Finanz-Probleme
Krise nimmt kein Ende: Zwei weitere Schweizer Hochseeschiffe stecken in Geldnöten

Die Schweizer Hochseeflotte manövriert finanziell seit langem in schwierigem Fahrwasser – nun sind zwei weitere Schiffe wirtschaftlich unter Druck geraten, wie Berichte des Bundesamts für Wirtschaft nahe legen.

Drucken
Teilen
Das Ausmass des Schweizer Hochseeflotten-Debakels ist grösser als angenommen. (Archiv)

Das Ausmass des Schweizer Hochseeflotten-Debakels ist grösser als angenommen. (Archiv)

Keystone

Die Bürgschaft für die in Schieflage geratenen Schweizer Hochseeschiffe kosteten den Bund bereits 215 Millionen Franken, wie die «Nordwestschweiz» berichtete. Insgesamt 13 Schiffe, die nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnten, mussten mit Verlust verkauft werden. Das Parlament hatte dafür im Juni zähneknirschend einen Nachtragskredit genehmigt.

Doch es könnte für den Bund noch teurer werden. Zwei in der Schweiz beheimatete Schiffsgesellschaften, für welche die Eidgenossenschaft bürgen muss, sind laut der Westschweizer Zeitung "La Liberté" in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Erik Reumann, Sprecher des Wirtschaftsdepartements (WBF), legte am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda die entsprechenden Berichte vor, auf die sich der Artikel von La Liberté bezog.

Er bestätigte zugleich, dass es sich in beiden Fällen um Einschiff-Gesellschaften handele. Die beiden betroffenen Schiffen seien zudem nicht Teil der 13 bereits verkauften Hochseeschiffe.

Kaum Land in Sicht für Gesellschaften

Demnach habe die in Pfäffikon SZ beheimatete SCL Trudy AG bereits 2015 keinen positiven EBIT erwirtschaftet - 2016 hätten "einmalige Wertberichtigungen" das Ergebnis zusätzlich belastet. Die Liquidität habe wesentlich abgenommen - die Geschäftstätigkeit könne bei der aktuellen Wirtschaftslage nur weitergeführt werden, wenn es eine "kontinuierliche Stützung" durch die Muttergesellschaft gebe.

Eine Nachfolgeregelung für das kommerzielle und technische Management des einzigen Schiffes stelle eine weitere Herausforderung dar, weil die heutige Managementgesellschaft in "absehbarer Zeit" liquidiert werden müsse.

Für die im Kanton Freiburg domizilierte Seamar SA hat das WBF den Halbjahresabschluss 2017 geprüft - die vorgenommenen Hochrechnungen seien zwar mit Vorsicht zu geniessen, doch ein "deutlich negativer Trend" sei klar zu erkennen. Die hohen Betriebskosten würden diese Entwicklung massgeblich beeinflussen. Sie könnten durch das Frachteinkommen nicht gedeckt werden. Das schlechte Teilergebnis verschärfe die Situation der Gesellschaft weiter.

Bund rechnet mit Erholung

Die weltweite Hochseeschifffahrt und mit ihr die Schweizer Reedereien seien in der Krise, so WBF-Sprecher Reumann. Es gebe aber "klare Anzeichen", die auf eine Markterholung hindeuteten. Davon werden laut Reumann auch die Schweizer Reedereien profitieren.

Aktuell verbleiben noch 29 Hochseeschiffe, welche mit bürgschaftsgesicherten Darlehen bis 2031 finanziert sind. Der Bund ist für Schiffe unter Schweizer Flagge Bürgschaften über insgesamt 770 Millionen Franken eingegangen.

Im Juli hatte der Bundesrat angeordnet, dass die angeschlagenen Reedereien durch eine Firma in Hamburg finanziell überwacht werden sollen. Anfang Dezember war bekanntgeworden, dass das Wirtschaftsdepartement (WBF) in der Hochseeflotten-Affäre eine Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft (BA) einreichte. Gegen wen ein Verfahren läuft und welche möglichen Straftatbestände im Raum stehen, wurde zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht kommuniziert.

Aktuelle Nachrichten