Gault-Millau

Riesige Freude, aber auch mehr Druck – Michèle Meier vom KKL-Restaurant Lucide ist «Köchin des Jahres»

Michèle Meier kocht im KKL-Restaurant Lucie. Sie ist als beste Schweizer Köchin ausgezeichnet.

Michèle Meier kocht im KKL-Restaurant Lucie. Sie ist als beste Schweizer Köchin ausgezeichnet.

Mit dem Titel «Köchin des Jahres» ehrt der «Gault-Millau» eine Frau, die bereits in der Lehrzeit Ambitionen hatte und nicht mit dem Minimum zufrieden war. Nach mehreren Topstationen wirkt Michèle Meier (42) seit April 2019 im KKL und bleibt trotz Höhenflug bescheiden.

Es sind zwei Mega-Gefühle, die Michèle Meier begleiten, seit sie erfahren hat, dass sie von «Gault-Millau» zur «Köchin des Jahres» erkoren wurde: «Mega-Freude und Mega-Respekt». Freude über die unerwartete Auszeichnung, Respekt vor den Folgen davon, denn ein solcher Titel und die 16 «Gault-Millau»-Punkte bedeuten auch einen neuen Druck und locken viele Gäste aus der ganzen Schweiz an – und sicher vermehrt auch aus Stadt und Region Luzern.

Viele Einheimische sind in der Vergangenheit noch nicht recht warm geworden mit dem KKL-Restaurant Lucide, das leider auch nicht gerade gut ausgeschildert ist. Bis in diesem Frühling hiess das grosszügige gestaltete Lokal mit fantastischer Aussicht im 1. Stock noch «RED» (gelegen über dem «World Café» im Parterre, das jetzt «Le Piaf» heisst). Gastgeber Christian Gujan und Michèle Meier sind nun auch im neuen Restaurant Lucide die tragenden Säulen.

Christian Gujan, Gastgeber, und Michèle Meier, Chef-Köchin, im KKL-Restaurant Lucide.

Christian Gujan, Gastgeber, und Michèle Meier, Chef-Köchin, im KKL-Restaurant Lucide.

Mit Maske in der offenen Küche

Die 42-jährige «Köchin des Jahres» ist in der Zentralschweiz keine Unbekannte. Mehrere Jahre war sie im «Blinker» in Cham tätig gewesen, zuerst als Sous-Chefin, dann als Chef de Cuisine. Als das «Blinker» im Frühling 2018 schloss, weil Geschäftsführer Hubert Erni eine neue Herausforderung suchte, ginge Michèle Meier erst einmal auf grosse Reise mit ihrem Lebenspartner, ehe sie sich selber für die ausgeschriebene Chef-Stelle im «RED» bewarb und im April 2019 loslegte.

Hier ist sie «glücklich» über diesen «tollen Arbeitsplatz», das Arbeiten mit ihrem kleinen, aber ambitionierten Team mache riesig Spass. Auch die aktuelle Maskenpflicht sei kein Problem. Das Team trägt bereits seit Mai Masken und hat sich bestens daran gewöhnt. «Zudem arbeite ich sehr fokussiert, und auch aufgrund der offenen Küche geht es bei uns leise zu und her.»

Für das Bild ohne Maske in der Küche: Michèle Meier.

Für das Bild ohne Maske in der Küche: Michèle Meier.

Michèle Meier ist in Zürich geboren, weil aber ihre Eltern fanden, eine Grossstadt sei nichts für sie und ihre beiden älteren Geschwister (Bruder und Schwester), zog man ins kleine Dorf Niederönz und später nach Inkwil im Oberaargau BE. Gekocht wurde bei Meiers ganz normal, wobei der Vater anscheinend sonntags sich am Herd manchmal mächtig in Zeug legte. «Es war ausgezeichnet, aber oft gab es dann erst um 15 Uhr Zmittag, bis er fertig war», lacht Michèle.

«Stifti» in einem 18-Punkte-Lokal

Obwohl es in Familie und Verwandtschaft keinen Koch gab, ergriffen sie und auch ihre Schwester diesen Beruf. «Ich hatte nur einmal als Floristin geschnuppert, aber Koch war immer im Vordergrund», sagt Michèle Meier. Dass sie im ersten Jahr als Stiftin vor allem als eine Art «Speisenerhitzerin» amtete, war aber gar nicht nach ihrem Gusto.

Sie wechselte die Lehrstelle, kam zum legendären Nik Gygax in den «Löwen» nach Thörigen. Das 18-Punkte-Restaurant war nur einen guten Steinwurf von Inkwil entfernt. Bei Gygax, der im September dieses Jahres nach langer Krankheit mit 62 gestorben ist, lernte Michèle richtig kochen. Eine weitere wichtige Station ihrer Karriere war auch das «Schloss Falkenstein» in Niedergösgen SO. Max und Anita Eichmann seien «absolut vorbildliche Gastengeber» gewesen.

Nur Leberli mag sie nicht

Michèle Meier hat sich der französischen Küche verschrieben, seit «Blinker»-Zeiten dann und wann mit asiatischem Einschlag. Die französische Küche entspricht auch ihrem eigenen Geschmack – wie so manches andere auch. «Es muss nichts Verrücktes sein, ich bin auch mit einem feinen Hacktätschli oder einem schönen Schmorgericht zufrieden.» Sie esse eigentlich fast alles gern, mit Ausnahme von Leberli, «aber ich will diese jetzt dann wieder mal probieren. Wer weiss, manchmal verändern sich Vorlieben.»

© Boris Bürgisser (13. November 2020

Sich selber will Michèle Meier auch als «Köchin des Jahres» treu bleiben. Sympathisch zurückhaltend. «Für mich ist primär wichtig, dass es stimmt und ich mich wohlfühle bei der Arbeit.» Auch ein eigenes Restaurant sei nicht zwingend. Michèle Meier: «Im Gastgewerbe muss man heute praktisch um jeden Franken Gewinn kämpfen, und in der gehobenen Gastronomie ist das Überleben noch schwieriger. Ich bin deshalb happy, als Angestellte und im aktuellen Setting arbeiten zu können.»

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