Güterverkehr

Notbremse gezogen: SBB Cargo streicht 800 Stellen

Baustelle Güterverkehr: SBB-Cargo stellt sich neu auf.

Baustelle Güterverkehr: SBB-Cargo stellt sich neu auf.

Der Warentransport bleibt unrentabel: SBB Cargo wird bis Ende 2023 800 Mitarbeitende weniger beschäftigen. Bis 2020 sollen 300 Stellen abgebaut werden, um wieder eine schwarze Null zu schreiben. Gesucht werden zudem Partner.

Grösste Baustelle der Schweizerischen Bundesbahnen ist und bleibt der Güterverkehr. International ist der Bahngüterverkehr der SBB zwar gut aufgestellt. In die länderübergreifende operierende Hupac AG integriert, setzten die SBB im grenzübergreifenden Gütertransport letztes Jahr 5,2 Prozent mehr um als 2013.

Ganz anders präsentiert sich das Resultat auf dem Heimmarkt. SBB Cargo wird hier insbesondere wegen des Rückgangs im Einzel-Wagenladungsverkehr um 14,5 Prozent für das Jahr 2017 einen operativen Verlust von 37 Millionen Franken schreiben.

Die SBB-Spitzen sehen sich deswegen gezwungen, SBB Cargo grundlegend zu reformieren. Und der Umbau ist drastisch. 800 Stellen werden binnen fünf Jahren abgebaut. Rund 100 in der Verwaltung, 80 bei den Lokführern sowie 150 Stellen beim Rangierpersonal fallen weg. Bis 2020 soll der Grossteil des Stellenabbaus über die natürliche Fluktuation vonstattengehen.
Ferner werden 189 Millionen Franken vom Anlagevermögen ausserordentlich abgeschrieben und zusätzliche Sanierungsrückstellungen von 19 Millionen Franken gebildet.

«Das ist dramatisch, die SBB können es aber verkraften», sagte Konzernchef Andreas Meyer am Donnerstag in Bern. Dass der Umbau aber nötig ist, zeigt der operative Verlust von 31 Millionen Franken, den SBB Cargo im Jahr 2017 insgesamt einfuhr. Zusammen mit Rückstellungen und den einmaligen Wertberichtigungen beläuft sich das Minus auf 239 Millionen Franken. Bei der Restrukturierung besonders unter die Lupe kommen die 100 Bedienpunkte des sogenannte Einzel-Wagenladungsverkehrs – also solche Verladestationen, bei welchen einzelne Waggons abgefertigt werden.

SBB-Cargo-Chef Nicolas Perrin erklärt, dass man heute 170 solcher Bedienpunkte für durchschnittlich zwei Wagen pro Tag unterhalte. Im Vergleich zum System-Wagenladungsverkehr, bei welchen im Schnitt 14 Wagen und damit ein ganzer Zug bedient würden, sei dies zu aufwendig. «Wir müssen uns fragen, ob sich Unterhalt und Sanierung der einzelnen Verladestationen noch rechnet», so Perrin.

Unter dem Strich sei es das Ziel, dass spätestens im Geschäftsjahr 2020 eine schwarze Null resultiere. Einher mit dem Fokus auf lukrative Transporte geht eine Entkoppelung der Peripherie vom Bahngüterverkehr. «Vor allem zwischen den Wirtschaftszentren wollen wir ein leistungsfähiges Angebot schaffen», sagt Perrin.

Offensichtlich wurde, dass sich die SBB dadurch ein stärkeres Engagement der Kantone erhoffen, wollen diese gewisse Gebiete für den Bahngüterverkehr erschlossen halten. «Die Rechtslage lässt eine Unterstützung der Kantone zu, und wir haben diesbezüglich auch schon Gespräche geführt», bestätigt Konzernchef Meyer.

Nutzung der Digitalisierung

Grundsätzlich streben die SBB den Umbau des inländischen Güterverkehrs nach dem Vorbild des internationalen Geschäftes an. Mitte 2018 beginnen Gespräche mit etwaigen Partnern, um die Logistik besser «zu verzahnen». Auch soll SBB Cargo mehr Eigenständigkeit zugeschrieben werden. Mehr Entscheidungskompetenzen und der Ersatz des Verwaltungsrates durch Drittpersonen soll dies gewährleisten.

Für die bessere Verbindung der starken Wirtschaftsräume soll ebenfalls in die Infrastruktur investiert werden. Dazu zählt etwa der Ausbau der Ost-West-Achse, der dem Güterverkehr eine reservierte Trasse garantieren soll.

Auch solle durch den Nutzen der Digitalisierung eine Produktivitätssteigerung erreicht werden, so die SBB. Der Einsatz neuer Techniken wie etwa die automatisierte Kupplung werde beispielsweise den Rangierberuf grundlegend verändern und ihn effizienter und sicherer machen. Deshalb investiere SBB Cargo bis 2023 rund 90 Millionen Franken – etwa in automatische Kupplungen und Bremsproben oder in Informationssysteme.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1