Flugscham

In der Klimadebatte schimpfen alle über die Flugbranche – die wehrt sich jetzt

Die Luftfahrt ist für 3 bis 5 Prozent der menschengemachten CO 2 -Emissionen verantwortlich.

Die Luftfahrt ist für 3 bis 5 Prozent der menschengemachten CO 2 -Emissionen verantwortlich.

Alle gegen die Airlines: Lufthansa-CEO Carsten Spohr und die Pilotengewerkschaft Aeropers finden, dass ihre Branche ungerecht behandelt wird.

Die Flugbranche muss sich sonst schon einiges anhören in diesen Zeiten, in denen die Klimadebatte an Intensität gewinnt. Und jetzt wird auch noch zum Flugstreik aufgerufen. «2020: Wir bleiben am Boden», so lautet das Motto.

Das Ziel der Aktion, hinter der die Klimastreik-Aktivisten stehen: So viele Menschen wie möglich dazu bringen, auf das Fliegen zu verzichten. Lanciert wurde der Flugstreik am Samstag mit einer Aktion am Flughafen Zürich. Aktuell haben im Netz um die 1000 Menschen versprochen, beim Flugstreik mitzumachen.

Der Flugverkehr ist je nach Quelle für knapp 3 Prozent (die Branche selbst) oder 5 Prozent (Umweltorganisationen wie der WWF) der global vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich; Grund für die Differenz sind unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Gleichzeitig steht kaum ein CO2-Emittent so sehr im Mittelpunkt der Klimadebatte wie die Luftfahrt-Branche. Das illustriert etwa der Begriff «Flugscham», der sich in den letzten Monaten rasend schnell verbreitet hat.

Lufthansa-CEO verteidigt seine Branche

Es wird jetzt viel über Sinn und Unsinn von Flugreisen diskutiert und darüber, wie viel ein Flug kosten darf, oder besser: muss. In der Politik wird im Wahljahr die Flugticket-Abgabe mehrheitsfähig. Konzerne halten ihre Mitarbeiter dazu an, sich in den Zug zu setzen statt ins Flugzeug.

Und auch die Schweizer Bundesverwaltung schreibt sich den Klimaschutz auf die Fahne. Umweltministerin Simonetta Sommaruga hat vor kurzem einen Massnahmenplan vorgestellt. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2030. Ein Mittel: Die Beamten soll weniger fliegen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

In der Branche wehrt man sich zunehmend gegen den Etikett des Klimasünders. Carsten Spohr, der CEO der Lufthansa, zu der auch die Swiss gehört, gab am Wochenende der «NZZ am Sonntag» ein Interview. Er verteidigt darin die Luftfahrt als «eines der effizientesten Transportmittel, vor allem für lange Strecken».

Weiter betont er, dass die Branche bereits einiges für den Klimaschutz getan habe, etwa über den Erwerb von CO2-Zertifikaten im Rahmen des europäischen Emissionshandelssystems. Und sagt, es ärgere ihn, dass es seiner Branche «nicht gelungen sei zu betonen, dass der Luftverkehr sehr viel Positives bewirkt in unserer Welt - wir verbinden Länder, Ökonomien und Gesellschaften miteinander».

Mit allen Mitteln gegen die Flugticketabgabe

Zu einer Flugticketabgabe, wie sie derzeit auch in der Schweiz Politik debattiert wird, äussert sich Spohr skeptisch. Er warnt davor, dass eine CO2-Abgabe die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Airlines gefährden würde, weil die Konkurrenz in den USA, der Türkei oder Vereinigten Arabischen Emiraten damit nicht konfrontiert sei. Er sagt: «Die alle erheben bestimmt keine CO2-Abgaben und würden Passagiere von uns abziehen.» Und weiter:

Lieber als auf teurere Flugtickets setzt Spohr für den Klimaschutz auf eine Modernisierung der Flotte.

Mit scharfen Worten kritisiert derweil die Pilotengewerkschaft Aeropers in einer Mitteilung das «Luftfahrt-Bashing», wie sie es nennt. Diese gehöre momentan zum guten Ton. Laut Aeropers werde die Branche «an den Pranger gestellt» von Politikern, die darauf hoffen, «von der aktuellen grüne Welle profitieren zu können». Mit den Angriffen würde die «eigene Lobby geschützt», die Landwirtschaft etwa.

Aeropers verweist wie der Lufthansa-CEO Spohr auf die grossen Bemühungen, die in der Luftfahrt bereits stattgefunden hätten. Und illustriert das damit, dass der Treibstoffverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer Distanz bei der Swiss seit 2003 um 29 Prozent reduziert worden sei.

Daran, dass die von Flugzeugen erzeugten Emissionen immer weiter ansteigen, ändert das allerdings nichts. Aeropers will von einer Flugticketabgabe dennoch nichts wissen - und bezeichnet es unter dem Verweis auf das Beispiel Deutschland als Irrglaube, dass eine solche die Menschen davon abhalten würde, zu fliegen. Die Lösung kann auch für die Piloten nicht die Reduktion der Flugbewegungen sein - sondern innovative Lösungen wie nachhaltige Treibstoffe.

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