Energie
Politiker wollen Geothermie-Projekte ins Ausland auslagern

Eine Woche nach dem Erdbeben in St. Gallen stellen Energiepolitiker die Zukunft der Schweizer Geothermie immer mehr in Frage. Anstatt in riskante und teure Projekt im Inland zu investieren, sollen sich Energiekonzerne an Werken im Ausland beteiligen.

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Die Lage am Geothermie-Bohrloch hat sich stabilisiert (Archiv)

Die Lage am Geothermie-Bohrloch hat sich stabilisiert (Archiv)

Keystone

«In der Geothermie ist es sinnvoll, europäischer zu denken», erklärt Nationalrat Bastien Girod gegen ̈über der «Ostschweiz am Sonntag». «Da Bohrungen im Ausland teilweise weniger Risiken bergen, sollen die Produzenten ein stärkeres Engagement in Anlagen in Nachbarländern prüfen.»

Gleicher Meinung ist der freisinnige Nationalrat Christian Wasserfallen: «Es ist sicher eine Option, dass die Schweiz künftig den Geothermie-Strom aus dem Ausland bezieht.» Um Schweizer Investitionen im Ausland zu fördern, will Girod staatliche Gelder zur Verfügung stellen: «Die Schweiz braucht eine Förderung für erneuerbare Energien aus dem Ausland.»

KEV-Gelder auch fürs Ausland

Eine Möglichkeit sei, «Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV künftig auch für ausländische Projekte zu sprechen.» Dabei sollen die Behörden einen deutlich reduzierten Tarif anwenden, da die Produktion im Ausland generell billiger sei und für die Schweiz weniger Wertschöpfung schaffe.

Eine zweite Möglichkeit wäre laut Girod, «dass wir bei der geplanten Liberalisierung des Strommarkts für private Kunden festhalten, dass ein steigender Anteil des Konsums aus erneuerbaren Quellen stammen muss», sagt Bäumle So könne der Bund verhindern, dass Dumpingangebote mit Kohle- oder Atomstrom den Anteil der erneuerbaren Energien senkten.

Steinmann verteidigt Geothermie

Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, glaubt weiter an Geothermie-Projekte in der Schweiz, wie er der «NZZ am Sonntag» sagt. Arbeiten im tiefen Untergrund seien aber immer Arbeiten mit Unwägbarkeiten. Das Risiko eines Erdbebens könne nie ausgeschlossen werden, so Steinmann.

«Die Stadt St. Gallen hat der Bevölkerung von Anfang an sehr vorbildlich kommuniziert, dass Geothermieprojekte mit technischen und finanziellen Risiken verbunden sind. Es gab aber plausible Gründe, von einem kleineren Erdbebenrisiko als in Basel auszugehen. Zum einen wurde in St. Gallen ein anderes Verfahren angewendet, zum anderen gibt es in der Region St. Gallen nur wenige historisch belegte Erdbeben. Das zeigt, dass der tiefe Untergrund im Vergleich zu Basel entspannt ist.»

Die Geothermie habe nach wie vor Chancen in der Schweiz, jedes Projekt bringe neue Erkenntnisse über den Untergrund, die für weitere Vorhaben nützlich seien.

Energiewende nicht in Frage gestellt

Zur Rolle seines Amts sagt Steinmann: «Nach damaligem Wissen waren die Einschätzungen der Expertengruppe und unseres Bundesamts für Energie korrekt.» Ob das Projekt weitergeführt werden könne, müssten die Projektanten entscheiden.

Die Energiewende stehe und falle nicht mit der Geothermie: «Es ist denkbar, dass Biomasse, Wind oder auch Wasserkraft mehr Strom bringen können. Falls dies nicht möglich ist und von Wissenschaft und Wirtschaft keine zusätzlichen Innovationen kommen, gibt es auch die Option von zusätzlichen Stromimporten oder der fossilen Stromproduktion.»

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