Pandemie

«Nume nid gsprängt»: Bern bleibt trotz steigender Fallzahlen gelassen bei Maskenpflicht

Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg.

Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg.

Trotz immer mehr Neuinfektionen will der Kanton Bern keine Verschärfung. Schweizweit stabilisiert sich die Lage auf hohem Niveau.

Die Lage hat sich vielleicht stabilisiert, aber es gibt keinen Grund zur Entwarnung: So lautet die Botschaft, welche das Bundesamt für Gesundheit gestern vermittelte. Sorgen bereitet Stefan Kuster, Noch-Chef der Abteilung Übertragbare Krankheiten, insbesondere die steigende Zahl der Hospitalisierungen. Mit einer neuen Kampagne will das BAG nun die Verhaltensregeln wieder stärker in Erinnerung rufen. Sie wendet sich in erster Linie an die jüngere Bevölkerung. Und soll sich auch gegen eine «gewisse Laxheit» richten, die man beim BAG festgestellt hat.

Während schweizweit die Zahl der Infektionen seit zwei Wochen stabil ist, präsentiert sich die Lage in den Regionen unterschiedlich. Im Kanton Bern ist die Zahl der neuen Coronafälle stark angestiegen. 314 waren es zuletzt in einer Kalenderwoche, der Anteil der positiven Tests erreichte rekordhohe 3,5 Prozent. In der Woche davor hatte das Total nur 184 betragen. Bis am Mittwochabend kamen bereits 120 weitere Fälle dazu, wie Kantonsärztin Linda Nartey vor den Medien erklärte.

© CH Media

Auch die Zahl der Hospitalisierungen nahm deutlich zu. Dennoch sieht man in Bern weiterhin von einer Maskenpflicht in den Läden ab, anders als in den Nachbarkantonen Freiburg und Solothurn. Allerdings kann sich das schnell ändern, wie Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) festhielt.

Grünes Licht für Grossveranstaltungen

Eine Maskenpflicht in Läden eingeführt hat vor einem Monat der Kanton Zürich. Zuvor war die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen innert zwei Wochen von 237 auf 401 gestiegen. Zu einem derart schnellen Anstieg innerhalb einer Woche wie zuletzt in Bern kam es in Zürich aber nicht. Die dortige Kantonsregierung zeigte sich an einer Medienkonferenz zufrieden mit der Wirkung der Ende August beschlossenen Massnahmen.

«Das Paket scheint zu greifen», sagte Regierungspräsidentin Silvia Steiner (CVP). Dieses hatte auch eine Obergrenze von 100 Personen in Gastrobetrieben sowie Bars und Clubs umfasst. Während die Maskenpflicht in den Läden weiter gelten soll, will der Kanton die Obergrenze wieder erhöhen. Künftig dürfen sich 300 Personen gleichzeitig im Innenbereich aufhalten, wobei eine Maskenpflicht gilt. Ausgenommen sind Restaurants.

Die Ampel steht auf Gelb

Ab dem 1. Oktober lässt der Bund Veranstaltungen mit über 1000 Personen wieder zu. Bern und Zürich wollen solche Anlässe bewilligen, wobei in Bern eine generelle Maskenpflicht vorgesehen ist – und ein Ampelsystem, das sich an diversen Indikatoren orientiert. Bei Rot sind Grossveranstaltungen nicht möglich, bei Orange mit neuen Auflagen. Derzeit steht die Ampel auf Gelb.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga betonte derweil am Donnerstag beim Besuch des Berner Contact-Tracing-Centers erneut, dass der Ball bei der Bekämpfung der Coronapandemie nun bei den Kantonen liege.

Was aber, wenn sich die Lage im ganzen Land zuspitzt, die Schweiz Ende Oktober – wie von der Corona-Taskforce angenommen – 1000 Fälle pro Tag erreicht? Wird der Bundesrat dann wieder eingreifen? Am Corona-Föderalismus will Sommaruga so schnell nichts ändern. «Man muss nicht für die ganze Schweiz die gleichen Massnahmen ergreifen, und das ist bis auf weiteres der richtige Weg», sagt sie.

Autor

Dominic Wirth

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

Meistgesehen

Artboard 1