Oberster Reformierter
Lob an Prostituierte: «Befriedigte Männer sind friedlichere Männer»

Der Präsident des Evangelischen Kirchenbundes ruft zur Dankbarkeit gegenüber Prostituierten auf: Befriedigte Männer seien friedlichere Männer. Die Aussage stösst auf Kritik.

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Gottfried Locher lobt die Arbeit der Prostituierten

Gottfried Locher lobt die Arbeit der Prostituierten

Keystone

Mit gewagten Aussagen zu Sexualität und Prostitution sorgt der Präsident des Kirchenbundes, Gottfried Locher, für Kontroversen, berichtet die "NZZ am Sonntag".

Im Buch mit den Titel "Gottfried Locher, der ‹reformierte Bischof› auf dem Prüfstand" von Autor Josef Hochstrasser sagt Locher: "Befriedigte Männer sind friedlichere Männer. Darum sage ich, wir sollten den Prostituierten dankbar sein. Sie tragen auf ihre Art etwas zum Frieden bei."

Für die Frauen aber habe das Sexgeschäft eine hässliche Fratze: "Sie müssen mit Langzeitschäden an Leib und Seele fertigwerden."

Dies kommt in Fachkreisen nicht nur gut an. "Herr Locher pflegt in diesem Buch ein problematisches sexistisches Weltbild, in dem die Frauen als Ventil der männlichen Lust zu dienen haben", sagt Rebecca Angelini, Mediensprecherin der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration in der "NZZ am Sonntag".

Und er mache die Prostituierten zu armen Geschöpfen – in Wahrheit aber seien die meisten stark und emanzipiert. EVP-Nationalrätin Marianne Streiff sagt: "Die Darstellung des Mannes ist beleidigend. Als ob er ein Tier wäre, das seine Triebe nicht im Griff hat."

Lob kommt hingegen von der ehemaligen St. Galler SP-Regierungsrätin Kathrin Hilber: "Diese deutliche Anerkennung der Bedeutung der Arbeit von Prostituierten durch einen kirchlichen Amtsträger erstaunt und beeindruckt mich", sagt sie in der "NZZ am Sonntag".

Er bringe das Thema auf den Punkt und habe sich erstaunlich gut in die Frauen hineingefühlt. Locher ist erstaunt ob der Kontroverse, die seine Worte auslösen:

"Ich habe versucht, die ganze Widersprüchlichkeit der Prostitution zu beschreiben. Ich meine, das grosse Leid der Prostituierten hervorgehoben zu haben. Wenn das nicht gelungen ist, dann muss es nachgeholt werden.", sagt er in der "NZZ am Sonntag". (pd/sha)

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