Familiendrama
Rechtsmedizin: Kinder von Flaach wurden vermutlich erstickt

Die beiden Kinder von Flaach ZH sind offenbar erstickt worden. Die tatverdächtige Mutter hatte am Montag ein Geständnis abgelegt, sich zum Tathergang allerdings nicht geäussert.

Drucken
Hier geschah das Familiendrama.

Hier geschah das Familiendrama.

Das Zwangsmassnahmengericht hat laut Mitteilung gegen die 27-jährige Untersuchungshaft angeordnet. Die weiteren Umstände der Tat, deren Hintergründe und das Tatmotiv sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Die junge Frau befindet sich laut Staatsanwaltschaft in einer psychiatrischen Klinik. Wann die nächsten Einvernahmen stattfinden, konnte Staatsanwältin Claudia Kasper gegenüber der Nachrichtenagentur sda noch nicht sagen. Die Anwältin der Tatverdächtigen habe bereits mit ihrer Mandantin gesprochen.

Die Mutter hatte gestanden, am Abend des Neujahrstags in der Familienwohnung in Flaach ZH ihren fünfjährigen Sohn und das zweijährige Töchterchen getötet zu haben. Anschliessend rief sie selbst die Polizei, wartete aber nicht auf deren Eintreffen, sondern verliess die Wohnung. Später konnte sie festgenommen werden. Sie hatte sich selbst mit einem Messer verletzt.

StGB unterscheidet zwischen «Tötung von Kindern» und «Kindestötung»

Beim zweifachen Tötungsdelikt vom Neujahrstag in Flaach ZH handelt es sich - juristisch gesehen - um die Tötung von Kindern, nicht aber um «Kindestötung». Das Strafgesetzbuch (StGB) macht hier einen Unterschied, der sich im vorgesehenen Strafmass zeigt.

Bei der aktuellen Tat handelt es sich laut Staatsanwältin Claudia Kasper um ein «normales» Tötungsdelikt. Für vorsätzliche Tötung sieht das StGB eine Freiheitsstrafe «nicht unter fünf Jahren» vor. Liegen besondere Skrupellosigkeit oder Verwerflichkeit vor, wird die Tat als «Mord» eingestuft, bestraft mit «lebenslänglicher Freiheitsstrafe» oder «Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren».

Etwas anderes ist «Kindestötung», ein privilegierter Tatbestand. Laut StGB gilt er dann, wenn eine Mutter ihr Kind «während der Geburt» tötet, «oder solange sie unter dem Einfluss des Geburtsvorganges steht». Hierfür sieht das StGB eine «Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe» vor.

Ein gleiches Strafmass gilt gemäss StGB für fahrlässige Tötung und für Tötung auf Verlangen. Für Totschlag ist eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren vorgesehen.

Konflikt eskaliert

Das zweifache Tötungsdelikt war trauriger Höhepunkt eines Konflikts der Familie mit der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Diese hatte die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim verfügt, nachdem die Eltern wegen Betrugsverdachts Anfang November verhaftet worden und ausserdem Gefährdungsmeldungen bezüglich der Kinder eingegangen waren.

Auch nach der Entlassung der Mutter aus der Haft einige Tage später, sollten die Kinder im Heim bleiben, bis alle nötigen Abklärungen getätigt sein würden. Über die Feiertage durften sie zwei Wochen bei der Mutter verbringen, hätten aber am vergangenen Sonntag wieder zurückgebracht werden sollen.

Gegen die KESB brach nach der Tragödie ein eigentlicher "Shitstorm" los. Aufgrund massiver Drohungen per eMail und via soziale Medien konnte die Behörde eine vorgesehene Medienkonferenz nicht abhalten: Die Polizei riet dringend davon ab. Die Polizei machte am Dienstagnachmittag keine weiteren Angaben zu den Drohungen.

Die Behörde ihrerseits ist an die Schweigepflicht gebunden und kann wenig Auskünfte geben. Anzeichen für eine akute Gefährdung der Kinder durch die Mutter habe es keine gegeben.

Aktuelle Nachrichten