Rettungspaket Sport

Parlamentarier fordern strengere Bedingungen für die Darlehen

SP-Nationalrätin Mattea Meyer stört sich daran, dass der Sport gegenüber den Sans-Papiers eine bessere Lobby hat und deswegen viel Geld bekommt. (Bild: Keystone)

SP-Nationalrätin Mattea Meyer stört sich daran, dass der Sport gegenüber den Sans-Papiers eine bessere Lobby hat und deswegen viel Geld bekommt. (Bild: Keystone)

Politiker verschiedener Parteien kritisieren die Hilfe für Profiklubs – und wollen im Parlament nachbessern.

Angesichts der gewaltigen Hilfspakete des Bundes zur Stabilisierung der Wirtschaft ist man zwar an hohe Zahlen gewöhnt. Dennoch geben die 500 Millionen Franken zu reden, mit denen der Bundesrat den Profi- und Breitensport sowie internationale Sportorganisationen unterstützen will.

«Die Höhe des Beitrags hat mich schon überrascht», sagt der Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali, Präsident der Finanzkommission. Das Parlament werde das Hilfspaket kritisch begutachten: «Wir werden uns genau anschauen müssen, wohin die Darlehen gehen und an welche Bedingungen sie geknüpft sind.» Auch Nationalrätin Aline Trede von den Grünen findet den Betrag «sehr hoch». Das Verhältnis zwischen den 350 Millionen für die Fussball- und Eishockey-Profiklubs und den 150 Millionen für alle anderen Sportarten und den Breitensport sei fragwürdig. «Hier scheint sich das Lobbying der Fussball- und Hockeyliga auszuzahlen», stellt die Bernerin fest.

Es fehle eine langfristige Strategie

Grundsätzlich sei sie für die Unterstützung des Sports: «Er ist volkswirtschaftlich, gesundheitlich und als Freizeit- und Unterhaltungsangebot sehr wichtig und von der Krise hart betroffen», sagt Trede. Doch das präsentierte Hilfspaket des Bundesrates sei überhastet und zu wenig seriös vorbereitet: «Eine langfristige Strategie ist nirgendwo zu sehen.» Dabei sei das Hilfspaket mit seinen Darlehen die richtige Gelegenheit, um etwa bei Grossanlässen oder den wirtschaftlichen Verhältnissen im Profisport mehr Nachhaltigkeit einzufordern. Die Auflagen für die Darlehen seien «äusserst bescheiden», sagt Trede.

Kritik an den Darlehen für internationale Sportorganisationen

Auch SP-Nationalrätin Mattea Meyer ist grundsätzlich dafür, dem Sport zu helfen. Doch mit den Millionendarlehen für die Profiklubs hat sie Mühe. Es sei bezeichnend, dass der Bundesrat sich um sie kümmere, während Bevölkerungsgruppen ohne starke Lobby wie Armutsbetroffene, Sans-Papiers oder Pflegekräfte leer ausgingen: «Für die Pflegerinnen gibt es Applaus, für die Gehälter der Profifussballer hingegen Millionendarlehen.»

Ihr Parteikollege Matthias Aebischer hingegen beurteilt das Hilfspaket positiv. Die Darlehen an die Profiklubs müssten im Gegensatz zu den Beiträgen an den Breitensport zurückbezahlt werden. Mit der Gehälterreduktion bei den Fussball- und Eishockeyprofis gebe es zudem eine «Opfersymmetrie».

Sehr kritisch betrachten die Parlamentarier die teilweise aus Steuergeldern finanzierten Darlehen für internationale Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz. Angesichts der vielfach ungenügenden Compliance sei das eine äusserst fragwürdige Idee, meint SVP-Nationalrat Roland Büchel. Trede und Meyer wollen sich für Nachbesserungen einsetzen. «Wenn diese Verbände Darlehen vom Staat wollen, dürfen sie ihren Funktionären keine Boni und Spitzenlöhne auszahlen», sagt Meyer.

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