Verkehrsunfall

Nach Horror-Crash am Bözbergtunnel: Wie sicher sind unsere Strassen?

Drei Personen sind beim Unfall auf der A3 gestorben.

Drei Personen sind beim Unfall auf der A3 gestorben.

Zu schnell, abgelenkt, unachtsam: Die Zahl der Unfälle mit Todesopfern hat zuletzt wieder zugenommen. Neue Massnahmen könnten helfen.

Es sind schwere Unfälle, die sich in nur wenigen Tagen ereignet haben. Auf der A3 bei Effingen streifte am Mittwoch ein Porsche einen Sattelschlepper und prallte ins Heck eines weiteren Autos. Dieses wurde gegen einen Lastwagen geschleudert und zerquetscht. Drei Personen starben.

Am Sonntag floh in Galgenen SZ ein Autofahrer vor der Polizei, raste über einen Kreisel und wurde in ein Wohnhaus katapultiert. Das Haus brannte ab. Zufall oder kommt es auf Schweizer Strassen wieder häufiger zu schweren Unfällen?

Die Statistik zeichnet ein widersprüchliches Bild. Zwar sind die Unfall-Toten im Vergleich zu den 70er- und 80er-Jahren massiv gesunken. Doch zuletzt stagnierten die Zahlen. Sie stiegen 2018 sogar wieder leicht an. 233 Menschen sind im vergangenen Jahr auf Schweizer Strassen tödlich verunglückt. Davor waren es 230 sowie 216. Auch die Zahl der Schwerverletzten nahm wieder zu.

Auto fliegt in Wohnhaus: Fahrer tot

26. November: Auto fliegt in Wohnhaus – Fahrer tot

Gegen halb 5 Uhr morgens flüchtet bei Galgenen SZ ein Autofahrer vor einer Polizeikontrolle. Mit 169 km/h prallt er gegen einen Kreisel und das Auto fliegt in ein Wohnhaus. Das Haus fängt Feuer.

Die Autos sind heute schwerer als früher

Wie lässt sich das künftig vermeiden? «Es gibt auf den Strassen immer Verbesserungspotenzial», sagt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen. Doch leicht sei es nicht. Die grossen Massnahmen seien schon vor Jahrzehnten umgesetzt worden. Dazu zählen Gurtenpflicht, die 0,5-Promille-Grenze oder das Lichtobligatorium.

Schwerer Unfall vor Bözbergtunnel – die Unfallstelle am Mittwochmorgen, 27.11.2019

Die Unfallstelle am Mittwochvormittag.

Die technische Entwicklung tut ihr übriges. Die Fahrzeuge sind heute sicherer gebaut, die Insassen besser geschützt. Hinzu kommen Assistenzsysteme, welche Gefahren schneller erkennen können und beispielsweise selber bremsen. Das Auto prallt mit weniger Energie auf, wodurch die Verletzungen seltener fatal sind.

Einen Nachteil haben die neuen Fahrzeuge aber: «Die Autos sind heute deutlich schwerer als früher», sagt Rohrbach. Die Kräfte, die bei einem Unfall wirken, sind damit grösser als früher.

Die Bilder vom Horror-Unfall vor dem Bözbergtunnel:

Bei schweren Unfällen, wie sie in den vergangenen Tagen vorgefallen sind, lässt sich gemäss Rohrbach kein Muster erkennen. Unfälle würden mit alten wie neuen Autos, SUVs wie Kompaktwagen passieren.

«Jedes Fahrzeug kann in einen schweren Unfall verwickelt werden.» Allerdings lassen sich heute neuralgische Punkte präziser ausmachen. Dank GPS können Unfall-Hotspots identifiziert werden. Bauliche Massnahmen oder eine bessere Signalisation helfen, die Problemstellen zu beseitigen.

Verkehrschaos nach Unfall auf A3

Verkehrschaos nach Unfall auf A3 (Tele M1, 27.11.2019)

Der verheerende Unfall führte zu Beeinträchtigungen auf den Strassen. Die Autobahn A3 wurde für rund vier Stunden gesperrt. Auch auf den umliegenden Strassen kam der Verkehr teilweise zum Erliegen.

Ziel: Weniger als 100 Menschen sollen jährlich bei einem Unfall sterben

Gemeinden, Kantone und Bund könnten so die vorhandenen Gelder gezielter in die Prävention von Unfällen stecken, sagt Rohrbach. Im europäischen Vergleich schneidet die Schweiz aber schon heute gut ab. Nur drei Länder – Schweden, Norwegen und Grossbritannien – haben weniger Zusammenstösse auf ihren Strassen.

«Unfälle lassen sich nie ganz vermeiden» sagt, Rohrbach. Das Ziel des Bundes ist es aber, dass bis 2030 auf Schweizer Strassen jährlich weniger als 100 Menschen sterben.

In Galgenen raste ein Auto in ein Wohnhaus. Es brannte ab.

In Galgenen raste ein Auto in ein Wohnhaus. Es brannte ab.

Die Autobahnen sind schon heute gut gerüstet. 19 der 233 Todesopfer kamen auf einer Autobahn ums Leben. Wichtig sei, ausreichend Platz bei den Ein- und Ausfahrten zu schaffen und den Fahrern genügend Zeit zum Einfädeln zu geben, sagt Rohrbach.

Zudem hat der Bund erst 2018 neue Massnahmen getroffen, um die Baustellen auf Autobahnen sicherer zu machen. Kernpunkte sind die Sichtbarkeit der Signalisation, die Absicherung der Baustelle, breitere Fahrspuren und die sichere Verkehrsführung. Traurige Ironie ist allerdings, dass der Unfall vom Mittwoch auf einer Tagesbaustelle passierte.

Auto soll selber Abstand halten

Eine Neuerung könnte die Autobahnen künftig aber sicherer machen. Die EU-Kommission will Fahrerassistenzsysteme zur Pflichtausstattung neuer Autos machen. Rückfahrkamera, Müdigkeitserkennung und intelligente Abstandhalter, die bei Bedarf automatisch die Geschwindigkeit drosseln, sollen künftig in allen Fahrzeugen zum Standard zählen. Bei Personenautos wird zudem der Einbau von Spurhaltehelfern und Notbremssystemen vorgeschlagen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung setzt gerade auf den Notbremsassistenten grosse Hoffnungen. «Es macht Sinn, einige dieser Systeme für bestimmte Neuwagen obligatorisch einzuführen», sagt ein Sprecher der Stelle. «Die Schweiz muss nun nachziehen.»

So könnten Unfälle wie auf der A3 künftig vermieden werden.

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