Kommentar
Lob dem Graubereich: Warum unsere Beamten die neuen Corona-Regeln genial formuliert haben

Ab heute gelten die verschärften Massnahmen. Während der Fall bei den Ladenschliessungen einigermassen klar ist – geöffnet sind Geschäfte des täglichen Bedarfs –, wird es bei den Verhaltensregeln kompliziert. Und das ist gut so!

Patrik Müller
Patrik Müller
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Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG)informiert regelmässig an Medienkonferenzen zum Coronavirus.

Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG)informiert regelmässig an Medienkonferenzen zum Coronavirus.

Keystone

Die Firmen müssen ab Montag zwar Homeoffice anordnen, aber nur, falls dies «möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar» ist. Was heisst das? Und wie ist es, wenn ein Arbeitnehmer unbedingt ins Geschäft will, weil zu Hause Kinder herumtollen?

Stellt man den Behörden solche Fragen, weichen sie aus, schwurbeln im Unverbindlichen.

Auch bei der neuen Fünfer-Regel. Weder drinnen noch draussen dürfen mehr als fünf Personen zusammen sein. So weit, so klar. Doch wenn eine Frau die Kinder der Nachbarsfamilie hütet, darf man ihr die Tür öffnen, auch wenn schon fünf Leute im Haus sind. Und in einer Fünfer-WG können die Partnerinnen oder Partner von Bewohnern weiterhin vorbeikommen – zum Übernachten. Nicht aber zum gemeinsamen Kaffee.

Wer blickt da noch durch? Ist das nicht «schikanös», «Beamten-Willkür» und «irrwitzig», wie man in den Online-Kommentarspalten liest?

Ganz im Gegenteil! Die Bundesbeamten haben die Regeln genial formuliert. Ihr Graubereich lässt uns Luft zum Atmen. Eigenverantwortung ist zu einem Schimpfwort geworden, aber voilà: Es gibt sie noch, selber denken und handeln bleibt erlaubt.

Denn so viel Auslegungsbedarf die neuen Regeln auch haben, so eindeutig ist ihr Ziel: Je weniger Kontakte, umso besser. Das versteht jeder.