Hollinger
Ortskerne sollen farbig werden

Marianne Hollinger möchte Gemeindezentren trotz Kantonsstrassen attraktiver gestalten Kantonsstrassen, die durch Ortszentren führen, verleiten die Shopper nicht dazu, sich in Strassencafés zu setzen. Landrätin Marianne Hollinger will das nun ändern.

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Aesch

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

In den meisten Gemeinden des Unterbaselbiets führt die stark befahrene Kantonsstrasse mitten durch das Ortszentrum. Das bedeutet: Lärm, Staub, keine gemütlichen Strassencafes, von Grünflächen ganz zu schweigen - kurz: Der Durchgangsverkehr beherrscht das Dorfbild. Die Aescher Landrätin Marianne Hollinger möchte den Strassenraum in diesen Ortszentren attraktiver gestalten - und hat auch schon das Erfolgsrezept: Farbige Fahrbahnbeläge, Quermarkierungen, ultrabreite Fussgängerstreifen, Begrünung auf Mittelstreifen oder Tramgeleise, die nicht auf Schotter liegen, sind nur einige ihrer Vorschläge.

«Heute herrscht punkto Kantonsstrassen eine andere Philosophie wie früher. Als ich jung war, mussten sie breit sein.» Heute wünsche sich die Bevölkerung aber, dass der Ortskern als solcher erkannt werde. «Das Zentrum soll gesellig sein, zum Spazieren einladen, Shoppen soll Spass machen und nahes Parkieren möglich sein.» Eine Massnahme hat sie aus dem Kanton Wallis nach Hause gebracht: «Dort gibt es auf Kantonsstrassen bis zu 20 Meter breite Fussgängerstreifen.» Müsse jemand in die Bäckerei auf der anderen Strassenseite, müsse er so nicht zuerst lange eine Überquerung suchen. Hollingers Ziel ist nicht, den Verkehr aus dem Dorfkern zu verbannen: «So hätten die Geschäfte ja keine Chance.»

Der Aescher Gemeindeverwalter Gilbert Münger begrüsst «das gute Konzept» der Landrätin. Vor allem eines liegt ihm am Herzen: «Das Tram fährt bei uns auf Schotter ins Dorf. Ist die Umgebung grüner gestaltet, ist es einerseits schöner fürs Auge, und andererseits wird der Lärm gedämpft.» In der Umsetzung von Hollingers Vorstellungen sieht er kein Problem: «Die Massnahmen sind mit wenig Aufwand machbar.»

Muster im Modulkatalog erstellen
Reinach ist eine der Gemeinden, die stark unter ihrer Kantonsstrasse leiden. Seit Jahren führt die Gemeinde mit dem Kanton Verhandlungen zu diesem Thema. Etwas ist auch schon passiert: «Als die Strasse saniert wurde, hat man sie von 13 Metern auf neun verengt. Auf den zwei Metern, die wir auf jeder Seite gewonnen haben, wollen wir beispielsweise zusätzliche Parkplätze schaffen oder Bäume pflanzen», erklärt Gemeindepräsident Urs Hintermann. Aber jede Gemeinde habe andere Schwachstellen, deswegen könne man keine generellen Massnahmen formulieren.

Die Initiantin der «einwohnerfreundlicheren Kantonsstrasse» ist da anderer Meinung: «Ich kann mir vorstellen, eine Art Modul-Katalog zu schaffen. Auf diese Weise können aus den verschiedenen Gestaltungs-Modulen diejenigen ausgewählt werden, die zum jeweiligen Orstkern passen.» So könne verhindert werden, dass jede Gemeinde, die ihre Dorfmitte umgestalten möchte, neue Arbeiten erstellen muss. Zudem: «Es gibt Umgestaltungen, die finanziell aufwendig sind. Wird aber eine Strasse saniert, können gewisse Massnahmen praktisch zum Nulltarif umgesetzt werden.»

Eine Gemeinde, die auf Hollingers Module verzichten kann, ist Arlesheim. Die Birseckstrasse, welche als Hauptstrasse gilt, führt am Dorf vorbei. Deshalb geniesst die Gemeinde eine «wunderschöne Begegnungszone», wie Daniela Meury betont, zuständig für Planung, Bau und Unterhalt von Strassen. «Arlesheim zählt zu den priviligierten Gemeinden, denn die Birseckstrasse wurde vor langer Zeit aussen rum gebaut.» Andere Ortschaften mit einer Kantonsstrasse hätten fast keine Chance auf eine gemütliche Zone im Ortskern.

Hollinger reicht Postulat ein

Oliver Kungler, Gemeindeverwalter aus Binningen, ist von Hollingers Konzept weniger angetan. «Bei uns ist ein solcher Plan schwer umsetzbar. Für mich macht die Idee nur Sinn, wenn die Bevölkerung an diesen Orten verweilen kann.» In Binningen sei der Verkehr das Problem. «Mit breiten Fussgängerstreifen wird das nicht gelöst.» An der Oberen Kantonsstrasse habe man mit Geschäften und Parkuhren eine gute Lösung gefunden.
Landrätin Hollinger glaubt, mit ihren «unkomplizierten» Vorstellungen die Baselbieter Ortszentren trotz Kantonsstrasse attraktiver zu machen. In einem Postulat fordert sie die Regierung auf, zu prüfen, ob nach ihren Vorstellungen einwohnerfreundlich gestaltete Strassenräume im Kanton Baselland Standard werden können.

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