Schweiz

Jetzt sind die Deutschschweizer wieder willkommen: Tessiner Hotels und Restaurants öffnen ihre Tore

Im Tessin sind wesentlich mehr Leute mit Mund- und Nasenschutzmasken unterwegs als in der Deutschen Schweiz. Doch viele Hotels und Restaurants haben wieder geöffnet.

Im Tessin sind wesentlich mehr Leute mit Mund- und Nasenschutzmasken unterwegs als in der Deutschen Schweiz. Doch viele Hotels und Restaurants haben wieder geöffnet.

Hotels und Restaurants sind erneut geöffnet. Das Tessin hofft auf Gäste aus den anderen Landesteilen. Die Polizei verteilt Flugblätter mit Abstands- und Hygienevorschriften.

«Bleiben Sie bitte zu Hause – kommen Sie jetzt nicht ins Tessin!». In der akuten Phase der Coronakrise appellierte der Kanton Tessin eindringlich zum Fernbleiben, insbesondere an die vielen Ferienhausbesitzer aus der deutschen Schweiz. Mit vollem Erfolg. Die Touristen blieben aus. Ostern, eigentlich der Saisonstart, fiel im Tessin aus touristischer Sicht komplett aus.

Inzwischen ist die akute Phase der Coronakrise vorbei. Ein Stück weit ist die Normalität zurückgekehrt. Eine «neue Normalität», denn wesentlich mehr Leute sind im Tessin mit Mund- und Nasenschutzmasken unterwegs als in der Deutschen Schweiz. Doch viele Hotels und Restaurants haben wieder geöffnet.

Ascona als touristischer Hotspot hat sich besonders heraus geputzt. Die Restaurants und Beizen am Seeufer haben grosszügig in direkter Seenähe bestuhlt. Die Gäste sollen sich wohlfühlen, auch wenn die Kellner Visiere aus Plexiglas tragen. Das Motto lautet nun: «Willkommen zurück im Tessin!». An diesem verlängerten Auffahrtswochenende soll der Saisonstart – mit etwas Verspätung – glücken.

Für ein «ungetrübtes Ferienvergnügen» gelten allerdings neue Regeln, wie Regierungspräsident Norman Gobbi (Lega) gestern im Rahmen einer Medienkonferenz sagte: «Für unsere Gäste gilt genauso wie für die Einheimischen: Sie müssen die Abstands- und Hygienevorschriften einhalten.» Ein entsprechender Flyer für «verantwortungsvolles Verhalten im Urlaub» wird in diesen Tagen von der Kantonspolizei verteilt, auch in deutscher und französischer Sprache.

Die Touristiker erwarten zwar Gäste, aber keinen wirklichen Ansturm. «Es zieht etwas an, auch in den Hotels», sagt Jutta Ullrich, Mediensprecherin von Ticino Turismo. Die Tendenz sei aber positiv: Das Gros der Buchungen erfolge im Moment hauptsächlich für die Hochsaison im Sommer. Diego Glaus, Hotelier in Losone, erklärt, dass er sich vor Anfragen für den Juli kaum retten könne.

Benjamin Frizzi, Marketing-Chef der Tourismusorganisation Ascona-Locarno, stellt eine grosse Anfrage nach Ferienwohnungen und Rustici fest. Offenbar gelten diese Unterkünfte als sicherer als ein Hotel. Aber auch manche Pensionen melden für diese Tage: «Tutto completo!» Nicht ganz überraschend für die Touristiker ist, dass die Buchungen auch für 7 bis 10 Tage erfolgen. Normalerweise gilt das Tessin als Kurztrip-Destination mit einer mittleren Anzahl von 2,2 Logiernächten.

Tatsache ist: In diesen Tagen hat sich die Präsenz von Deutschschweizer Touristen bereits deutlich gezeigt. «Wir kommen nicht erst, sondern wir sind schon da», sagte alt Bundesrätin Doris Leuthard gegenüber dem «Corriere del Ticino». Sie hat am Gambarogno-Ufer des Lago Maggiore ein Ferienhäuschen. Am Sonntag sei sie gekommen, am morgigen Freitag will sie wieder zurück.

Auffällig sind auch viele Camper im Locarnese. Da die Campingplätze für diese Fahrzeuge noch geschlossen sind, ist davon auszugehen, dass wild parkiert werden wird. Polizeidirektor Gobbi hat betont, dass im Tessin ein Campingverbot ausserhalb der dafür vorgesehenen Areale besteht. So darf man gespannt sein, wie die Ordnungshüter reagieren wird.

Ticino Tourismus hat derweil eine eigene Marketing-Kampagne mit dem Slogan «See you soon – das Tessin freut sich auf euch» lanciert. Zielgruppe sind die Bewohner der deutschen und französischen Schweiz. «Unsere Schweizer Gäste sollen wissen, dass der Tourismus im Tessin wieder zum Leben erwacht», meint Manuela Nicoletti, Marketingdirektorin von Ticino Turismo.

Der komplette Relaunch des Tessiner Tourismus ist dann unter dem Motto «Exotik liegt so nah» für den Juni vorgesehen. Das Tessin will mit seiner mediterranen Atmosphäre bei all denen punkten, die sich dieses Jahr nicht weiter nach Süden trauen.

Mit den Werbeanstrengungen steht der Kanton Tessin allerdings nicht allein da, da alle Schweizer Regionen dieses Jahr um inländische Feriengäste buhlen. Gerade gestern hat die Bündner Regierung einen Sonderbeitrag von 1 Million Franken an Graubünden Ferien für die Umsetzung einer Sommer-/Herbstkampagne gesprochen.

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