Die regionale Jugendsession «Megafon» findet nicht mehr statt. Der Versuch eines Neustarts ist am Desinteresse der Schulen gescheitert.
"Megafon" ist verstummt

Die regionale Jugendsession «Megafon» findet nicht mehr statt. Der Versuch eines Neustarts ist am Desinteresse der Schulen gescheitert.

Drucken
Teilen
Megafon

Megafon

Stadtanzeiger Baden

Hubert Keller

Engagiert, sachlich und souverän bringen Jugendliche ihre Argumente vor, kritisieren und verteidigen ihre Anträge. Weil die kiffenden Jugendlichen immer jünger würden, müsse man sie früh mit Bildern von Abhängigen konfrontieren, ihnen die Folgen der Drogenabhängigkeit drastisch vor Augen führen, wird argumentiert. Die Jungen müssten lernen, selber Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen.

Das war im März 2006, als die in Baden tagende Jugendsession eine Petition zuhanden der Gemeinden formulierte, eine Petition, die verlangte, dass die Drogen- und Suchtaufklärung an den Schulen früher beginnen und obligatorisch sein müsse. Es war dies nach dem gelungenen Start in Wettingen 2005 die zweite Jugendsession in der Region Baden.

Bereits 2007 fand keine mehr statt. Und jetzt hat der Verein «Megafon» endgültig aufgegeben. Nicole Meier: «Die Durchführung dieser Veranstaltung, die Schülerinnen und Schüler zur politischen Bildung und Partizipation anregen soll, ist bei den Schulen auf kein Interesse mehr gestossen.» Nach einer telefonischen Vororientierung - die allseits positiv aufgenommen worden sei - hatte das «Megafon»-OK im Januar die Schulleitungen von Obersiggenthal, Wettingen und Baden schriftlich über Konzept und Umsetzung orientiert und um Feedback gebeten. Doch ein solches traf weder von Wettingen noch von Obersiggenthal ein. Nur Baden liess sich verlauten: Der Vorlauf von fünf Monaten sei zu kurz. Mindestens drei Vierteljahre wären nötig.

Dem Kernteam des mittlerweile aufgelösten Vereins «Megafon» gehören an: Jonas Fricker, Grossrat Grüne Baden, als Präsident, Nicole Meier, Grossrätin CVP Baden, Karin Bächli, Einwohnerrätin SP Baden, und Manuel Meier, CVP.

Tatsächlich wären die Schulen gefordert gewesen. Im Unterricht müssten sich die 3. Klassen der Bezirks-, Sekundar- und Realstufe, die je zwei Vertreter an die Jugendsession delegieren konnten, mit den Themen auseinandersetzen und einen konkreten Klassenantrag formulieren. Im Unterricht würden auch die Regeln des politischen Meinungsbildungsprozesses vermittelt. Es ist nicht zu bestreiten: Die Schulen hätten zeitliche und personelle Ressourcen frei machen müssen.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite ist das Bedauern der «Megafon»-Leute, die sich gewünscht hätten, dass «den Jugendlichen weiterhin via ‹Megafon› der Zugang zu politischer Bildung erleichtert würde».

Als Nicole meier ihre Enttäuschung zu Protokoll gibt, ist sie im Zug unterwegs zu einem Debattierwettbewerb, an dem die Kantonsschulen Olten, Reussbühl, Sursee, Wohlen und Zug beteiligt sind: «Jugend debattiert». Das Projekt will Jugendliche zum Debattieren animieren und gipfelt in einem gesamtschweizerischen Wettbewerb. Die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) hat das Patronat inne.

Das Aus von «Megafon» hat sich bereits früher abgezeichnet. Für das Scheitern allein die Schulen verantwortlich zu machen, wäre zu kurz gegriffen. Bereits 2008 hätte die Verantwortung für die Durchführung der Jugendsession der Jugendarbeit übertragen werden sollen. Vor allem hätten auch Jugendliche selber in die Pflicht genommen werden sollen.

Nach anfänglich positivem Echo kam im Herbst 2009 die Absage: Die Jugendarbeiter krebsten zurück, da ihrer Ansicht nach das «Megafon» den Jugendlichen zu wenig Partizipationsmöglichkeiten bietet. Erst jetzt sprang das ursprüngliche «Megafon»-OK wieder ein, doch irgendwie, so scheint es, war die Luft bei den Schulen schon draussen.

Aktuelle Nachrichten