Tessin
Islamistischer Terror in Lugano? +++ 28-Jährige attackiert zwei Frauen mit Messer +++ Täterin war polizeibekannt

Eine 28-jährige Täterin hat am Dienstag Nachmittag in Lugano zwei Frauen mit einem Messer angegriffen. Eine davon wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Bundesanwaltschaft schaltete sich ein, denn die Tat sei «mutmasslich terroristisch motiviert». Ist nach Frankreich und Österreich auch die Schweiz ins Visier von Islamisten geraten?

Gerhard Lob, Bellinzona, und Alice Guldimann
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Der Messerangriff geschah im Manor an der Piazza Dante in Lugano.

Der Messerangriff geschah im Manor an der Piazza Dante in Lugano.

Keystone

Am späten Dienstagabend informierten die Tessiner Behörden über den schockierenden Vorfall. Demnach war die 28-jährige mutmassliche Täterin den Behörden und der Polizei bekannt, offenbar auch schon vorbestraft. In welchem Zusammenhang diese Vordelikte stehen, wurde nicht gesagt.

Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Tessin und der Bundespolizei Fedpol, weil Terrorismus-Verdacht besteht, wie die Bundesanwaltschaft in einem Tweet mitteilte:

Am Dienstagabend bestätigte das Bundesamt für Polizei weiter, dass die Täterin polizeibekannt war. Das Fedpol schrieb in einem weiteren Tweet, dass die Täterin bereits aus einer polizeilichen Untersuchung aus dem Jahr 2017 in Bezug auf dschihadistischen Terrorismus bekannt ist.

Fall erinnert an Fälle in Frankreich und Morges

Die Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle war in einer Skype-Zuschaltung an der Medienkonferenz auch präsent. Sie wiederholte, dass man den Fall abkläre und noch nicht viel sagen könne. Sie sagte:

Dieser Angriff überrascht mich nicht. Er erinnert mich an die Fälle in Frankreich und Morges.

In Morges VD hatte möglicherweise der erste islamistische Angriff mit Todesfolgen auf Schweizer Boden stattgefunden. Dort wurde im September ein 29-jähriger Portugiese mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt.

Matteo Cocchi, Kommandant der Kantonspolizei Tessin und Staatsrat Norman Gobbi, rechts, und die Direktorin des Bundesamts für Polizei (Fedpol), Nicoletta della Valle, im Videostream aus Bern zugeschaltet, sprechen an einer Pressekonferenz zum Messerangriff.

Matteo Cocchi, Kommandant der Kantonspolizei Tessin und Staatsrat Norman Gobbi, rechts, und die Direktorin des Bundesamts für Polizei (Fedpol), Nicoletta della Valle, im Videostream aus Bern zugeschaltet, sprechen an einer Pressekonferenz zum Messerangriff.

Pablo Gianinazzi / KEYSTONE/Ti-Press

Was ist im Manor genau geschehen?

Der Vorfall geschah kurz vor 14 Uhr im Manor an der Piazza Dante, wie sowohl die Tessiner Kantonspolizei als auch die Stadtpolizei Lugano meldeten. Die Angreiferin - Schweizerin mit Wohnsitz in Lugano - griff zwei Frauen an.

Gemäss der Mitteilung packte sie die erste Frau mit den Händen am Hals und verletzte die zweite mit einem Messer. Eine der Frauen erlitt gemäss der Polizei schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen, die andere wurde leicht verletzt. Wie das Online-Portal tio.ch schrieb, hatte die Täterin beim Angriff «Allahu Akbar» («Gott ist gross») gerufen. Diese Angaben sind aber noch nicht verifiziert. Der Tessiner Staatsratspräsident Norman Gobbi (Lega) und Kantonspolizeikommandant Matteo Cocchi sagten an der Medienkonferenz, diese Information werde noch untersucht.

Die Angreiferin konnte von Kunden überwältigt und schliesslich von der Polizei verhaftet werden, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Die Kantonspolizei schliesse terroristische Motive nicht aus und arbeite eng mit dem Bundesamt für Polizei fedpol, der Polizei der Stadt Lugano und anderen Behörden zusammen.

Sebastian Kurz reagiert mit einem Tweet

Kein Zweifel daran, dass es sich um einen islamistischen Angriff handelt, hat offenbar Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. Er sendete kurz nach 20.30 Uhr einen Tweet, in dem er die «islamistische Terrorattacke in Lugano» verurteilt. Vor drei Wochen wurde in Wien ein islamistischer Anschlag verübt, bei dem vier Personen getötet und 23 weitere teils schwer verletzt worden waren. Kurz schreibt in seinem Lugano-Tweet, seine Gedanken seien bei den Opfern und er stehe «in diesen schwierigen Stunden» an der Seite der Schweiz.

Auch die muslimische Menschenrechtsaktivistin Saïda Keller-Messahli kommentierte das Drama von Lugano. «Die Täterin ist vermutlich eine zum Islam konvertierte und radikalisierte Schweizerin. In den Moscheen wird notabene um die Wette konvertiert...», schreibt die tunesisch-schweizerische Bürgerin.

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