Bei den meisten Cybercrime-Delikten nutzen die Täter eine Schwäche ihrer Opfer aus. Doch auch vorsichtige Internetnutzer können plötzlich im Zentrum einer Verleumdung stehen. Technologische Innovationen machen es möglich.

Eine 25-jährige Frau aus dem Aargau berichtet, wie es ihr passiert ist. Von einer Freundin erhält sie die Nachricht, es seien seltsame Profile von ihr auf den Social-Media-Plattformen Instagram und Facebook aufgetaucht. Als sie darauf klickt, erschrickt sie. Das Profilbild zeigt ihren Kopf auf einem nackten Frauenkörper. Wer sie nicht kennt, bemerkt die Fotomontage nicht. Darunter steht die Aufforderung, wer Interesse an Sex habe, könne sich melden.

Sie geht mit Screenshots auf den nächsten Polizeiposten. Dabei hat sie den Fall aus Spreitenbach im Kopf, eine 13-Jährige nahm sich dort das Leben, nachdem sie Opfer von Cybermobbing geworden war. Die 25-Jährige wollte mit ihrer Anzeige auch ein Zeichen setzen.

Zu hohe Kosten

Doch die Polizei konnte ihr nicht helfen. Der Beamte meinte, die Erfolgsaussichten einer Anzeige seien gering, die auf sie zukommenden Kosten aber beträchtlich.

Die Frau ist am Boden zerstört. Auch ihr kleiner Bruder kann die Bilder sehen, da das Profil mit den Familienmitgliedern verknüpft ist. Nach vielen Telefonaten in ihrem Umfeld kann sie die Täterin selber ermitteln und sie zu einer Löschung überreden. Es war die neue Freundin ihres Ex. Ihr Motiv: Eifersucht.

Plötzlich im Porno

Für solche Fotomontagen gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Programmen. Mittlerweile lassen sich sogar Filme auf ähnliche Weise manipulieren. Vor zwei Jahren tauchte im Internet ein Video auf, das die «Wonder Woman»-Darstellerin Gal Gadot beim Sex zeigte. Der Skandal war technisch erzeugt. Ein Programmierer hat in einem Pornofilm das Gesicht der Darstellerin mit jenem der israelischen Schauspielerin ersetzt. Er nutzte eine Software mit künstlicher Intelligenz.

Videos suggerieren noch mehr Authentizität als Fotos. Müssen Internet-Nutzer damit rechnen, dass sie mit solchen Methoden blossgestellt werden? «Manipulierte Videos herzustellen, die täuschend echt aussehen, ist noch immer sehr aufwendig», sagt Sicherheitsexperte Marc Ruef. Mit seinem Team hat er untersucht, ob sich solche Software für Betrüger eignet. Für ein ansprechendes Ergebnis brauche man gutes Bildmaterial, auf dem die Szenerie ähnlich ausgeleuchtet ist wie im Original-Video. Doch die Bildtechnologie und die künstliche Intelligenz werden Fortschritte machen. «In zwei bis fünf Jahren», so Ruef, «ist der Betrug mit manipulierten Videos ein realistisches Szenario.»