Luftfahrt

Magnetischer Pol verschiebt sich – muss Flughafen Zürich seine Lande- und Startbahnen umbenennen?

Eine Swiss-Maschine landet am Flughafen Zürich.

Eine Swiss-Maschine landet am Flughafen Zürich.

Das Magnetfeld verschiebt sich jährlich um bis zu 55 Kilometer in Richtung Russland. Auswirkungen hat dies vor allem für die Luftfahrt – und die Bepinselung der Lande- und Startbahnen.

Für die Orientierung ist das Magnetfeld dieser Erde von grosser Wichtigkeit. Dies betrifft vor allem die Luftfahrt, für die das sogenannte Weltmagnetmodell, und somit der magnetische Pol, für die Navigation elementar ist. Doch sowohl der magnetische Nord- als auch der Südpol bewegen und verschieben sich.

Denn lange lag der magnetische Südpol in Kanada. (Der geographische Nordpol liegt in der Arktis, der magnetische Südpol aber auch. Der magnetische Nordpol befindet sich jedoch auf der Südhalbkugel.) Seit der Jahrtausendwende bewegt sich der Südpol jedoch stets in Richtung Russland mit einer «Geschwindigkeit» von 40 bis 55 Kilometern pro Jahr. Dies hat eine Auswirkung auf die Ausrichtung von Start- und Landebahnen von Flughäfen.

Obwohl der Kompass in Flugzeugen schon längst durch das GPS abgelöst wurde, sind Pisten an Flughäfen noch immer nach ihrer Ausrichtung und der Position der Kompassrose benannt – und das weltweit.

Umbenennung einer Piste ist keine Seltenheit

«Eine genau nach Süden zeigende Start- und Landebahn würde demnach 18 heißen, wobei das 18 für 180 Grad steht. In die Gegenrichtung würde sie als 36 bezeichnet, weil sie dann nach Norden zeigt. Eine genau nach Osten zeigende Bahn würde demnach 09 heißen, wobei das 09 für 90 Grad steht, in Gegenrichtung wäre sie die 27, da dies für 270 Grad stehen würde», erklärt das Aviatikportal Aerotelegraph auf seiner Website.

Die Wanderung des magentischen Nordens über die Jahre bis 2020.

Die Wanderung des magentischen Nordens über die Jahre bis 2020.

An einem konkreten Beispiel lässt sich dies am deutschen Flughafen Memmingen erklären, wo eine Lande-/Startbahn die Aufschrift 06/24 trägt. Das eine Ende der Piste zeigt somit mit 60 Grad in die eine Richtung, das andere Ende der Piste mit 240 Grad in die Gegenrichtung.

Dass ein Flughafen wegen der Verschiebung des magnetischen Südpols seine Pisten umbenennen muss, ist indes keine Sonderheit – es wird zum Beispiel in den USA regelmässig gemacht, da die staatliche Luftfahrtbehörde FAA die Ausrichtung der Pisten alle fünf Jahre überprüft und, wo nötig, Korrekturen vornimmt.

Dem Wichita Dwight D. Eisenhower National Airport im Bundesstaat Kansas wurde so vor einigen Jahren auferlegt, seine Pisten umzubenennen. Die Piste 14/32 musste so um zehn Grad zur Piste 15/33 korrigiert und neu beschriftet werden. Ähnliche Änderungen mussten auch in Las Vegas, in Jyväskylä (Finnland) und in Genf vorgenommen werden, wie das Aviatikportal Aerotelegraph schreibt.

Zürich will Umbenennung prüfen

Im Herbst 2018 habe der Flughafen Genf auf seinen beiden parallel verlaufenden Pisten die Pistenbezeichnungen 05/23 und 05L/23R entfernt und durch die Bezeichnungen 04/22 und 04L/22R ersetzen müssen, da sich die Ausrichtung der Pisten um zehn Grad verschoben hatte.

Auch der Flughafen Zürich kenne dieses Problem mit der sich verändernden Ausrichtung der Lande- und Startbahnen des Flughafens, deren der Flughafen Zürich drei hat. Wie der Flughafen auf Anfrage von Aerotelegraph erklärte, wolle man in diesem Jahr noch eine mögliche Umbenennung der Pisten wegen der Magnetverschiebung prüfen.

Das Thema geniesse aber nicht oberste Priorität, lässt sich eine Sprecherin des Flughafens zitieren.

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