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In Basel sollen Teenies nicht auf den Strich gehen

In Basel sollen Teenies nicht auf den Strich gehen

In Basel sollen Teenies nicht auf den Strich gehen

Eine Lücke im Sexualstrafgesetz machts möglich: Freier von 16- bis 18-jährigen Sexarbeiterinnen werden heute in der Schweiz nicht bestraft. Das soll sich – zumindest im Kanton Basel-Stadt – bald ändern.

Hans-Martin Jermann

Es ist grotesk: 16- und 17-Jährige dürfen im Kanton Basel-Stadt nicht wählen und abstimmen; erst letztes Jahr haben die Basler eine Vorlage für ein Stimm- und Wahlrecht ab 16 verworfen. Was Jugendliche in diesem Alter indes dürfen: Ihren Körper gegen Geld verkaufen. «Das ist unverständlich», schüttelt SP-Grossrätin Ursula Metzger Junco den Kopf. Gegen die Senkung des Stimmrechtsalters wurde argumentiert, die Jugendlichen könnten keine solch tief greifenden Entscheidungen fällen. Doch ausgerechnet beim bezahlten Sex sollen sie die Konsequenzen ihres Tuns abschätzen können. «Das kanns nicht sein. Da klafft eine Gesetzeslücke», findet Metzger Junco.

Generelles Schutzalter bei 16 belassen

Dass in der Schweiz 16- bis 18-Jährige auf den Strich gehen dürfen, liegt am geltenden Sexualstrafgesetz, das die sexuelle Mündigkeit ab 16 Jahren garantiert. Metzger Junco betont, dass sie am generellen Schutzalter nicht rütteln will: «Jugendliche sollen ihre sexuellen Erfahrungen machen dürfen.» Die Grenze wird aus ihrer Sicht dann überschritten, wenn kommerzielle Überlegungen im Spiel sind – Minderjährige also für Liebesdienste Geld oder andere Gegenleistungen annehmen.

Diesem Problem wurde im Zusammenhang mit der Schutzalter-Debatte bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Es gewinnt aber auch in Basel an Bedeutung. Verlässliche lokale Zahlen über minderjährige Sexarbeiterinnen fehlen laut der Aidshilfe beider Basel zwar. «Was wir aber wissen: Die Prostituierten werden immer jünger», sagt Aidshilfe-Geschäftsführer Daniel Stolz. Er räumt mit gängigen Vorurteilen auf: Die jugendlichen Sex-Workerinnen kämen sowohl aus bildungsfernen, als auch aus gut situiertem Milieu, aus Schweizer wie aus Migranten-Familien. Und was nicht vergessen werden darf: Teenie-Prostitution betrifft nicht nur Mädchen, sondern auch Jungs – wenn auch in viel geringerer Zahl, wie Stolz anfügt. Er sieht vor allem zwei Faktoren, welche die Teenager-Prostitution begünstigen: Einerseits die Verlockung für die Jugendlichen, schnell und relativ einfach zu viel Geld zu kommen; und anderseits die Nachfrage nach Sex mit Minderjährigen, die leider zunehme.

Prostituierte nicht kriminalisieren

Hier setzt denn auch ein neuer Vorstoss von SP-Grossrätin Metzger Junco an: Sie fordert von der Regierung, ein Verbot der Teenager-Prostitution auszuarbeiten, wie es in abgeschwächter Form im Kanton Genf besteht (siehe Box), und dabei auch die Freier in die Pflicht zu nehmen: «Sie sollen die Mädchen nach einem Ausweis fragen müssen.» Freier, welche die Alterslimite von 18 Jahren missachten, müssten künftig strafrechtlich verfolgt werden können, findet Metzger Junco. Fehlbare minderjährige Prostituierte seien dagegen nicht zu belangen: «Sie zu kriminalisieren bringt nun wirklich nichts.»

Die Verantwortung für das, was zwischen Freier und Prostituierten abgehe, trägt eindeutig beim Erwachsenen, findet die als Advokatin tätige Grossrätin. Aidshilfe-Geschäftsführer Stolz, der die Basler FDP präsidiert, sieht es genauso. Er hat denn auch den Vorstoss seiner sozialdemokratischen Kollegin im Grossen Rat unterschrieben. Stolz sagt aber auch: Eine Basler Lösung sei gut und recht, löse aber das Problem kaum: «Wir müssen zur Teenager-Prostitution eine gesamtschweizerische Lösung haben.»

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