotels Restaurant Passage umkrempelte. Fünf Tage hatten ihm nach eigener Aussage die Kontrolleure des Gesundheitsamts (Gesa) als Frist gesetzt, um den Ende Januar publizierten Richtlinien des Kantons zum Schutz vor dem Passivrauchen nachzukommen.
Zuvor hatte Gonzalez die Raumaufteilung bereits umgesetzt: Auf der einen Seite der Passage die rauchfreie Gaststube und vis - à - vis das Fumoir mit derselben Grundfläche. Dann pfiff das Gesa ihn zurück; Stein des Anstosses: das Buffet, das er im Fumoir eingerichtet hatte. Gemäss den Richtlinien gilt gerade das Buffet zur «betriebsnotwendigen Infrastruktur» – und gehört somit in die rauchfreie Gaststube.
Nun blickt Gonzalez nach vorn: «Schliesslich geht es darum, dass die Gäste zufrieden sind, sowohl Raucher als auch Nichtraucher.» Eine Lüftung für das Fumoir werde zudem in Kürze eingebaut. Um eines muss er sich zum Glück keine Sorgen machen: «Eine Trennwand braucht es nicht, da beide Lokalabschnitte durch den Durchgang separiert sind.» Angesprochen auf die Bewilligungspflicht, die gemäss Vollzugsverordnung ab Juli für Fumoirs fällig wird, wähnt Gonzalez sich in Sicher- und Gelassenheit: «Jetzt weiss ich ungefähr, was läuft.»
Der Kanton drückte ein Auge zu
Zu ähnlichen Verwirrungen führte die «Buffet-Diskussion» auch in der Meyer- Wyss-Kantine an der Däderizstrasse: Die Pächter Urs und Ursula Henzi hatten sich letzten November per E-Mail beim Kanton erkundigt, ob ein Buffet in der Raucherzone eingerichtet werden dürfe. «Schliesslich wollten wir ja im Hinblick auf die neuen Bestimmungen nicht ins Blaue hinaus renovieren», erinnert sich Ursula Henzi. Bald darauf erhielt das Ehepaar grünes Licht vom Gesa.
Nach erfolgtem Umbau wurden dann Ende Januar besagte Richtlinien publik, die ein Buffet im Fumoir doch nicht zulassen. Aber: «Wir dürfen dieses nach weiterem Nachfragen ausnahmsweise doch stehen lassen », gibt Urs Henzi nun preis. Doch wie es mit der neuen Vollzugsverordnung (siehe Update) ausschauen werde, weiss das Betreiberpaar nicht. Es rechnet trotz Bestätigungsmail nicht damit, die Fumoir- Bewilligung zu erhalten. Zu befürchten ist, dass Henzis für eine erneute Renovation wieder Geld in die Finger nehmen müssten.
Trotz allem Zähneknirschen: Zumindest die neue Raumaufteilung hat sich aus Sicht von Urs Henzi bewährt: «Fürs Mittagessen setzen sich die meisten in den rauchfreien Teil und wechseln dann für ihren Kaffee ins Fumoir.» Und wenn auch zwischen Pächter und Kanton noch Kommunikationsprobleme bestehen: die Gäste – ob Raucher oder Nichtraucher – verstehen sich prächtig.
Fumoir als «menschlicher Käfig»
Vorbereitet auf die Vollzugsverordnung ist das Restaurant der Alterssiedlung Kastels: Hinter Glasabtrennung wurde neben dem Eingang ein belüftetes Fumoir eingerichtet, das rege genutzt wird. «Neben vereinzelten Heimbewohnern gehen vor allem Gäste des Restaurants ein und aus», ist die Beobachtung der Aktivierungstherapeutin Susanne Schmid.
Überhaupt nicht zufrieden mit den politischen Bestrebungen zeigt sich der Pächter des «Grenchner Hof», Robert Laski: «Der Handwerker, der vorher sein Mittagsmenü hier zu sich nahm und danach zeitungslesend eine Zigi rauchte, sucht heute die Lokale jenseits der Kantonsgrenze auf.» Kopfschüttelnd nimmt er zur Kenntnis, dass man mit kantonalen Bestimmungen vorprescht, bevor die eidgenössischen Grundlagen nicht spruchreif sind.
Ein abgetrennter Raucherteil kommt für Laski aber auch nicht infrage: «Ein Fumoir ist ein stinkiger, menschlicher Käfig. So werden umgekehrt die Raucher diskriminiert.» Und er führt weiter aus: «Die neuen Bestimmungen treiben bloss einen weiteren Keil in die Gesellschaft.» Immerhin: Aus der Not der Verordnung wurde hier eine Tugend – zumindest zugunsten der Nichtraucher.

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