NSA
«Keine neuen Abhörversuche» gegen die Schweiz

Das EDA ist das prominenteste Opfer von Lausch- und HAckerangriffen. Sechs Mal in drei Jahren wurden die Rechner des EDA geknackt. Schweizer Botschaften jedoch sollen vor Lauschangriffen gefeit sein.

LORENZ HONEGGER
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Lauschangriff: Zurück zum Anfang

Lauschangriff: Zurück zum Anfang

Keystone

Bespitzeln die Amerikaner auch Schweizer Botschaften? Diese Frage stellt sich nach dem Publikwerden von Lauschangriffen des US-Geheimdienstes NSA gegen EU-Vertretungen in Washington und New York zwangsläufig. Das Aussendepartement (EDA) wiegelt auf Anfrage ab: «Dem EDA sind in jüngster Vergangenheit keine neuen Abhörversuche bei Schweizer Botschaften bekannt geworden.»

Doch auch die Eidgenossenschaft sieht sich immer wieder mit Lausch- und Hackerangriffen konfrontiert. Prominentestes Opfer einer solchen Attacke ist das EDA selbst. Unbekannte drangen in den vergangenen sechs Jahren drei Mal in die Rechner des Departements von Aussenminister Didier Burkhalter ein, letztmals im Sommer 2012. Über die Täterschaft herrscht bis heute Unklarheit: Die Spekulationen zu den Auftraggebern reichten von China bis Libyen.

Das EDA gelobt auch jetzt wieder, die Situation «aufmerksam» zu verfolgen, sieht aber aufgrund der Enthüllungen des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» keinen direkten Handlungsbedarf: «Die Sicherheitsmassnahmen befinden sich auf dem aktuellen technischen Stand.» Im Fall «einer erhöhten Gefährdung» würde das Departement «situativ zusätzliche Massnahmen ergreifen».

Routinemässig abgehört

Mitarbeiter von Schweizer Botschaften rund um den Globus sind nicht erst seit der Affäre um den Whistleblower Edward Snowden auf die Abhörproblematik sensibilisiert. Christian Blickenstorfer, von 2001 bis 2006 Schweizer Botschafter in den USA, sagt, er sei zu seiner Zeit in Washington immer davon ausgegangen, «dass die amerikanische Seite uns routinemässig abhört». Einem mittlerweile verstorbenen Diplomatenkollegen sei etwa bei Verhandlungen zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen aufgefallen, dass die Amerikaner die Schweizer Position immer bis ins letzte Detail kannten.

Als Strategie gegen Lauschangriffe empfehle es sich, Telefonate wenn möglich auf Schweizerdeutsch zu führen und heikle Nachrichten verschlüsselt zu übermitteln. Die Schnüffeleien der NSA gegen EU-Einrichtungen hält Blickenstorfer nur darum für aussergewöhnlich, weil die betroffenen Staaten die Spionageaktivitäten erstmals schwarz auf weiss belegen können.

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