Burka-Verbot

Rachid Nekkaz: «Ich neutralisiere dieses Gesetz mit meinem Scheckbuch»

Der Franzose Rachid Nekkaz (rechts) will zahlen, wenn im Tessin Frauen wegen ihrer Burka gebüsst werden.

Der Franzose Rachid Nekkaz (rechts) will zahlen, wenn im Tessin Frauen wegen ihrer Burka gebüsst werden.

Interview mit Rachid Nekkaz, dem Mann der im Tessin alle Burka-Bussen bezahlen will. Denn er hat Geld - viel Geld.

Rachid Nekkaz hat Geld. Viel Geld. Seit Frankreich 2011 die islamische Vollverschleierung in der Öffentlichkeit verbot, begleicht der franko-algerische Unternehmer die anfallenden Bussen. Auch im Tessin, wo ein entsprechendes Gesetz diese Woche die letzte Hürde genommen hat, will der Millionär eingreifen. Demnächst wird er nach Lausanne und Lugano reisen, um die Gründe für sein aussergewöhnliches Engagement darzulegen. Im Interview verrät der 43-Jährige, wie enttäuscht er von der Schweiz ist.

Was ist Ihre Motivation, diese Burka-Bussen zu bezahlen?
Rachid Nekkaz: Erlauben Sie mir zunächst eine Präzisierung: InEuropa kommt ausschliesslich der Nikab vor, die Burka hingegen gehört nach Afghanistan.

Einverstanden. Ihre Motivation?
Ich nahm es dem damaligen Präsidenten Sarkozy sehr übel, dass er die Angst vor dem Islam in Europa dafür missbrauchte, um Gesetze vorzuschlagen, welche die Grundrechte einschränken und die muslimischen Mitbürger stigmatisieren und diskriminieren. Ich teilte den französischen Abgeordneten mit: Wenn ihr dieses Gesetz verabschiedet, werde ich es auf der Strasse mit meinem Scheckbuch neutralisieren. Genau das werde ich auch in der Schweiz tun.

Was ist Ihre persönliche Sicht auf die Vollverschleierung?
Ich habe immer gesagt, dass ich gegen den Nikab in Europa bin. Das ist nicht die ideale Art sich zu integrieren und Arbeit zu finden. Aber ich halte es mit Voltaire: «Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht darauf bis in den Tod verteidigen». Ich führe hier keinen religiösen Diskurs, es geht um die Wahrung von Grundrechten.

Wie viele Bussen haben Sie bislang bezahlt?
In Frankreich 1002, in Belgien 252 und in Holland zwei. Total belaufen sich die Kosten auf 220’000 Euro.

Das ist viel Geld.

Falls nötig, bin ich auch bereit, mehr bereitzustellen, um all jenen Ländern Europas eine Demokratie-Lektion zu erteilen, welche offenbar die Bedeutung der Freiheit und der Toleranz vergessen haben. Ich bin traurig, dass Länder wie die Schweiz, einst ein Symbol für die Freiheit und die Toleranz, heute in dieselbe Falle tappen und freiheits- und muslimfeindliche Gesetze beschliessen.

Im Unterschied zu Frankreich ist die Zahl der Burkaträgerinnen in der Schweiz verschwindend klein – oft handelt es sich zudem um Touristinnen aus Golfstaaten, die sich die Busse gewiss leisten können.
Ich habe gehört, dass einige Schweizer Parlamentarier deshalb die Bussen heraufsetzen wollen. Ich finde das unglaublich!


Können Sie die Ängste jener nicht nachvollziehen, die den Anblick vollverschleierter Frauen nicht gewohnt sind?
Frankreich hat Algerien während 130 Jahren kolonialisiert und bei dieser Gelegenheit Tausende vollverschleierte Frauen gesehen. Die Schweizer Banken horten seit 50 Jahren die Milliarden reicher Araber, ohne sich zu beklagen. Für mich zieht dieses Argument mit der Gewohnheit nicht. Nein, es sind verantwortungslose Politiker, die auf dem Rücken der Terroranschläge und der Angst vor dem Islam die Grundrechte einschränken. Das ist inakzeptabel und des toleranten Esprits Europas unwürdig.

Meistgesehen

Artboard 1