Das Online-Glücksspiel floriert – auch in der Schweiz. Eine kürzlich publizierte Studie zeigt, dass sich Schweizer sogar überraschend häufig auf virtuellen Plattformen bewegen. So hat ein Team von Präventivmedizinern ausgewertet, wie oft und wie lange Benutzer aus der Schweiz mit ihren mobilen Geräten auf die Website pokerstars.com zugreifen. Mit einem Marktanteil von 70 Prozent ist Pokerstars mit Sitz auf der Isle of Man der klare Platzhirsch unter den Anbietern dieses Spiels.

 

Das Resultat: Im analysierten Zeitraum von 14 Tagen wurde von 3146 Mobilgeräten aus in 20'124 User-Sessions auf die Pokerseite zugegriffen. Besorgniserregend war die zum Teil exzessive Spieldauer. Ein Teilnehmer spielte während 112 Stunden und 22 Minuten. Das sind im Durchschnitt acht Stunden pro Tag, die Wochenendtage miteinberechnet. Im Schnitt zockten die Spieler während vier Stunden. In vielen Fällen gehen Psychologen von einem abhängigen Suchtverhalten aus. Während normale Casinos relativ gut überwacht werden können, entziehen sich virtuelle Angebote heute weitestgehend der Kontrolle durch den Staat.

Ausländische Online-Casinos erfüllen denn auch nicht die gleichen Auflagen punkto Jugend- und Spielerschutz. Statt suchtgefährdete Spieler zu sperren, setzen Anbieter von virtuellen Glücksspielen primär auf Selbstkontrolle. Das zeigen Gespräche mit Verantwortlichen dieser Firmen. Sie stellen den Nutzern spezielle Software zur Verfügung, damit diese ihr Spielverhalten überwachen und kontrollieren können.

Selber Grenzen setzen

Ein Beispiel dafür ist Betfilter. Das Programm kann auf den Computer heruntergeladen werden und verhindert den Zugriff auf Internetseiten von Online-Glücksspielen. Andere Applikationen erlauben dem Spieler, sich Grenzen zu setzen – etwa wie viel Geld er maximal einsetzen oder zu welchen Zeiten er spielen will.

Auch die Plattform selbst kann eine Limite vorgeben: In einem bestimmten Zeitraum, zum Beispiel eine Woche, kann der Spieler dann nur einen gewissen Betrag setzen. Weitere Spiele sind nicht möglich. Das Einsatzlimit kann jederzeit gesenkt, aber nur mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung erhöht werden. Ein Spieler kann sein Konto auch über eine gewisse Zeit sperren lassen. Als letzte Möglichkeit kann das Konto gelöscht werden. Online-Anbieter nutzen auch Programme, um minderjährige Spieler auf ihrer Seite zu identifizieren und anschliessend zu blockieren.

Anbieter raten von Sperren ab

Die Techfirmen setzen auf künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. «Big Data hilft uns, problematische Spielmuster frühzeitig zu erkennen», sagt Hodan Fourie von Pokerstars. Sozialarbeiter im Dienste des Unternehmens würden Spieler, die ein riskantes Spielverhalten aufweisen, persönlich kontaktieren. Per E-Mail und Telefon weisen sie die Spieler auf ihr Verhalten hin.

Sie offerieren technische Möglichkeiten, um ihr Spiel in den Griff zu bekommen, und geben Rat, wo sie sich Hilfe von Suchtexperten holen können. Wie viele Nutzer Branchenleader Pokerstars pro Jahr sperrt, gibt Fourie aber nicht preis.

Maris Bonello, Verantwortliche für Spielerschutz bei der Kindred Group, einem Anbieter von Online-Bingo, Poker und Sportwetten mit Sitz in Schweden, rät davon ab, einen Account einfach zu sperren: «Der Nutzer wird wütend und wechselt einfach den Anbieter», sagt sie. Stattdessen plädiert sie für einen Ansatz, bei dem der Nutzer selbst dazu gebracht wird, sich temporär sperren zu lassen.