Presserecht

Presserat beurteilt den Medienhype um den «Fall Hirschmann»

Auch Boulevard-Prominente sind nicht Freiwild. Journalisten haben ihnen gegenüber gewisse Regeln einzuhalten. Dies hält der Presserat in einer Reaktion auf eine Beschwerde des Jet-Setters Carl Hirschmann fest.

Generell dürfen Medien durchaus auch «in weniger angenehmem Zusammenhang» über Boulevard-Prominente berichten und deren Namen nennen, schreibt der Presserat in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. Grund der Prominenz und Gegenstand der Berichterstattung müssten allerdings zusammenhängen.

Der Presserat reagierte mit seinem Schreiben auf eine Beschwerde des bekannten Jet-Setters Carl Hirschmann gegen diverse Medien der «Blick»-Gruppe.

Generelle Einwilligung

Die Berichterstattung über Boulevard-Prominente sei zwar kaum mit öffentlichem Interesse zu rechtfertigen, rechtfertige sich aber durch eine «sehr weit gehende generelle Einwilligung» der Betroffenen. Wer «sich im öffentlichen Scheinwerferlicht exponiert, bei jeder Gelegenheit vor Mikrofone und Kameras drängt oder sich zumindest bereitwillig ablichten und zitieren lässt», müsse damit rechnen, dass die Medien über ihn breichten.

Auch eine Flut von Medienberichten nach einem Ereignis wie etwa einer Verhaftung verstösst nach Auffassung des Presserates nicht von vorneherein gegen die Unschuldsvermutung. Die Berichte müssten aber darauf hinweisen, dass noch keine rechtskräftige Verurteilung vorliege.

Tatsachen und Fairness

Medienschaffende dürften sich durch den Druck, täglich Neuigkeiten zu einem «Fall» zu veröffentlichen, jedoch nicht dazu verleiten lassen, «blosse Gerüchte und Verdächtigungen ungeprüft zu veröffentlichen». Diese könnten nur Ausgangspunkt einer Recherche sein. Resultieren müsse eine «hieb-und stichfeste Tatsachenaussage».

Und auch die Anhörungs-Regel dürften Journalisten nicht vergessen, schreibt der Presserat: Sie sind verpflichtet, vor der Publikation von schweren Vorwürfen die davon Betroffenen anzuhören und deren Stellungnahme «zumindest kurz und fair» im Bericht wiederzugeben. Ist ein Betroffener und auch dessen Vertreter - etwa ein Anwalt - nicht erreichbar, so ist dies im Bericht ausdrücklich festzuhalten.

Verantwortliche Auswahl

Und schliesslich sind Journalisten laut Presserat auf jeden Fall verpflichtet, ihre Informationen in verantwortlicher Weise auszuwählen und auch «die Wirkung zu berücksichtigen, welche eine Medienlawine für die Betroffenen hat». Gerade beim so genannten «Rudeljournalismus» drohe die Gefahr, dass berufsethische Regeln häufig verletzt würden.

Insgesamt bedauert der Presserat, dass in den letzten Jahren Boulevardthemen «zunehmend auch in Qualitätsmedien ein überproportionales Gewicht erhalten». Gleichzeitig werde die «Funktion der Medien als 'Wachhunde' der Demokratie» tendeziell zurückgedrängt.

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