Suhr
Nicht Eingebürgerte gehen vor Gericht

Die Jugendlichen aus Serbien-Montenegro fechten den umstrittenen Einbürgerungsentscheid der Gemeindeversammlung Suhr an. Ein Anwalt reicht in den nächsten zwei Wochen eine Beschwerde wegen Diskriminierung ein.

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Irena Jurinak

Die Chancen stehen gut, dass die beiden nicht eingebürgerten Jugendlichen aus Serbien-Montenegro vor dem Verwaltungsgericht Recht bekommen, ist Markus Leimbacher überzeugt. Der Rechtsanwalt traf sich letzten Samstag mit den Familien Hrncic und Ismaili. «Der Entscheid der Gemeindeversammlung war klar diskriminierend.» Leimbacher wird in den nächsten zwei Wochen Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen. Um nachvollziehen zu können, wer an der Gemeindeversammlung wie argumentierte, hat er einen Auszug vom Protokoll verlangt.

Leimbacher rechnet bis Herbst mit einer Entscheidung. Bekommen die beiden Jugendlichen Recht, muss die Gemeinde die Verfahrenskosten übernehmen. Das Verwaltungsgericht kann allerdings den Entscheid der Gemeindeversammlung nur aufheben. Danach müssen die beiden Schüler erneut an einer Gemeindeversammlung ein Einbürgerungsgesuch stellen. Den dritten der nicht eingebürgerten Jugendlichen vertritt der Rechtsanwalt nicht. Er war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

«Ich kämpfe nicht nur für meinen Sohn, sondern für alle», sagt Shemsudin Hrncic, «so etwas kann auch anderen passieren. Dagegen müssen wir vorgehen.» An der Gemeindeversammlung sei nur ein kleiner Teil der Suhrer Bevölkerung anwesend gewesen. Hrncic glaubt nicht, dass alle Suhrer so entschieden hätten. «Viele Suhrer haben sich bei mir gemeldet und gesagt, wie wütend sie über den Entscheid sind.» Auch Mirsad Ismaili, Vater des zweiten Jugendlichen, hat ermutigende Rückmeldungen bekommen: «Meine Nachbarn haben gesagt, dass das nicht in Ordnung sei und wir uns dagegen wehren sollten.»

«Der Gemeinderat hat Verständnis für diesen Schritt», sagt Beat Rüetschi, Gemeindeammann von Suhr. Er habe bereits an der Gemeindeversammlung darauf aufmerksam gemacht, dass die Ablehnung nicht korrekt sei. Die Einbürgerung der drei Jugendlichen war abgelehnt worden, obwohl der Gemeinderat diese positiv beurteilt hatte. Die Mehrheit der 166 anwesenden Stimmbürger hatte dagegen gestimmt, um «ein Zeichen zu setzen». Einen Monat zuvor war ein 19-Jähriger von einem Kosovaren mit einem Rollbrett schwer verletzt worden.