«Catch a Car»

Mit Mietautos gegen die lästigen Verkehrsprobleme der Städte

Catch-a-Car-Wagen beim Wettsteinplatz in Basel.

Catch-a-Car-Wagen beim Wettsteinplatz in Basel.

Das Pilotprojekt «Catch a Car» steht vor der Expansion. Statt nur in Basel soll das ortsunabhängige Mieten von Autos auch andere Schweizer Städte erobern. Dabei hinkt die Schweiz Europa und der Welt hinterer. Die Erfahrungen dort zeigen – es kann auch schief gehen.

Autofahren in der Stadt ist vor allem eins: mühsam. Entweder steckt man im Stau oder im stockenden Verkehr und wer einen Parkplatz sucht, wird kaum auf Anhieb einen finden. Zudem sind die vielen Autos eine Belastung für die Umwelt. Es ist halt einfach so. Denn: Viele Menschen bedeutet viel Verkehr – eine wachsende Bevölkerung bedeutet noch mehr Verkehr.

Doch am Mittwoch behauptete einer: «Wir haben die Lösung für die lästigen Verkehrsprobleme, welche die Städte heute haben.» Adamo Bonorva ist Bereichsleiter Mobility Carsharing Schweiz. Seine Hoffnungen beruhen aber nicht in erster Linie auf das Angebot von Mobility, sondern auf jenes der Tochterfirma «Catch a Car».

Deren Angebot gibt es erst seit August 2014, erst in Basel und erst als Pilotprojekt. Das Angebot unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von jenem der Mutterfirma Mobility. Statt das Auto am Ende der Mietdauer an den Ausgangspunkt  zurückzubringen, kann der Mieter es einfach auf dem nächsten blauen Parkfeld stehen lassen. Um die Auswirkungen dieses ersten sogenannten Free-floating Car-Sharing-Angebots der Schweiz zu prüfen, hat die ETH Zürich das Pilotprojekt wissenschaftlich begleitet.

Die Ergebnisse überraschen die Verantwortlichen selber. Zumindest war der Satz «Die Resultate übertreffen unsere Erwartungen bei weitem» an der Medienkonferenz am Mittwoch gleich dreimal zu hören. Sowohl vom Verantwortlichen der Mobility, vom Studienleiter der ETH, sowie von der Stadt Basel, vertreten durch Regierungsrat Hans-Peter Wessels.

45 000 Liter Treibstoff gespart

Und tatsächlich: Die Resultate der Studie lassen aufhorchen. Gemäss dieser gibt es dank «Catch a Car» in Basel 363 Autos weniger, die zurückgelegten Fahrdistanzen wurden um 560 000 Kilometer reduziert, 104 Tonnen CO2 weniger ausgestossen sowie  45 000 Liter Treibstoff gespart.

Freefloating Car-Sharing ist auf dem Vormarsch. Eine Doktorarbeit an der ETH Zürich kommt zum Schluss: «Nun ist stationsgebundenes CarSharing in den letzten 20 Jahren ein Nischenprodukt geblieben, erst mit dem Markteintritt der neuen vollflexiblen Free Floating-Carsharing Systeme erfährt die Branche einen Aufschwung mit einem rasanten Wachstum der Nutzerzahlen.»

In den USA gibt es den Trend schon seit Jahren, in Deutschland setzen viele Anbieter seit 2008 auf ortsungebundenes Carsharing.  Teils gibt es mehrere Anbieter in der gleichen Stadt, beispielsweise in Hamburg: Hier konkurrieren Drive Now und Car2go um Kunden. «Vor allem in Millionenstädten gibt es Free Floating-Carsharing Angebote. Da haben wir in der Schweiz eine andere Ausgangslage», sagt Bonorva von Mobility. Der Erfolg in Basel zeige aber, dass es auch in der Schweiz funktioniere.

Catch a Car wird in Basel auch nach der Pilotphase weitergeführt und das Projekt soll in andere Schweizer Städte expandiert werden. In welche wollen die Verantwortlichen noch nicht verraten. Es heisst einzig, man sei mit mehreren in Verhandlungen.

Debakel in London

Dass Free Floating-Carsharing nicht automatisch einen Erfolg verspricht, selbst in einer Millionenstadt, zeigt das Beispiel London. Dort erlebte der Anbieter Car2go ein regelrechtes Debakel. Unter anderem haben administrative Hürden zum Misserfolg und letztendlich zum Rückzug aus Englands Hauptstadt geführt, wie der Geschäftsführer nach dem Scheitern gegenüber den Medien kommunizierte. Vor allem, dass man mit 32 Bezirken, sprich mit 32 Bürgermeister über den Parkraum verhandeln musste, hat das Projekt beschwert.

In Basel ist dies bedeutend einfacher. Nur mit einer Behörde, dem Basler Regierungsrat, musste eine Lösung gefunden werden. Mit der Anwohner-Karte, die Mobility zum dreifach höheren Preis bezieht, hat man eine einfache Lösung gefunden. Zudem kann man Regierungsrat Hans-Peter Wessels schon beinahe als Fan bezeichnen: «Catch a Car hat eine gewisse Coolness.»

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