Kommentar

In Sachen Coronavirus und Kinder hat der Bund seine Glaubwürdigkeit verspielt

Bundesrat Alain Berset, Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Bundesrat Guy Parmelin, von rechts, kommen zu einer Medienkonferenz des Bundesrates über die Situation des Coronavirus, und halten dabei den nötigen Abstand.

Bundesrat Alain Berset, Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Bundesrat Guy Parmelin, von rechts, kommen zu einer Medienkonferenz des Bundesrates über die Situation des Coronavirus, und halten dabei den nötigen Abstand.

Grosseltern und Enkel sollen sich nun doch umarmen dürfen. Dies, nachdem der Bund wochenlang dringlichst von jeglichem Kontakt abgeraten hat. Ein Kommentar.

Beim Coronavirus ist vieles noch unklar. Die Wissenschaft erforscht die neue Krankheit zwar mit Hochdruck. Doch noch fehlt es an Erfahrungswerten und gesicherten Studien. Darauf hat der oberste Virenjäger des Bundes, Daniel Koch, wiederholt hingewiesen.

Welche Rolle etwa Kinder als Träger und Verbreiter des Virus spielen, war umstritten. Noch gibt es keine Gewissheit aber klare Hinweise, dass Kinder nicht die Hauptverantwortlichen für die Verbreitung sind. Der Bund hat diesen Wissensstand übernommen.

Letzte Woche sagte Koch klipp und klar: «Kinder übertragen das Virus nur äusserst selten.» Dennoch riet er davon ab, dass die Enkel ihre Grosseltern besuchen. So weit so gut.

Nun sollen Grosseltern ihre Enkel gar umarmen dürfen! Kochs jüngste Aussage und die Kaskadenkommunikation seit den Schulschliessungen vor sechs Wochen lassen Eltern und Grosseltern ratlos zurück.

Zu Recht stellen sie sich die Frage, wie sie sich verhalten sollen. Wenn Grosseltern ihre Enkel risikofrei «auch einmal umarmen können», weshalb sollten sie diese nicht hüten dürfen, sofern sie die mittlere Generation meiden?

Mit dem geplanten Schulstart vom 11. Mai werden immer mehr Eltern aus dem Homeoffice ins Büro zurückkehren. Die Betreuungsfrage wird zentral. Mit seinem Hüst und Hott in Sachen Kinder verspielt der Bund seine Glaubwürdigkeit.

Das Risiko liegt auf der Hand: Grosseltern nehmen seine Empfehlungen nicht ernst und springen beim Hüten ein.

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