US-Präsident Donald Trump macht alles anders. Während sich seine Vorgänger Barack Obama und George W. Bush kein einziges Mal am World Economic Forum (WEF) in Davos blicken liessen, reiste der ehemalige Immobilienunternehmer diesen Januar bei der ersten Gelegenheit ans Jahrestreffen der globalen Wirtschaftselite. Jetzt gibt es Hinweise auf Vorbereitungen für einen erneuten Trump-Besuch am WEF.

Die amerikanische Botschaft in Bern hat auf ihrer Website eine Ausschreibung veröffentlicht, mit der sie für den kommenden Januar vorsorglich acht Lastwagen zum Transport von Spezialequipment vom Flughafen Zürich nach Davos sucht. Die Fahrzeuge müssen schnee- und gebirgstüchtig sein und sich mit Paletten beladen lassen, wie sie von der amerikanischen Luftwaffe verwendet werden. Auffällig: «In jedem LKW-Führerhaus muss ein US-Regierungsvertreter mitfahren.» Es handelt sich also um einen Hochsicherheitstransport. Zusätzlich benötigen die Amerikaner am Flughafen Zürich ein abgedecktes Lager, um bis zu zwölf Paletten gleichzeitig beladen zu können, sowie einen Gabelstapler mit einer Nutzlast von 3,5 Tonnen.

Das Auftragsvolumen für die acht Lastwagen beträgt zwischen 35'000 und 50'000 Franken. Interessierte Firmen müssen sich bis am 1. Dezember bewerben.

Kommt nur Trump infrage?

Die «Schweiz am Wochenende» hat die Ausschreibung dem vielleicht renommiertesten Kenner des Secret Service, dem Personenschutzorgan des US-Präsidenten, vorgelegt. Der amerikanische Journalist und Autor Ronald Kessler hat mehrere Bücher über den Secret Service und das Weisse Haus geschrieben und in seiner Karriere zahllose aktive und ehemalige Personenschützer des US-Staatsoberhaupts befragt.

Für Kessler ist der Fall ziemlich klar: Die US-Botschaft bereitet sich auf einen allfälligen Besuch von Donald Trump vor. «Kein anderes Mitglied der US-Administration würde bei einem Besuch ein derart massives Aufgebot erfordern, wie es die Ausschreibung nahelegt», schreibt er auf Anfrage. Es sei üblich, dass der Secret Service im Vorfeld von Reisen des Präsidenten Fahrzeuge und Equipment einfliege.

Bilder aus dem vergangenen Januar vom Flughafen Zürich zeigen, wie mehrere Transportflugzeuge der US Air Force Geländefahrzeuge und Material in die Schweiz brachten. Das Equipment wurde damals auf dem Rollfeld in Lastwagen einer grossen Schweizer Transportfirma verladen. Später wurden dieselben Lastwagen beim Entladen in Davos gesichtet. Ob die Unternehmung tatsächlich einen Auftrag der US-Regierung hatte, ist nicht bekannt. Auf eine schriftliche Anfrage reagierte die Pressestelle diese Woche nicht.

Die US-Botschaft in Bern teilt in einem schriftlichen Statement mit, sie fordere jedes Jahr im Vorfeld des WEF logistische Unterstützung von Schweizer Unternehmen an, um den Besuch der US-Delegation vorzubereiten. In diesem Fall habe sie den Auftrag aufgrund des hohen Volumens gemäss amerikanischem Recht öffentlich ausschreiben müssen. Die Botschaft schreibt weiter, es sei noch offen, welche Vertreter der US-Administration am WEF 2019 teilnehmen.

«Gigantische Herausforderung»

Wäre Trump nicht Trump, würde vieles gegen zwei aufeinanderfolgende Besuche sprechen. Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, sagt, für die Organisatoren des World Economic Forum stelle es aus logistischer Sicht eine «gigantische Herausforderung» dar, wenn grosse internationale Namen wie Trump mehrere Jahre hintereinander nach Davos reisten. Gleichzeitig sei klar, dass die Botschaft in Bern für alle Fälle gewappnet sein müsse, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines Besuchs des amerikanischen Staatsoberhaupts nur zehn Prozent betrage.

Politisch wäre ein Auftritt am WEF für Trump eine Gelegenheit, die internationale Wirtschaftselite zu beruhigen, die sich wegen seines Handelskriegs mit China Sorgen macht.

Nimmt man den Präsidenten selbst zum Massstab, scheint er, der sich in der Rolle des erfolgreichen Business Man immer noch am besten gefällt, einem weiteren Besuch in Davos nicht abgeneigt zu sein: Bei einem kurzen Handshake am Rande der UNO-Generalversammlung in New York Ende September sagte Trump zu Bundespräsident Alain Berset, er habe am WEF eine «grossartige Zeit» gehabt.