Kolumne Café Fédéral
Von Impfideen, die elektrisieren: Keine Leistungen oder Sticker für Ungeimpfte?

Politikerinnen und Politiker auf dem ganzen Kontinent versuchen, Skeptiker für die Coronaimpfung zu gewinnen. Schweizer Nationalräte fesseln mit ihren Ideen den ausländischen Boulevard.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Sag's mit Kuchen: Eine Impflotterie organisiert das Bundesamt für Gesundheit nicht. Aber es verteilt schon mal Kuchenstücke.

Sag's mit Kuchen: Eine Impflotterie organisiert das Bundesamt für Gesundheit nicht. Aber es verteilt schon mal Kuchenstücke.

Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 19. Juli 2021)

Diese Frage beschäftigt derzeit den ganzen Kontinent: Wie können mehr Menschen dazu bewegt werden, sich gegen Corona impfen zu lassen? Um Skeptikerinnen und Skeptiker doch noch zu überzeugen, versuchen Politiker so einiges. Einige Ideen sind zumindest originell oder zweifellos einen zweiten Gedanken wert. Andere sprengen moralische, gar rechtliche Rahmen.

Zupackend-kapitalistisch geht man das Ganze in den USA an: Bundesstaaten veranstalten Impflotterien und loben schöne Prämien aus. In der Schweiz lehnt das Bundesamt für Gesundheit indessen finanzielle Anreize strikt ab. Immerhin liess es schon mal Kuchen verteilen, um für den Piks zu motivieren.

Deutlich flexibler zeigen sich da die Nationalräte Kurt Fluri (FDP) und Jürg Grossen (GLP). Ihre Ideen elektrisierten sogar zwei der leserstärksten Boulevardzeitungen Europas. Grossen schlug unlängst einen Ungeimpften-Sticker fürs Pflegepersonal vor. «Umstrittener Vorstoss in der Schweiz!», titelte die deutsche «Bild».

Unangenehme Debatte

Derweil zog Fluri gegenüber CH Media in Betracht, dass ungeimpfte Covid-19-Erkrankte selbst für die Kosten ihrer Pflege aufkommen müssten. Die österreichische «Kronen-Zeitung» besprach seinen Vorschlag an prominenter Stelle. Ihr Urteil fiel wenig schmeichelhaft aus: «Diese Idee ist asozial.»

Zumindest sorgen Grossen und Fluri dafür, dass die Schweiz im Wettstreit der Impfquoten-Ideen nicht abfällt. Und dass eine Debatte in Gang kommt; sei sie auch noch so unangenehm.

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