Gesundheitskosten
Nationalrat Jauslins Radikalkur: Die Ärzte sollen ihre Preise selber bestimmen

Steigende Krankenkassenprämien, explodierende Kosten – das Schweizer Gesundheitssystem muss dringend reformiert werden. Doch die Interessenvertreter blockieren allen Fortschritt. Der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin glaubt, den Gordischen Knoten zerschlagen zu können.

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Greift in die Gesundheitsdiskussion ein: FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Greift in die Gesundheitsdiskussion ein: FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Mario Heller

Matthias Jauslins Vorschlag ist radikal: Der aktuelle Tarif Tarmed ist ersatzlos zu streichen und das Gesundheitswesen dem freien Markt zu überlassen. So könnten Kosten gesenkt werden, was dringend notwendig sei. Der Aargauer FDP-Nationalrat hat im Parlament jetzt einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.

Seit Jahren können sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen nicht auf einen neuen Tarif für die ambulanten medizinischen Leistungen einigen. Doch auch die Politik tut sich schwer, allseits akzeptierte Vorschläge zu machen. Im März riss Gesundheitsminister Alain Berset (SP) der Geduldsfaden, er diktierte einen (tieferen) Tarif. Seither laufen die Ärzte Sturm. Jauslin möchte mit seinem Vorschlag wieder Bewegung in die vertrackte Situation bringen.

«Das ist doch alarmierend»

Der Aargauer ist kein Gesundheitspolitiker, aber als Unternehmer ist Jauslin mit den explodierenden Gesundheitskosten ständig konfrontiert. Gegenüber der NZZ sagte der Wohler: «Bei Lohngesprächen sind die hohen Krankenkassenprämien immer wieder ein Thema. Vor allem junge Familien sind finanziell am Anschlag, das ist doch alarmierend!»

Der freie Markt also soll es richten – das Allerheilmittel der Freisinnigen. Jauslin zielt mit seinem Systemwechsel auf die Selbstverantwortung und spricht von einer vorherrschenden Selbstbedienungsmentalität. Weil der Patient die Kosten nicht direkt bezahlt, sondern über die Krankenkassen, seien ihm die Preise für Medikament und Behandlung letztlich egal. Das müsste sich ändern. Jauslin zeigt sich überzeugt, dass haushälterischer gehandelt würde, wenn die Patienten sich für medizinische Leistungen einen Kostenvoranschlag kommen lassen, also den günstigsten Anbieter suchen würden.

Reduzierte Grundversorgung

Zusätzlich würde Jauslin den Leistungskatalog der Grundversicherung auf eine «solide Grundversorgung» reduzieren, wie er der NZZ sagte. Auch das würde kostendämpfend wirken. Schliesslich könnten die Krankenkassen festlegen, wie viel sie maximal für einen Eingriff bezahlten. Den Rest der Kosten müsste der Patient übernehmen. Damit setzt sich Jauslin dem Vorwurf aus, mit seinem Systemwechsel die Zweiklassenmedizin zu fördern. Das stört ihn nicht: «Es leistet sich auch nicht jeder einen Tesla», zitiert ihn die NZZ.

Bundesratskandidat Cassis ist vorsichtig

Jauslins Vorstoss wurde von FDP-Kollegen, aber auch Nationalräten aus SVP und BDP mitunterzeichnet. Er kommt aber unterschiedlich an, wie die Nachfrage der NZZ zeigt. Die SP lehnt eine Zweiklassengesellschaft ab. Gesundheitspolitiker und FDP-Bundesratskandidat Ignazio Cassis hat Jauslins Vorstoss zwar mitunterzeichnet. Eine Forderung, gleich das gesamte Gesundheitswesen dem freien Markt zu überlassen, hätte er aber nicht unterstützt. Cassis hat übrigens bis vor kurzem den Krankenkassenverband Curafutura präsidiert. Dieser reagiert zurückhaltend auf Jauslins Idee. Etwas offener zeigt sich angesichts neuer Lösungsmöglichkeiten der Krankenkassenverband Santésuisse. (jk)

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