Oberster Lehrer

Präsident des Schweizer Lehrerverbands zum Schulvergleich: «Das Ergebnis ist schwach»

Lehrerpräsident Beat Zemp. (Archiv)

Lehrerpräsident Beat Zemp. (Archiv)

Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands, über die Resultate des ersten nationalen Schulvergleichs.

Nur 62 Prozent der Schüler erreichen am Ende der Schulzeit in der Mathematik die gesteckten Lernziele. Welche Note würden Sie einem Schüler für ein solches Resultat geben?

Sicher eine ungenügende. Das ist viel zu wenig, 90 Prozent waren eigentlich das Ziel. Allerdings waren einige Textaufgaben wohl doch schwieriger als gedacht. Es handelte sich nicht immer nur um die Basics.

Jugendliche in Basel-Stadt erreichten lediglich 43 Prozent. Das kann nicht nur an der Aufgabenstellung liegen.

Ja, das Ergebnis ist schwach. Basel-Stadt hat sicher Handlungsbedarf. Das gilt auch für Baselland. Dort hat die Regierungsrätin angekündigt, die Ergebnisse zu analysieren und zu handeln. Eine Option wären mehr Ressourcen für den Unterricht.

Liegt es an der unterschiedlichen Anzahl der Lektionen?

Nicht nur, aber die Unterschiede sind schon beträchtlich. So haben beispielsweise Jugendliche aus dem Kanton Solothurn über 420 Lektionen weniger Mathematik als ihre Gspänli in Schwyz oder Appenzell Innerhoden, die überdurchschnittliche Ergebnisse erzielten. Zudem spielt auch der familiäre Hintergrund der Schüler eine Rolle.

Machen es sich die Lehrer zu einfach, wenn sie sich auf die Unterrichtszeit beziehen und nicht auf die Qualität des Unterrichts?

Wir fordern schon lange, dass auch Primarlehrer einen Master machen sollten, damit genügend Zeit da ist, um alle Fächer als Generalist auf hohem Niveau unterrichten zu können.

Schweizer Schüler belegten in der letzten Pisa-Studie 2015 in der Mathematik einen Spitzenplatz. Warum dieser Absturz?

Die beiden Test sind nicht vergleichbar. Es gibt bei Pisa keinen weltweiten Lehrplan, der festlegt, was Schüler können müssen. Das ist bei uns anders. Vielleicht sind wir in der Schweiz auch anspruchsvoller, wir arbeiten sehr viel und fordern viel von uns und den Jugendlichen. (yno)

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