Heirat
Männername setzt sich immer noch durch: Nur jede fünfte Frau behält nach Hochzeit ihren Nachnamen

Seit Anfang 2013 gilt: Jedermann soll seinen Nachnamen sein Leben lang behalten. Das neue Recht habt aber wenig an der Tradition geändert. Nun wünschen sich erste die Doppelnamen zurück.

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Bei der Heirat setzt sich noch immer meist der Nachname des Mannes durch. (Symbolbild)

Bei der Heirat setzt sich noch immer meist der Nachname des Mannes durch. (Symbolbild)

Keystone

Seit Anfang 2013 gilt: Jedermann soll seinen Nachnamen sein Leben lang behalten. Doch die meisten Paare heiraten in der Schweiz im Namen des Mannes. Das zeigen noch unveröffentlichte Zahlen des Bundesamtes für Statistik für die Jahre 2013 und 2014, die der Zeitung «Schweiz am Sonntag» vorliegen.

Schweizweit übernahmen 71 Prozent der frisch getrauten Frauen den Nachnamen ihres Gatten. Lediglich 24 Prozent behielten ihren Ledignamen. Und nur 2 Prozent der Männer wählten den Namen der Frau.

Die Soziologin Fleur Weibel untersucht an der Universität Basel, wie Paare heiraten. Sie sagt: Die Gleichstellungsmassnahme auf gesetzlicher Ebene hat ungleiche Auswirkungen auf Männer und Frauen. «Für viele Männer ist es nach wie vor undenkbar, den Namen der Frau anzunehmen», sagt Weibel. Oftmals seien die Frauen kompromissbereiter.

Das heisst: Die Frauen müssen zwischen dem Ausdruck ihrer eigenen Identität oder der Familienzugehörigkeit entscheiden, sagt die Soziologin. Denn offiziell gibt es keine Doppelnamen mehr. Zwar können Ehepaare einen Allianznamen führen, doch dieser ist nicht amtlich. «Ich finde, die Variante Doppelname müsste zusätzlich wieder möglich sein, damit Frauen und Männer zugleich ihre Identität und ihre Verbundenheit ausdrücken können.» Das sieht Stephan Walther, Leiter des Zivilstandskreises Bern-Mittelland, gleich. «Diese Variante war beliebt», sagt Walther.

Und auch für Albert Conrad, Leiter des Zivilstandskreises Baden steht fest: Der Doppelname soll künftig wieder erlaubt sein. Cora Graf-Gaiser ist Expertin für Namensrecht beim Bund. Die stellvertretende Chefin des Eidgenössischen Amtes für das Zivilstandswesen ist überzeugt: Je länger, je weniger wird der Name des Mannes zum gemeinsamen Familiennamen bestimmt.

Auch deswegen, weil sich das Heiratsalter nach oben verschiebt. «Je länger man mit einem Namen gelebt hat, desto weniger will man ihn aufgeben.» Hinzu kommt: Bis ein neues Gesetz fruchte, brauche es Zeit. «Dass eine Frau den Namen des Mannes übernehmen musste, war viele Jahre gesetzlich vorgeschrieben.»

Daher erstaune es nicht, dass die alte Regelung noch immer stark in den Köpfen der Gesellschaft verankert sei. Doch das werde sich ändern. «In ein paar Jahren wird es selbstverständlich sein, dass die Heirat keinen Einfluss auf den Nachnamen der Ehegatten hat.»