Abstimmungen

Pratteln will hoch hinaus – vielleicht

Blickfang: Wenn das Hochhaus auf dem Häring-/Coop-Areal tatsächlich gebaut wird, können die Prattler den Giganten vom Unteren Mayenfels aus nicht übersehen. (zvg)

Turm, Pratteln

Blickfang: Wenn das Hochhaus auf dem Häring-/Coop-Areal tatsächlich gebaut wird, können die Prattler den Giganten vom Unteren Mayenfels aus nicht übersehen. (zvg)

82 Meter hoch soll der Wolkenkratzer beim Prattler Bahnhof werden. Die Gemeinde stimmt ab, ob sie den höchsten Turm des Kantons wirklich will.

Muriel Mercier

Seit Monaten werden die Stimmen lauter und lauter, wenn das Gesprächsthema auf den Quartierplan des Häring-/Coop-Areals und somit zwangsläufig auf das geplante Hochhaus kommt. Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Am 27. September endlich wird die Bevölkerung erlöst werden - nach dem Urnengang steht nämlich fest, ob das Prattler Stimmvolk das Hochhaus beim Bahnhof wirklich will oder eben nicht.

Zwar genehmigte der Einwohnerrat im vergangenen Mai mit 27 gegen sieben Stimmen und zwei Enthaltungen den Quartierplan. Darauf ergriffen jedoch 13 Mitglieder der SP, der Grünen und der Unabhängigen Pratteln das Behördenreferendum gegen den Beschluss. Als Konsequenz wurde der Quartierplan dem Volk vorgelegt.

Problem: Verkehr und Schatten

Eigentlich stimmen die Prattlerinnen und Prattler in neun Tagen über die gesamte Quartierplanung des Häring-/ Coop-Areals ab. Auf dem Gebiet zwischen Tramschlaufe und Bahngeleise soll eine Wohn- und Geschäftsüberbauung entstehen. Erstaunlich ist, dass sich seit Monaten die Diskussion aber nur darum dreht, ob der geplante 82 Meter hohe Wolkenkratzer, der laut Konzept auf dem Areal gebaut werden soll, den Bahnhof aufwertet und somit für die Entwicklung Prattelns einen innovativen Sprung nach vorne bedeutet, oder ob nicht doch eher das Ortsbild nachhaltig zerstört wird.

Argumente der Pro und Contra-Seiten sind genügend vorhanden. Die Gegenstimmen lassen sich in erster Linie von Seiten der Grünen und der Unabhängigen vernehmen. Ihr wichtigster Kritikpunkt ist das Thema Verkehr. Dient das Hochhaus tatsächlich als Wohn- und Geschäftshaus, wird der Verkehr zunehmen, argumentiert etwa Stephan Ackermann (Unabhängige). Und wenn der Verkehr über den Bahnhofsplatz geleitet werde, sei dieser nicht attraktiv.

Weiter sagt Ackermann, der Büroturm werfe einen immensen Schatten auf gegenüberliegende Wohnungen. Und: Im Hochhaus sollen Alterswohnungen entstehen. Das Problem hierbei sei, dass die alten Menschen vereinsamen, weil sie sich nicht trauen würden, aufgrund der vielen Stockwerke ihre Wohnung zu verlassen.

Restliche Pläne kaum beachtet

Für die Befürworter weist das 180-Millionen-Franken-Projekt eine attraktive Mischform aus Arbeit, Wohnen und Gewerbe auf. Zudem müsse in der Gemeinde verdichtet gebaut werden, weil sie an der Zersiedelung leide, liess Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) - einer der wenigen Befürworter der politischen Linken - an einer Podiumsdiskussion verlauten. Und dazu müsse nun mal vertikal gebaut werden.

Auch zunehmender Verkehr sei nur ein Gerücht, erklärt Architekt Daniel Wentzlaff. Er hat den Anspruch, das Bahnhofsgebiet autofrei zu gestalten. Für die Hochhaus-Anhänger bietet der neue Quartierplan eine optimale Mischform, ist eine städtebauliche Massarbeit und nachhaltig überlegt. Ihr Standpunkt: Am Bahnhofplatz entsteht ein modernes Gesicht und ein sowohl attraktives als auch zukunftsorientiertes Zentrum.

Abgesehen vom Büroturm wird den restlichen Bauplänen für das Areal kaum Beachtung geschenkt - von den Politikern wie von der Bevölkerung. Wie auch immer die Abstimmung ausgeht: Am 27. September fällt eine Entscheidung - und mit ihr schwindet die Anspannung unter den Prattler Einwohnern.

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