Kommentar

Mit Nationalbank-Milliarden die AHV sanieren? Verlockend, aber gefährlich

Soll Nationalbank-Chef Thomas Jordan helfen, die Finanzierungsprobleme der AHV zu lösen? (KEYSTONE/Anthony Anex)

Soll Nationalbank-Chef Thomas Jordan helfen, die Finanzierungsprobleme der AHV zu lösen? (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Devisenberg der Schweizerischen Nationalbank wächst und wächst. Vorsorgeexperten schlagen nun vor, mit einem Teil der Fremdwährungsreserven das Loch in der AHV zu stopfen.

Die AHV, unsere Altersvorsorge, verliert Milliarden, weil die Menschen immer länger leben. Die SNB, unsere Nationalbank, hortet Milliarden, weil sie im Kampf gegen eine Aufwertung des Frankens immer mehr Fremdwährungsreserven anhäuft. Gestern wurde ihr neuster Wert bekannt: Sagenhafte 768 Milliarden.

Hier klafft ein Loch, dort türmt sich das Geld – liegt die Lösung nicht ganz nah? Eine Studie von Vorsorgeexperten schlägt vor, einen Teil der SNB-Reserven in einen Fonds umzuleiten, der jährliche Erträge von 10 Milliarden Franken abwerfen würde. Zugunsten der AHV.

Es ist verlockend, mit den Nationalbankerträgen Gutes zu tun: Man könnte damit, statt die AHV zu retten, auch in den Klimaschutz investieren, Krankenkassenprämien verbilligen oder Steuern senken. Aber dazu sind die Währungsreserven nicht da – auch nicht ausgelagert in einen Fonds. Die SNB muss mit den Fremdwährungskäufen den Franken stabil halten; die Zinspolitik hat ihre Wirkung verloren, Stichwort Negativzinsen. Die Währungshüter müssen im Interesse der Volkswirtschaft frei und unabhängig über die Reserven verfügen und diese auch wieder abstossen können.

Neue, frische Ideen für AHV-Reformen sind willkommen. Zu ausgetrampelt sind die Sanierungspfade, in denen sich Bundesrat und Parlament bewegen. Doch Experimente mit der Währung einer Exportnation wagen? Nein, das wäre gerade in diesen unsicheren Zeiten der falsche Weg.

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