Masern

Kanton will keine Zwangsimpfungen

Der Aargau will weder Zwangsimpfungen noch eine Kampagne.

Masern

Der Aargau will weder Zwangsimpfungen noch eine Kampagne.

Weder Zwangsimpfungen noch eine Kampagne: Der Aargau will mit der Unterstützung der Impfwoche zwar die Impfquote um 10 Prozent erhöhen, aber es bleibt alles beim Alten.

Sabine Kuster

Schweizweit hat der Aargau einen der grösseren Masern-Virenherde. Der Kantonsärztliche Dienst erhielt vor allem in den Monaten Februar und März einige Duzend Meldungen über Masernfälle. Nun unterstützt der Kanton die aktuelle europäische Impfwoche, wie das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) in einer Mitteilung schreibt.

Die stellvertretende Kantonsärztin Maria-Inés Carvajal, sagt allerdings: «Speziell zur Impfwoche machen wir nichts, wir haben bereits ein gutes Angebot.» Im Kanton Aargau werden die Eltern von den Hausärzten und über den kantonalen Impfdienst der Lungenliga über die Konsequenzen von Masern-Impfungen beziehungsweise vom Nicht-Impfen informiert. «Eine Impfung wird nur dann vorgenommen, wenn die Eltern ihr Einverständnis schriftlich erklären», schreibt die Lungenliga auf ihrer Internetseite www.lung.ch.

«Impfzwang wäre unangemessen»

Ein Impf-Zwang ist im Aargau auch weiterhin nicht vorgesehen - im Gegensatz zu anderen Kantonen, wie der Waadt, die eine Verordnung über ein kantonsweites Impfobligatorium vorbereitet (Sonntag vom 19. 4.). Auch eine Aufklärungskampagne (wie im Kanton St. Gallen) oder eine Überprüfung der Impfausweise aller Schulkinder (Kanton Thurgau) ist nicht geplant. Die stellvertretende Kantonsärztin sagt dazu: «Es gibt bereits klare Empfehlungen für den Krankheitsfall und für die Kontrolle lokaler Epidemieausbrüche. Diese werden von uns unterstützt und im Einzelfall genau analysiert.» Wichtig sei es, auch der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen. Zudem würde ein Impfzwang polizeiliche Massnahmen beinhalten, «das erachten wir als unangemessen», sagt Carvajal.

Das gesamtschweizerische Ziel, eine Durchimpfungsquote von 95 Prozent zu erreichen, verfolgt der Aargau ebenfalls. Erstaunlicherweise erfüllen die 16-Jährigen diese Impfquote für die 1. Impfung. Jedoch nur 86 Prozent haben auch die notwendige 2. Impfung gegen die Masern. - Das ist sind immerhin bereits 10 Prozent mehr als noch 2003, wo nur 76 Prozent diesen Alters geimpft waren.

Geimpfte schützen auch andere

Den Grund dafür, dass zurzeit vor allem Jugendliche an Masern erkranken, sieht das DGS darin, dass viele Eltern ihre Kinder aus Angst vor Nebenwirkungen erst in der Pubertät gegen Masern impfen lassen. In seinem Communiqué weist das DGS darauf hin, dass Impfungen sicher sind und vor schweren Komplikationen schützen. Für Carvajal gibt es neben dem individuellen Aspekt des Impfens auch noch einen gesellschaftlichen: «Impfen ist ein Akt der Solidarität gegenüber Menschen, die sich aus bestimmten Gründen nicht impfen lassen können. Denn bei diesen sind die Risiken von Krankheit und Komplikationen deutlich höher als bei der übrigen Bevölkerung.»

In zehn Prozent der Fälle treten bei Masern Komplikationen wie Mittelohrenentzündungen auf, die zu Hörbehinderungen führen können, schreibt das DGS, aber auch Lungen- sowie Hirnhautentzündungen, die tödlich verlaufen können.

Das Informationsblatt zu den Masern kann auf der Internetseite www.ag.ch/kantonsarzt/ unter «Gesundheitsvorsorge» und «Merkblätter» heruntergeladen werden.

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