Familienpolitik

Neues Familienideal: Drei ist das neue zwei

Die Tendenz zur drei- oder zwei-Kinder-Familie steigt wieder (Themenbild).

Die Tendenz zur drei- oder zwei-Kinder-Familie steigt wieder (Themenbild).

Lange galt die vierköpfige Familie als Ideal. Nun wollen immer mehr Eltern drei Kinder. Das belegt gar die Statistik.

Es scheint, als nehmen sich Eltern den Spruch «Aller guten Dinge sind drei» immer mehr zu herzen. Im Bekanntenkreis sind Familien mit drei Kindern keine Seltenheit mehr, im Gegenteil immer öfter hört man: «Wir wollen noch ein drittes». Man sieht die Eltern mit drei Kindern auf dem Spielplatz oder auf der Strasse spazieren. Eines schläft im Kinderwagen, die zwei grösseren zotteln hinterher. Ist drei das neue zwei?

Lange galt: Wenn Kinder, dann zwei. In der Nachkriegszeit war die Kleinfamilie erstrebenswert und ideal war diese vierköpfig. Vor nicht allzu langer Zeit machte sich sogar die Angst breit, dass wir in der westlichen Welt ganz nach dem Vorbild China und Japan zur Ein-Kind-Familie verkommen. Doch blickt man sich um, hat man ein ganz anderes Gefühl. Man mag fast sagen, die Grossfamilie kommt zurück.

Der Wunsch nach dreien steigt

Es scheint, so wie Retro-Kindernamen wie Emma, Theo oder Fritz wieder gefragt sind sehnen sich auch immer mehr Eltern nach einer Grossfamilie aus vergangenen Zeiten. Dass das Modell der 5-köpfigen-Familie einen Aufschwung erlebt, das zeigt auch die Statistik. Von 2007 bis 2012 nahmen Drei-Kind-Familien um knapp zehn Prozent zu. Und auf Nachfrage bei Bundesamt für Statistik stieg dieses Modell auch bis 2014 weiter leicht an. Aktuellere Zahlen zu dieser Thematik gibt das BFS Ende März heraus.

In einer gross angelegten Familien-Erhebung von 2015 gab ein Viertel der Befragten an, sich drei oder mehr Kinder zu wünschen. Der Grossteil wünscht sich immer noch zwei Kinder, doch der Abstand zwischen Eltern, die sich die klassische vierköpfige Familie wünschen, und denen, die zu fünft leben wollen, verringert sich. Und der Wunsch nach drei Kindern von noch Kinderlosen zwischen 20 und 29 Jahren wächst beinahe gleich schnell wie der für zwei Kinder.

Und es sind nicht nur Eltern mit Migrationshintergrund, denen oft die Vorliebe für viele Kinder nachgesagt wird. Es sind auch Schweizer. Aus Amerika sehen wir immer wieder Bilder mit Promis, die sich eine ganze Schar an Kindern anhäufen. Sie haben auch eine Entourage an Nannys und einen ganzen Fuhrpark. Doch hierzulande ist es auch der gut ausgebildete Mittelstand, der sich drei Kinder wünscht und dieses Familienmodell auch verwirklicht. Doch auch die Akademikerpaare haben einige Einschränkungen zu machen.

Da wäre etwa die Wohnung, die muss zweifelsfrei grösser sein. Das Auto? Mit zwei Kindersitzen kein Problem, aber bei drei muss oft ein neuer Wagen her. Der dreifache Vater erzählt auch vom Urlaub. Die meisten Pauschalen seien für eine vierköpfige Familie. Nicht selten, muss man noch ein Zimmer buchen oder einen Zusatz für Kind Nummer 5 bezahlen. Ob man Ferien mit dem Flieger macht, überlegt man sich gut, denn fünf Flugtickets sind nicht ohne. Dennoch, die Eltern wünschen sich ja explizit ein fünftes Familienmitglied. Warum? In Mütter-Blogs und in Foren von Eltern-Websites gibt es ganz unterschiedliche Erklärungen für das neue Sehnen nach Grossfamilie.

Skandinavien als Vorbild

So beschreiben Mütter von drei Kindern oft, es habe noch etwas gefehlt. Eleni schreibt etwa: «Mein Mann und ich haben auch das Gefühl, dass erst die Geburt unseres 3. Kindes die Familie komplett gemacht hat.» Oder man liest: «Wir hatten zwei Mädchen und wollten unbedingt noch einen Jungen zum perfekten Familienglück.»

Gleichzeitig erzählen viele Frauen von den Vorurteilen ihrer Mitmenschen und vom ständigen Rechtfertigen. Kaum jemand würde glauben, dass die drei bewusst gewollt waren. «Beim dritten Kind wurden wir mehr als einmal gefragt, ob das so geplant war, immerhin wären doch drei Kinder ganz schön viel Arbeit», schreibt Sarah.

Ein weiterer Grund für diese Konstellation sei das Sandwich-Kind. Das lerne viel vom grösseren Geschwister und könne gleichzeitig ein Vorbild für das jüngste sein sowie auf dieses achten. Viele finden das Zwei-Kind-Prinzip auch spiessig. Mehrkindfamilien seien hipper, heisst es in einem Blog.

Kann auch gut sein, dass Schweizer immer mehr Frankreich oder Skandinavien als Vorbild sehen. Dort nämlich wird mehr in die Kinderbetreuung investiert und es gibt mehr Familienzulagen als in der Schweiz. Entsprechend ist die Geburtenziffer in diesen Ländern viel höher. In Island bringt eine Frau im Schnitt 2,05 Kinder auf die Welt, in Norwegen 1,84. Hierzulande liegt der Schnitt bei 1,54 Kinder pro Frau. Seit ein paar Jahren ist die Tendenz wieder leicht steigend. (Mitarbeit Laura Gianesi)

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Autor

Alexandra Fitz

Alexandra Fitz

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