Nach dem Fall des Unia-Regioleiters Roman Burger war die Häme bei den Konkurrenzgewerkschaften gross. Ein Zürcher VPOD-Sekretär schrieb auf Facebook, der Fall sei zu erwarten gewesen.

Dem widerspricht nun die oberste Gewerkschafterin im öffentlichen Dienst. «Sexuelle Belästigung kann an jedem Arbeitsplatz vorkommen, ob in einer Gewerkschaft, einer Bank oder in einer Zeitung», sagt Katharina Prelicz-Huber in der aktuellen «Schweiz am Sonntag».

Unia bedauert die Roman Burger-Affäre

Unia bedauert die Roman Burger-Affäre (16. September 2016)

Sie befürchtet, dass die öffentliche Kritik an der Unia kontraproduktiv sei. Sie schütze Frauen nicht vor künftigen Übergriffen. Im Gegenteil: Mancher Arbeitgeber kontere Kritik oder Sensibilisierungsarbeit nun einfach mit dem Verweis auf die Unia.

SMS-Affäre: Unia gesteht Fehler

SMS-Affäre: Unia gesteht Fehler

Nach dem Motto: «Die Gewerkschaften sollen doch zuerst vor der eigenen Türe wischen». Prelicz-Huber kritisiert in der «Schweiz am Sonntag» auch den Medien-Rummel. «Wir Gewerkschafter sind Teil einer ‹Familie›». Klar gibt es Diskussionen und Streit. Aber der soll intern ausgetragen werden.»

Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin der Gewerkschaft VPOD

Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin der Gewerkschaft VPOD

Dass man Persönliches mit Gewerkschaftskollegen teile, müsse zudem weiterhin möglich sein. «Wir dürfen nicht puritanischer werden als nötig.» Klar ist aber auch: «Niemand darf Grenzen der persönlichen Integrität überschreiten.» Die Unia war von der WOZ auch wegen sektiererischen Aussprachen an einer Retraite kritisiert worden.