Covid-19
Knappe Intensiv-Plätze: In fünf Tagen droht Spitälern der Kollaps

Auf den Intensivstationen steigt die Zahl der Covid-19-Patienten rasant – der Bund warnt, dass schon in fünf Tagen die Plätze ausgehen.

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Aktuell liegen 362 Corona-Patienten auf der Intensivstation - am vergangenen Donnerstag waren es noch 240.

Aktuell liegen 362 Corona-Patienten auf der Intensivstation - am vergangenen Donnerstag waren es noch 240.

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Die Westschweiz macht im Kampf gegen Corona zu , jeden Tag ein bisschen mehr. Gestern ergriffen nach Genf und Neuenburg auch Waadt und Freiburg weitere Massnahmen. Unter anderem müssen Bar und Restaurants schliessen. Das Freiburger Kantonsspital ist bereits derart am Anschlag, das ein leitender Arzt sich nur noch mit einem Hilferuf über die sozialen Medien zu helfen wusste. Die Situation sei «sehr schlimm», sagte Nicolas Blondel. Man stehe kurz davor, keine weiteren Patienten mehr aufnehmen zu können.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnte gestern, dass dies bald für die Intensivstationen im ganzen Land gelten wird. Schon in fünf Tagen, so Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionsktontrolle beim BAG, seien die Intensivstationen im Land voll, wenn die aktuelle Entwicklung sich fortsetzt. «Die Situation ist angespannt», sagte Masserey. Laut Zahlen des Koordinierten Sanitätsdiensts (KSD), der die Lage in den Spitälern im Blick hat und dafür bei diesen täglich Informationen erhebt, sind zwar derzeit noch 312 Intensivbetten im Land frei. Bei momentan insgesamt 1121 Betten entspricht das einer auf den ersten Blick stattlichen Reserve von fast 28 Prozent.

Doch die Zahl der Covid-19-Patienten, die auf eine Intensivstation verlegt werden mussten, stieg in den letzten Tagen rasch an: von 240 am vergangenen Donnerstag auf bereits 362 gestern.

Die ganze Wucht der zweiten Welle kommt erst

Die jüngsten Fallzahlen deuten an, dass die Ausbreitung des Coronavirus sich zuletzt verlangsamt hat. Das ist zwar auch für die Spitäler eine gute Nachricht, aber zuerst gilt es dort nun die hohen Zahlen der letzten Wochen zu überstehen. Denn vom positiven Test bis zum Spitaleintritt vergehen einige Tage. Heisst konkret: Die ganze Wucht der zweiten Welle ist noch nicht in den Spitälern angekommen.

Virginie Masserey vom BAG sagte, es müsse nun alles getan werden, um unnötige Hospitalisationen zu vermeiden. Das beginne damit, nicht dringliche Eingriffe zu verschieben. Laut der Gesundheitsdirektorenkonferenz wurden diese Eingriffe in den Westschweizer Kantonen bereits weitgehend eingestellt. Auch anderswo, etwa in Bern, Schaffhausen oder Baselland, ist man sukzessive dazu übergegangen. Zudem müssen laut Masserey vulnerable Personen geschützt und etwa die Verbreitung des Virus in Altersheimen verhindert werden.

Weiteren Handlungsspielraum bietet laut Rudolf Hauri, dem Präsidenten der Kantonsärzte, ein Ausbau der Zahl der Plätze auf den Intensivstationen auf solche, die zwar nicht zertifizierten Anforderungen entsprechen, aber für die Behandlung von Patienten genügen. Laut KSD ist ein Ausbau auf bis 1400 Plätze möglich. Weiter wollen Bund und Kantone sicherstellen, dass jeder verfügbare Intensivplatz auch genutzt wird. Dazu sollen, sofern notwendig, Patienten aus überlasteten Regionen in andere transportiert werden. Koordinieren soll das Ganze die Rettungsflugwacht Rega.

Entsprechende Verlegungen wurden bisher laut Bund noch nicht durchgeführt. Allerdings könnte sich das angesichts der Prognosen des BAG rasch ändern. Denkbar ist gar, dass Patienten in der Schweiz ins Ausland verlegt werden. Ein entsprechendes Angebot aus Frankreich ist jedenfalls bereits eingegangen, wie Rudolf Hauri gestern sagte.