Ihre politischen Positionen könnten unterschiedlicher kaum sein: SVP-Scharfmacher Roger Köppel auf der einen Seite, der ewige SP-Rebell Cédric Wermuth auf der anderen. Beide aber verstehen es glänzend, sich selber zu vermarkten, die Massen zu bewegen. Sie sind die zwei, die obenaus schwingen in einem Wahlkampf, in dem so viel Geld fliesst wie nie zuvor.

Um einen Ständeratssitz zu ergattern, ist Köppel kein Aufwand zu gross. Über Monate hinweg tingelt er mit seiner Vortragsreihe durch sämtliche 162 Gemeinden im Kanton Zürich. Die Tour kündigte er werbewirksam mit ganzseitigen Inseraten an. Alleine dies dürfte mehr als 40'000 Franken gekostet haben – schätzungsweise.

Denn Köppel will sich nicht in die Wahlkampfkasse schauen lassen. «Als Befürworter der finanziellen Privatsphäre als Freiheitsrecht unserer Bürger» macht er keine Angaben. Insider schätzen die Kosten seiner Kampagne auf mindestens eine halbe Million Franken. Köppel weiss zudem die geballte Macht seiner «Weltwoche» hinter sich. Ihm gehört unangefochten die Nummer Eins unter den finanzstarken Kandidaten.

Eine Auswahl der Ständerats-Kandidaten, die ihre Budgets bekannt geben:

US-Werber sollen zum Wahlsieg verhelfen

Da kann nicht einmal SP-Ständeratskandidat Wermuth mithalten. Wobei der Aargauer alle erstaunt hat: Stolze 300'000 Franken hat er für seinen Wahlkampf zusammenbekommen. Gerade auch durch Crowdfundig. Dafür hat er viele Klinken geputzt. Es hat sich gelohnt. 5200 Mitglieder umfasst sein Komitee. Zwei Personen im 80-Prozent-Pensum arbeiten für ihn. Zudem konnte er die US-Agentur Tandem für sich gewinnen, die schon die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez international bekannt gemacht hat. Nun darf sich auch Wermuth über eine hochprofessionelle Kampagne freuen.

Mehr ist mehr. Das gilt beim Ständeratswahlkampf je länger je mehr. Die CH-Media-Redaktion hat Kandidatinnen und Kandidaten aus unterschiedlichen Kantonen und Parteien gebeten, ihre Budgets offenzulegen. Manche schweigen lieber, viele aber gaben Auskunft. Und es zeigt sich: Mehrfach stecken 200'000 Franken in der Kampagne – und noch mehr. So hat etwa der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli ein Budget von 290'000 Franken, der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser von einer Viertelmillion.

Der Ständerat - eine Zweiklassengesellschaft

Noch ist das nicht Standard, aber es zeigt sich: Der Sprung ins Stöckli kostet immer mehr. Das sagen Kandidaten und Beobachter. «Mit Sicherheit» fliesse mehr Geld, sagt Politberater und Lobbyist Walter Stüdeli, der Ständerat Stöckli berät: «Die eingesetzten Mittel haben in den vergangenen acht Jahren extrem zugenommen.»

Doch es gibt grosse Unterschiede. Der Ständerat ist eine eigentliche Zweiklassengesellschaft: Während in kleineren Kantonen wenig Geld im Spiel ist, bleibt in anderen chancenlos, wer nicht tief ins Portemonnaie greift. Allein im Kanton Bern geben die sechs prominentesten Kandidaten zusammen fast eine Dreiviertelmillion aus – der zweite Wahlgang ist noch nicht mal bei allen eingerechnet.

Ein durchschnittlicher Jahreslohn für den Wahlkampf

Noch höher dürften die Ausgaben in den Kantonen Aargau und in Zürich sein. Auch in St. Gallen, Luzern oder den beiden Basel fliessen beträchtliche Summen. Viele nennen ein Budget von 70'000 bis 100'000 Franken – immerhin ein durchschnittlicher Jahreslohn.

Geld, das die Kandidaten erst mal auftreiben müssen. Sie greifen zwar meist auch in die eigene Tasche. Doch nur einzelne zahlen fast alles selbst, so etwa der St. Galler FDP-Nationalrat und Unternehmer Marcel Dobler oder der Luzerner SVP-Mann Franz Grüter. Die meisten sammeln Geld bei Privatpersonen, Firmen und Verbänden. Die Berner Grüne Regula Rytz kritisiert: «Wer finanzstarke Firmen im Rücken hat, geht mit grossem Vorsprung ins Rennen.» Tatsächlich investieren die Bürgerlichen bei den Nationalratswahlen jeweils mehr Geld.

Allerdings können auch SP-Ständeratskandidaten nicht über leere Kassen klagen. Sie profitieren davon, dass ihnen die Partei einen ordentlichen Batzen an die Kampagne zahlt – etwa bei Wermuth 90'000 Franken. Den Grossteil seines Budgets hat er aber aus Kleinspenden gesammelt. «So viel Geld im Wahlkampf stellt eine soziale Hürde dar», sagt er. «Wir wollten deshalb zeigen, dass es auch über Spenden von Privaten geht.» 200'000 Franken hat er so mobilisiert.

Persönliche Begegnungen bleiben wichtig

Gerade Politiker aus kleineren Parteien können da nicht mithalten. Sie hoffen, dass sie das anders wettmachen können. «Fehlende Kreativität kann man nicht mit Geld kompensieren, vier Jahre schlechte Politik auch nicht», sagt GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy, die über fast schon bescheidene 50'000 Franken verfügt.

Der Wahlkampf verschlingt aber nicht nur immer mehr Geld, sondern auch mehr Zeit. Schliesslich gilt es, auch auf sozialen Medien wie Facebook für sich zu werben. Hinzu kommt der klassische Wahlkampf mit Plakaten, Inseraten, Flyern, Podien – und der direkte Kontakt zur Bevölkerung. Gerade weil mehr digital kommuniziert werde, seien persönliche Begegnungen noch wertvoller, findet die Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Viele touren durch ihren Kanton – wenn auch nicht so exzessiv wie Köppel, der den Wahlkampf in neue Dimensionen katapultiert hat.

Am anderen Ende der Skala steht etwa der Obwaldner CVP-Mann Erich Ettlin. Genauso wie sein Innerrhoder Parteikollege Daniel Fässler oder der Nidwaldner FDP-Mann Hans Wicki kann er dem 20. Oktober tiefenentspannt entgegenblicken. Weil ein Gegenkandidat fehlte, ist er anfangs September in Stiller Wahl erneut zum Ständerat erkoren worden. «Das spart natürlich viel Zeit und Geld», sagt Ettlin. Ganz will er dennoch nicht auf öffentliche Auftritte verzichten. Seine längst geplante Tour mit der Vespa durch alle sieben Gemeinden im Kanton findet trotzdem statt: «Die Leute sollen sehen, dass ich für sie da bin.»