Musikschule
Musik ist ein Wert, der aktiv gelebt werden muss

Zu einer ganzheitlichen Schule gehört für Dietrich Zöller, Musikschulleiter der Musikschule Region Laufenburg, die Musik. Damit verbunden auch der Instrumentalunterricht. Dieser soll Bestandteil der Volksschule werden.

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Aargauer Zeitung

Susanne Hörth

In einem kürzlich in der NZZ veröffentlichten Interview sagte Heinz Holliger, Musiker, Komponist und Dirigent, dass Musik gleich wichtig sei wie Mathematik und die Philosophie. Die Musik sei kein Zeitvertreib, von der man sich bespülen, duschen lässt. Musik gehe viel weiter als alles, was wir als Kommunikationsmittel haben. Und das würden nur sehr wenige Verantwortliche wahrnehmen. Einer, der diese Verantwortung sehr ernst nimmt, ist Dietrich Zöller.

Musikschulen und Musikvereine

Das frühzeitige Erlernen eines Instrumentes und die entsprechende Förderung des Lernenden kommen unter anderem auch den Musikvereinen und den Musikgesellschaften zugute. Jemand, der sich dessen sehr gut bewusst ist, ist Walter Marbot. Der Sulzer spielt seit über 40 Jahren aktiv ein Musikinstrument. Seit seinem 15. Altersjahr gehört er der Stadtmusik als aktives Mitglied an. Wie auch Dietrich Zöller engagiert er sich aktiv für die Jugendmusikförderung. In Laufenburg wird hierfür viel gemacht. So zum Beispiel mit der erst vor wenigen Monaten gegründeten Jugendmusik Region Laufenburg. «Die Musikgesellschaften können von jungen Talenten nur profitieren, wenn sie frühzeitig mit dem Instrumentalunterricht begonnen haben. Wichtig ist es dann aber, dass die Musikgesellschaften selber aktiv werden bei der Nachwuchsförderung. Sei dies durch eigene Ensembles oder die guten Kontakte mit der Musikschule. Dies wird in Laufenburg gemacht und ist sehr wichtig,» betont Walter Marbot. Zu seinem eigenen Einsatz für die Jugendmusikförderung, unter anderem im Aargauischen Musikverband (AMV), amtet er zurzeit auch als Präsident des Aargauischen Jugendmusiktages. Dieser findet am kommenden Sonntag, 7. Juni, in Laufenburg statt. In den verschiedensten Vorträgen werden die jungen Musikantinnen und Musikanten mit ihrem Können einmal mehr zeigen, dass es sich lohnt, frühzeitig ein Instrument zu erlernen. (SH)

Dietrich Zöller ist überzeugter Musiker. Neben seiner Konzerttätigkeit und dem zunehmenden Verwaltungsaufwand rund um die MSRL unterrichtet er das Instrument Querflöte. Daneben setzt er sich mit Gleichgesinnten auf regionaler, kantonaler und sogar eidgenössischer Ebene (schweizerische eidgenössische Volksinitiative «Jugend + Musik», Präsidentin Christine Egerszegi) dafür ein, dass der Stellenwert der Musik eine grössere Beachtung findet. Es geht darum, dass der Instrumentalunterricht an den Volksschulen vereinheitlicht wird.

Das Gesetz Anstellung Lehrpersonen (GAL) schreibt vor, dass nur ausgebildete Musiklehrpersonen Instrumentalunterricht erteilen dürfen. Weil sich die Gemeinden sehr unterschiedlich an den Beiträgen für die Musikschulen beteiligen, herrschen entsprechend unterschiedliche Lohntarife. Das bedeutet, dass sich unter Umständen qualifizierte Instrumentallehrpersonen nach denjenigen Musikschulen orientieren, bei denen eine bessere Entlöhnung angeboten wird.

Vereinheitlichung angestrebt

«Bei unserer Musikschule sind es gerade einmal Laufenburg und Kaisten, die sich mit 50 Prozent an den Lohnkosten, am Aufwand oder Schulgeld beteiligen. Die anderen Gemeinden steuern einen Drittel an Schulgeldern bei. Das führt dazu, dass der Anteil der Eltern für den Instrumentalunterricht je nach Wohngemeinde 50 bis 66,6 Prozent ausmacht», erklärt Dietrich Zöller. Der engagierte Musikschulleiter weiss, dass viele kleinere Gemeinden angesichts ihrer angespannten finanziellen Situationen keinen grösseren Betrag zahlen können. Um bei den unterschiedlichen Besoldungen im Kanton einigermassen mithalten zu können und auch für die Deckung des administrativen Aufwandes (Musikschulleitung), musste die MSRL in diesem Jahr die Schulgelder an der Oberstufe mit den Bewilligungen der Vertragsgemeinden um 30 Prozent anheben.

Update

Musikschulen als Dienstleister Dass sich auch Politiker stark für den Musikunterricht an den Schulen machen, zeigt das Beispiel von Erika Müller aus Lengnau. Die CVP-Frau hat im Februar dieses Jahres ein Postulat beim Regierungsrat eingereicht. Gefordert wird, dass die Organisation für die Volksschulen im Kanton einheitlich zu regeln ist. Jedes Kind soll an der Volksschule eine musikalische Grundausbildung erhalten und der Instrumentalunterricht an der Volksschule als Wahlfach angeboten werden. Mit diesem Ziel vor Augen müssen die Verbände noch stärker werden. Alle Musikschaffenden müssen sich engagieren. Am 24. August treffen sich, so Zöller, die regionalen Musikschulen im Fricktal und Umgebung, um eine noch bessere Vernetzung untereinander anzustreben. (Lanciert vom VAM, Verband Aargauischer Musikschulen, Ziel: Regionale Gruppenbildung von Musikschulen = erste Schritte zur Vernetzung). (SH)

Kostenfolge ein Instrument erlernen kann. «Natürlich lässt sich dabei über die Freiwilligkeit diskutieren», sagt er und fügt an, dass zeitweise der Eindruck entstanden ist, die Musikschule sei in der ganzen Diskussion um die Bildungsreform etwas vergessen gegangen.

Unterschiedliche Handhabung

Ein weiteres Ungleichverhältnis innerhalb der Volksschule ist, dass der Kanton bei den Oberstufenschülern die ersten 17 Minuten des Instrumentalunterrichtes (im Rahmen des Freifachs Instrumentalunterricht an der Oberstufe) übernimmt. In den Primarschulklassen hingegen kommen die Eltern für die ganze Lektion auf.

Musikschulen, Aargauischer Musikverband, die Erziehungsrätliche Kommission zur Neuorganisation des Instrumentalunterrichts an der Volksschule und weitere engagierte Vereinigungen fordern deshalb, dass im Kanton einheitliche, nach oben limitierte Elternbeiträge für Primar- und Oberstufenschüler der Volksschule gelten. Ebenso sollen die Instrumentallehrpersonen in den Staatsdienst aufgenommen werden und soll die Besoldung durch den Kanton nach GAL (Gesetz Anstellung Lehrpersonen) ausgerichtet werden. Ein weiteres Muss ist die Einsetzung von professionellen Musikschul-Leitungen.

«Musik ist ein Wert, der gelebt werden muss. Nicht nur als Konsument, sondern in aktiver Form», ist der Laufenburger Musikschulleiter Dietrich Zöller überzeugt. «Veränderungen bei den Musikschulen müssen in den nächsten fünf Jahren zwingend kommen.»

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