Interview
Energieministerin Sommaruga über die Atom-Wende: «Unseren Enkeln nicht mehr die Kosten der radioaktiven Abfälle aufbürden»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga spricht über die Katastrophe vor 10 Jahren und über die Energie-Zukunft.

Othmar von Matt
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Bundesrätin Simonetta Sommaruga bei der Eröffnung eines Solarkraftwerkes am 25. Februar 2021 in der Nähe von Genf.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga bei der Eröffnung eines Solarkraftwerkes am 25. Februar 2021 in der Nähe von Genf.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Simonetta Sommaruga war erst seit November 2010 im Amt, als sich die Katastrophe von Fukushima ereignete. Zuerst war sie Justizministerin – und seit 2019 ist sie Energieministerin.

Wie haben Sie den Reaktorunfall von Fukushima vom 11. März 2011 in Erinnerung?

Simonetta Sommaruga: Die AKW-Katastrophe vor zehn Jahren in Fukushima hat mich schockiert. Viele Menschen wurden schwer getroffen, und die Umwelt wurde zerstört. Ich erinnere mich noch gut an diesen Samstag. Die ganze Welt blickte in allergrösster Sorge nach Japan. Rasch wurde auch die Sicherheit der Atomkraftwerke zum Thema.

Die Frauen bildeten mit Doris Leuthard, Micheline Calmy-Rey, Eveline Widmer-Schlumpf und Ihnen die Mehrheit im Bundesrat. Beeinflusste dies die Diskussion?

Der Bundesrat gab dem Umweltdepartement Uvek noch im März den Auftrag, die Energieszenarien zu überprüfen. Der Rest ist bekannt: Ende Mai fällte der Bundesrat den Entscheid, aus der Atomkraft auszusteigen. Dies wurde dank der vier Frauen im Bundesrat möglich. Die Bevölkerung hat den Entscheid später in der Volksabstimmung bestätigt.

Mit diesem Entscheid vom Mai 2011 leitete der Bundesrat gleichzeitig auch die Energiewende ein.

Ja, damit haben wir die Weichen gestellt: Die Zukunft gehört den einheimischen erneuerbaren Energien Sonne, Wasser, Wind und Holz. Hier haben wir viel ungenutztes Potenzial. Wir können auf unseren Dächern zum Beispiel doppelt so viel Strom produzieren wie alle Schweizer AKW zusammen. Und wir hören auf, unseren Kindern und Enkeln die Probleme und die Kosten der radioaktiven Abfälle aufzubürden. Die Investitionen in die erneuerbaren Energien lohnen sich für unser Land.

Ist damit die Versorgungssicherheit wirklich gewährleistet?

In den letzten 10 Jahren hat die Schweiz rund 80 Milliarden Franken für den Import von Erdöl und Erdgas ins Ausland geschickt. Ich möchte, dass dieses Geld in Zukunft in der Schweiz investiert wird. Deshalb werde ich dem Bundesrat im Sommer ein Gesetz vorlegen, das unsere Stromversorgung mit einheimischen erneuerbaren Energien stärkt. Mit dem CO2-Gesetz, über das wir im Juni abstimmen, setzen wir ausserdem die richtigen Anreize, damit die Investitionen in den Klimaschutz für Aufträge und Arbeitsplätze in unserem Land sorgen. Das ist in dieser Zeit der Coronapandemie ganz besonders wichtig.

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