Brugdorf
Localnet-Nein heisst Ja zum Sparen

Burgdorfs Localnet AG bleibt vollständig in den Händen der Emmestadt: Das Stimmvolk lehnte einen Teilverkauf an die BKW Energie AG gestern deutlich ab.

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Localnet

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Berner Rundschau

F. Wüthrich / M. Cordeiro

Die biblische Geschichte wiederholte sich gestern in Burgdorf; David siegte gegen Goliath. Konkret: Die Burgdorfer Localnet AG wird nicht mit einer Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent an die BKW Energie AG verkauft. Bei einer Stimmbeteiligung von 42,2 Prozent standen 3184 Nein- 1166 Ja-Stimmen gegenüber. 73,2 Prozent der Burgdorferinnen und Burgdorfer wollten das lokale Unternehmen für 39 Millionen Franken kein bisschen aus ihren Händen geben. Der Erlös hätte der Stadtkasse aber gut getan, rechnen die Finanzexperten doch in den nächsten zwei Jahren mit einem Bilanzfehlbetrag.

Mit Schlagworten gekämpft

«39 Millionen Franken wären eine Chance für uns gewesen», kommentierte Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) das Abstimmungergebnis an der gestrigen Medienorientierung. «Ein Nein ist gleichzeitig ein Ja zum Sparen.» Die Vorlage sei sehr gut gewesen, der Abstimmungstext anspruchsvoll. «Wahrscheinlich hat es der Gemeinderat zu wenig rüber gebracht, dass der Teilverkauf das Beste für die Stadt wäre.»

Nein zu sagen sei immer einfacher, so Zäch, das wecke Emotionen. Das Gegnerkomitee habe mit Schlagworten gekämpft - die «grosse böse BKW gegen die kleine, feine Localnet». Eben Goliath gegen David. Zäch gab zu: «Ich bin nicht überrrascht über den Wahlausgang.» Ein Ja hätte den Standort Burgdorf gestärkt. Der Weg für den Gemeinderat sei nun zwar schwierig, aber: «Wir werden das sicherlich packen», sagte sie. Die überarbeiteten Legislaturziele gibt der Gemeinderat am 22. Juni bekannt.

«Es geht weiter wie vor dem Verkaufsangebot», sagte Gemeinderat Peter Urech (FDP). Die Exekutive sei auf ein Nein vorbereitet gewesen. Ohne den Geldsegen sei nun zu diskutieren, welche Investitionen hinten angestellt werden müssten - Casino-Theater, Markhalle oder Bahnhofplatz. Sich neu zu verschulden, könne nicht der Weg sein, so Urech. Das Referendumskomitte habe Ängste geschürt und mit Klischees hantiert. Im Hinblick auf die schwindenden Stadtfinanzen erwarte er jetzt vor allem aus dem Nein-Lager die nötige Unterstützung.

«Wir haben keine Emotionen geweckt», verteidigte sich Peter Gfeller, Präsident des Referendumskomitees für eine eigenständige Localnet. Er zeigte sich «hoch erfreut» über das Resultat. «Das ist ein Vertrauensbeweis», sagte er und fügte an: «Das kleine, feine Unternehmen mit einem sehr guten Service Public geben wir nicht aus der Hand.» Das Volk wolle die Localnet überblicken - und nicht an einen Grosskonzern verkaufen.

Die Burgdorfer

Localnet AG wurde per 1. Januar 2001 ausgelagert; die Stadt ist Alleinaktionärin des Unternehmens. Bereits 2007 forderte die FDP in einer Motion, den Verkauf der Localnet AG zu prüfen - der Stadtrat lehnte dies ab. Letzten Herbst informierte der Gemeinderat, er plane des Unternehmen zu verkaufen. Das Parlament sagte Ja zu diesem Vorhaben. Die Unia, die Grüne Freie Liste sowie die EVP initiiereten aber das Referendum. (FWB)

Volkstaugliche Ideen sind gefragt

«Auch ohne diese Partnerschaft wird die Localnet erfolgreich bleiben», sagte Christoph Wyss, Vorsitzender des Komitees «Pro Partnerschaft und Teilverkauf der Localnet». Der BDP-Stadtrat verbarg seine Enttäuschung nicht und erklärte: «Das klare Nein müssen wir akzeptieren.» Angstmacherei funktioniere beim Volk offensichtlich. Dieses erwarte jetzt jedoch vom Referendumskomitee auch eine sinvolle Lösung. Nach der Pressekonferenz fügte Wyss an: «Die Localnet-Geschäftsleitung wird künftig primär volkstaugliche Ideen präsentieren müssen - und nicht die beste fürs Unternehmen.» Localnet-Geschäftsleiter Urs Gnehm bedauerte den Entscheid ebenso. In ferner Zukunft werde ein Strom-Beschaffungsproblem bestehen. Eine Zusammengehen mit der BKW sei diesbezüglich wohl aber vom Tisch.

Nicht vertreten an der Medienorientierung war die BKW. Sie nahm in einem Communiqué Stellung: Das Resultat nehme sie mit Bedauern zur Kenntnis. Die vorhandene Zusammenarbeit werde dennoch weitergeführt. Nach wie vor sei die Localnet für sie eine wichtige Partnerin.

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