Kioskkonzern
Das langsame Ende der Presseläden: Valora schliesst Press&Books-Filialen – Sandwiches bringen mehr Geld

Der Schweizer Kioskkonzern Valora krempelt sein Geschäft um. Die Bücher- und Zeitschriftenläden von «Press & Books» verschwinden zusehends. Das Geschäft mit Zeitungen und Büchern lahmt.

Stefan Ehrbar
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Ein rückläufiges Geschäft: Press&Books-Filiale am Zürcher Flughafen.

Ein rückläufiges Geschäft: Press&Books-Filiale am Zürcher Flughafen.

Valora

Das Tor zur weltweiten Presselandschaft hat sich in Basel geschlossen. Der Kioskkonzern Valora hat die einzige Filiale seines Presse- und Buchhändlers «Press & Books» (P&B) dichtgemacht. Der Mietvertrag mit den Bundesbahnen war ausgelaufen. Zeitungen und Zeitschriften gibt es im Bahnhof Basel SBB nun nur noch an den Kiosken, die ein deutlich kleineres Sortiment führen.

Eine Ausnahme ist das nicht. Seit Jahren schliesst Valora Filialen der Kette. Im letzten Jahr hat sich dieses Tempo noch einmal beschleunigt. Ende des Jahres 2019 betrieb Valora gemäss Geschäftsbericht 31 P&B-Filialen in der Schweiz. Vor vier Jahren waren es 34 gewesen. Aktuell sind gemäss Angaben auf der Internetseite noch 25 Standorte geöffnet. Neben der Filiale im Bahnhof Basel SBB wurde kürzlich etwa auch eine von zwei im Zürcher Hauptbahnhof aufgehoben. Drei Filialen am Zürcher Flughafen wurden im Zug der Coronakrise vorübergehend geschlossen – wann sie wieder aufgehen, ist ungewiss.

Einst waren es 34 Filialen

René Weber ist Analyst bei der Bank Vontobel und begutachtet Valora seit vielen Jahren. Im Abbau von P&B-Filialen sieht er eine gewisse Logik. «Durch den Trend in Richtung E-Commerce wird das Konzept P&B weiter an Bedeutung verlieren», sagt er. «Die Standorte werden sich auf hochfrequenzierte Verkehrsknotenpunkte konzentrieren.» Dazu gehörten etwa der Hauptbahnhof und der Flughafen Zürich oder die Bahnhöfe von Bern und Genf.

Zurzeit betreibt Valora P&B-Filialen in SBB-Bahnhöfen, aber etwa auch in Muralto TI und Gstaad BE sowie in Einkaufszentren in Schönbühl BE, Allschwil BL oder Mels SG. Das Geschäft mit Zeitungen und Zeitschriften ist seit Jahren rückläufig. Es verlagert sich zunehmend ins Internet, die Printauflagen der allermeisten Presseprodukte gehen stetig zurück. Im Buchmarkt macht sich zudem das Aufkommen von E-Readern wie dem Kindle bemerkbar.

Corona sorgte für Presse-Einbruch

Corona hat diesen Trend noch einmal beschleunigt. Mit dem Lockdown und der Empfehlung, sich so wenig wie möglich zu bewegen und im Homeoffice zu arbeiten, sind die Pendlerzahlen im letzten Jahr regelrecht eingebrochen. Darum kauften auch weniger Menschen eine Zeitung oder Zeitschrift für ihre Zugfahrt. Dieser Trend zeigt sich in der Importstatistik des Bundes. Diese ist einerseits relevant für ausländische Nachrichtenmagazine wie den «Spiegel» oder «Focus», für Zeitungen wie die «FAZ», die «Bild» oder die «New York Times», andererseits kommt aber auch ein grosser Teil der Spezial- und Fachpresse an hiesigen Kiosken aus dem Ausland.

Zeitungen kriegen immer weniger Platz in den Kiosken.

Zeitungen kriegen immer weniger Platz in den Kiosken.

Mario Heller

Im Jahr 2020 wurden gemäss provisorischen Daten Zeitungen und Zeitschriften im Wert von 185 Millionen Franken aus dem Ausland importiert – ein Minus von 17,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den Vorjahren war der Rückgang jeweils weniger stark gewesen und hatte sich zwischen -3,7 und -10,8 Prozent bewegt.

Stiegen die Preise?

Gegenüber dem Jahr 2013 hat sich der Wert der importierten Zeitungen und Zeitschriften mit einem Minus von 47 Prozent fast halbiert. Die gewogene Menge nahm mit einem Rückgang von 55 Prozent auf 18'000 Tonnen sogar noch stärker ab – ein Hinweis darauf, dass Händler auf den Rückgang der Menge mit Preiserhöhungen reagiert haben dürften.

Valora als grösste Presseverkäuferin der Schweiz mit Sitz in Muttenz BL hat auf verschiedene Art und Weise auf diesen Trend reagiert: Neben einer Reduktion der physischen Verkaufsflächen, die in ihren Filialen für Presseerzeugnisse reserviert sind, verkaufte sie 2014 den eigenen Pressegrosshändler, der mittlerweile 7 Days Media heisst. Zudem wandelte sie P&B-Filialen um – etwa in das Convenience-Format «Avec», wo sie vor allem Snacks und Getränke für unterwegs verkauft.

Mehr Marge mit Essen

Diese Strategie hält Analyst René Weber für nachvollziehbar. «Der Umbau in Avec-Filialen macht sehr viel Sinn, denn im Bereich des Convenience und on-the-go-food sind weiterhin Wachstumsraten möglich, während der Absatz bei Büchern und der Presse weiter sinken wird.» Weber sagt, er rechne mit weiteren Schliessungen von P&B-Filialen, «wobei eine Umnutzung zum Beispiel in Avec-Filialen im Vordergrund stehen wird.» Das Sandwich für unterwegs bringt mehr Geld ein als die Zeitung, die nur noch wenige kaufen.

«Avec»-Filialen liefen gut – zumindest bis vor Corona.

«Avec»-Filialen liefen gut – zumindest bis vor Corona.

Alex Spichale

Die Strategie hin zu mehr Convenience-Flächen verfolgt Valora spätestens, seit sie 2019 die Ausschreibung der SBB für 262 Flächen in deren Bahnhöfen gewonnen hat und sich gegen gewichtige Konkurrenten wie Coop durchsetzen konnte. Daraufhin modernisierte Valora die Konzepte für ihre Avec- und Kiosk-Verkaufsstellen und begann mit deren Umbau. Der «insgesamt höhere Fokus auf Food und Getränke ermöglicht es Valora, diesen hochmargigeren Produktanteil im Gesamtsortiment im Verhältnis auszubauen, was einen positiven Effekt auf die Bruttogewinnmarge haben wird», teilte der Konzern damals mit.

Neue P&B-Filialen geplant?

Die Bedeutung von Press&Books für den Konzern für den Konzern nimmt in der Schweiz damit weiter ab. Bereits 2019 sei sie «sehr klein» gewesen, sagt Analyst Weber. Die 31 Läden hätten damals weniger als drei Prozent der Valora-Verkaufsstellen ausgemacht.

Valora gibt sich auf Anfrage zugeknöpft. Im vergangenen Jahr sei es vereinzelt zu Schliessungen von P&B-Filialen gekommen, sagt ein Sprecher.

«Gründe sind Frequenzeinbrüche infolge der Coronakrise oder etwa der Verlust der Verkaufsfläche im Rahmen einer Ausschreibung.»

So sei es im Fall der Filiale im Bahnhof Basel SBB der Fall gewesen. Ob in diesem Jahr weitere Schliessungen geplant sind, gibt Valora nicht bekannt. Stattdessen verweist er darauf, dass die Valora mit ihren 1100 Verkaufsstellen «einer der wichtigsten Vertriebskanäle für Presse und Magazine der Schweiz» sei. Mit über 6800 Titeln in allen Sprachen leiste Valora jeden Tag einen «substanziellen Beitrag an die Pressevielfalt und die Meinungsbildung.» Valora sei grundsätzlich daran interessiert, neue Verkaufsstellen zu eröffnen – auch von Press & Books. «Allerdings muss der Standort und dessen Kundenfrequenz passen, wobei in der Schweiz die Zahl geeigneter Standorte für P&B limitiert ist.»