Die Experten der Standortkantone für ein mögliches Tiefenlager für radioaktive Abfälle kommen wie die Nagra zum Schluss, dass die beiden Standorte Jura Ost (Bözberg) und Zürich Nordost (Weinland) weiter verfolgt werden sollen. Anders als die Nagra verlangen sie aber, zusätzlich den Standort Nördlich Lägern (AG/ZH) weiter zu verfolgen. Bei den anderen drei möglichen Standorten Wellenberg (NW/OW), Südranden (SH) und Jura-Südfuss (SO/AG) kommen sie indessen zum selben Schluss wie die Nagra und empfehlen, diese nicht weiter zu verfolgen.

Dies gab der Zürcher Baudirektor Markus Kägi als Präsident des Ausschusses der Kantone bekannt. Der Ausschuss besteht im Wesentlichen aus politischen Vertretern der Kantone ZH, AG, BL, NW, OW, SH, SO und TG.

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Attiger sieht es genauso

Regierungsrat Stephan Attiger, der dem Ausschuss der Kantone angehört, ist mit dessen Forderung ausdrücklich einverstanden. Attiger: «Die von den Kantonen eingesetzte Expertengruppe ist klar zum Schluss gekommen, dass der Standort Nördlich Lägern gegenüber den anderen beiden von der Nagra empfohlenen Standorten keine Nachteile hat.»

Das Verfahren verlangt, dass man nur Standorte zurückstellen darf, die eindeutige Nachteile haben. Deshalb, so Attiger, «ist für mich klar: Wenn ein Standort keine eindeutigen Nachteile hat, muss er im Verfahren bleiben.» Umgekehrt wiesen die weiteren möglichen Standorte Jura Südfuss, Südranden und Wellenberg, die die Nagra nicht weiter verfolgen will, vom Gestein und von Störungen her wirklich eindeutige Nachteile auf, so Attiger.

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Nagra-Entscheid

Wie geht es weiter? Die Stellungnahme des Ausschusses der Kantone geht jetzt ans Bundesamt für Energie (BFE). Was dieses daraus macht, sei sein Entscheid, so Attiger. Er weist aber darauf hin, dass das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) zum Standort Nördlich Lägern von der Nagra eine Zusatzdokumentation verlangt hat. Zu welchem Schluss das Ensi dann komme, sei natürlich noch offen.

Für Attiger zeigt auch dies, «dass nicht die Nagra sagt, was geht, sondern dass hier ein sauberes Verfahren läuft, in dem unabhängige Gruppen wie der Ausschuss der Kantone die Nagra-Vorschläge kritisch hinterfragen und eigene Stellungnahmen abgeben». Jetzt gelte es, alle Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Attiger: «Am Schluss muss der sicherste Standort obsiegen, das ist ganz klar.»

Falls der Bundesrat auch drei Standorte weiter verfolgen lassen will, geht Attiger von einer Zeitplanverzögerung von etwa einem Jahr aus. Eine Verzögerung gebe ja schon, weil das Ensi von der Nagra Zusatzunterlagen benötigt.
Wichtig ist Attiger, dass in diesem Verfahren nicht zu viele Standorte zu früh ausgeschieden werden. Es soll sichergestellt sein, so der Aargauer Baudirektor, dass wirklich alle gleichwertigen Standorte bzw. alle, die keine eindeutigen Nachteile haben, weiterverfolgt werden und dann am sichersten Ort gebaut wird.

Nagra liefert Mitte Jahr

Die Nagra hält in einer Mitteilung an ihrer Beurteilung fest, Nördlich Lägern habe sicherheitstechnische Nachteile. Bekanntlich muss sie dem Ensi zu diesem Standort eine Zusatzdokumentation liefern. Diese will sie Mitte 2016 einreichen. Die abschliessende Beurteilung des Ensi werde im Frühjahr 2017 erwartet. Um für alle Fälle gerüstet zu sein und weitere Verzögerungen zu vermeiden, hat die Nagra laut Mitteilung mit den Planungsvorbereitungen für Lägern Nord begonnen.