Coronavirus

Mehr Autofahrer: Wie sich unser Mobilitätsverhalten durch Corona verändert hat

In Schweizer Zügen bleiben mehr Plätze frei als im letzten Juli.

In Schweizer Zügen bleiben mehr Plätze frei als im letzten Juli.

Das Autofahren erlebt dank Coronavirus einen Boom in der Schweiz. In den Zügen bleiben dafür auf einmal mehr Plätze frei als im letzten Sommer. Die Einführung der Maskenpflicht brachte derweil keine Veränderung

Man gewöhnte sich daran, dass es zu «Corona-Zeiten» kaum Verkehrsmeldungen am Radio gab. Auch Blechlawinen über die Feiertage gab es in diesem Frühling nicht.

Inzwischen sind die Strassen wieder voll wie zuvor – respektive eben sogar noch voller als zuvor. Seit Beginn der Pandemie veröffentlicht Apple Bewegungsdaten, die sie mit ihrer hauseigenen Karten-App in anonymer Form erheben.

 Die Entwicklung wird relativ (in Prozent) zum Montag, 13. Januar 2020 angegeben. Demnach sind in der Schweiz zurzeit mehr als eineinhalb mal so viele Autos unterwegs wie noch im Januar. Auch die Fussgänger haben zugelegt, sie kommen auf rund einen Drittel mehr Bewegung als zu «Vor-Corona-Zeiten».

Passagierzahlen haben sich wieder deutlich erholt

Der ÖV hingegen wird noch immer gemieden. Nach einem Einbruch von fast 80% Ende März haben sich die Passagierzahlen zwar wieder deutlich erholt. Noch immer sind aber gemäss Apple rund 10% weniger Leute unterwegs.

Entwicklung der Bewegungsdaten gemäss Apple.

Entwicklung der Bewegungsdaten gemäss Apple.

In Bezug auf die zurückgelegte Distanz gibt das Mobilitäts-Monitoring des Bundes Auskunft. Das Bild ist ähnlich: Mit dem Auto und Motorrad legen Menschen in der Schweiz mehr Kilometer zurück als vor dem ersten Coronafall Ende Februar.

Bewegungsradius mit dem ÖV liegt unter Mittelwert

Keine deutliche Veränderung gibt es laut dieser Untersuchung bei den Fussgängern und mit den «anderen Verkehrsmitteln». Dabei handelt es sich um Velos, Bergbahnen, Schiffe und Co.

Noch nicht vollständig erholt hat sich der Bewegungsradius mit dem ÖV. Er liegt noch immer unter dem Mittelwert von Anfang Jahr.

Entwicklung der Tagesdistanzen gemäss Intervista.

Entwicklung der Tagesdistanzen gemäss Intervista.

Die verminderte Auslastung im ÖV bestätigen auch die SBB. Im Moment bewegt sich die Auslastung auf «stabilem Niveau», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Maskenpflicht brachte keine Veränderung

In der Woche 24 (8. bis 14. Juni 2020) lag die Auslastung gemäss den SBB im Fernverkehr noch bei rund 50 Prozent. In den folgenden Wochen ist sie etwas gestiegen, hat sich jetzt aber bei 60 Prozent eingependelt.

Regionalzüge sind sogar noch etwas mehr ausgelastet: Rund 70 Prozent aller Passagiere sind dort unterwegs – verglichen zur Auslastung der Vorjahresperiode.

Passagieraufkommen im Vergleich zur Normalauslastung.

Passagieraufkommen im Vergleich zur Normalauslastung.

Die Einführung der Maskenpflicht in der Woche 28 brachte keine Veränderung. Allerdings liegen die Zahlen der letzten Woche (KW 29) noch nicht vor und die SBB können daher noch keine abschliessende Beurteilung vornehmen, wie sich die Maskenpflicht auf die Auslastung auswirkt.

Ein direkter Vergleich zum Vorjahr erweist sich ausserdem als schwierig, weil im Jahr 2019 viele Extrazüge an Festivals unterwegs waren zu dieser Zeit.

Meistgesehen

Artboard 1