Schweiz-Russland
Russland droht: «Dann werden wir den Schweizer Offizier in Moskau ausweisen»

Die Schweiz will die Ausbildung von russischen Gebirgsinfanteristen stoppen. Das schmeckt den Russen nicht. Sie drohen: Dann würden sie den Schweizer Offizier in Moskau ausweisen.

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Der russische Botschafter Alexander Golovin in Bern

Der russische Botschafter Alexander Golovin in Bern

Keystone

Die Schweiz will die Ausbildung von russischen Gebirgsinfanteristen stoppen (wir berichteten). Nun droht Alexander Golovin, der russische Botschafter in Bern: Dann wird Russland den Schweizer Offizier ausweisen.

«Russland ist nicht aggressiv»

Nachdem VBS-Vorsteher Ueli Maurer einen Kurs für russische Gebirgs-Grenadiere abgesagt hat, wehrt sich Moskau. «Die militärische Ausbildung basiert auf einem beidseitigen Abkommen», sagt Alexander Golovin in einem Interview mit SonntagsBlick:

«Wir schicken zweimal jährlich 40 Soldaten nach Andermatt. Zudem studiert ein Schweizer Offizier an der Generalstabs-Akademie in Moskau. Bricht die Schweiz diesen Vertrag, muss der Schweizer Offizier Moskau verlassen.»

Golovin verstehe nicht, dass die Schweiz Russland bestrafe. «Russland ist nicht aggressiv, das behaupten nur westliche Politiker», sagt Golovin zu SonntagsBlick.

Er wehrt sich gegen dem Vorwurf, russische Soldaten würden ukrainische Stellungen besetzen. «Alle militärischen Bewegungen auf der Krim geschehen im Rahmen eines Abkommens zwischen Russland und der Ukraine über die Schwarzmeer-Flotte, die vor Sewastopol auf der Krim ankert», sagt Golovin.

Auf die Frage, wer die Tausenden Soldaten ohne Abzeichen auf der Krim seien, sagt er: «Wir kennen diese Soldaten nicht.»

Golovin sagt weiter, Russland habe selbst einiges getan, damit kein Blut fliesst. «Obwohl der legitime ukrainische Präsident Janukowitsch unseren Präsidenten gebeten hat, Truppen zu schicken, verzichtete Putin darauf.»

Burkhalter reist im Frühling nach Russland

Trotz der Krim-Krise und den angespannten Verhältnissen zwischen der Schweiz und Russland will Bundespräsident Didier Burkhalter im Frühling nach Russland reisen. Er wird dann vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau zu einem Staatsbesuch empfangen.

Dieser findet im Rahmen des 200-Jahr-Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland statt, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gegenüber der «NZZ am Sonntag» bestätigt.

Politiker finden, Burkhalter erweise Putin zu viel der Ehre. «Wir sollten nicht unsere Freundschaft mit einem kriegstreibenden Machthaber feiern», sagt SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr in der «NZZ am Sonntag».

In der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats ist der Staatsbesuch traktandiert. Die Schweiz pflegt auch auf anderen Ebenen gute Beziehungen zu Russland.

Heute Sonntag findet in Genf ein hochkarätiges Wirtschaftsforum mit Vertretern der beiden Länder statt. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hält dort eine Rede.

Ferner werden die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen, welche die Schweiz innerhalb der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) mit Russland, Weissrussland und Kasachstan führt, im April wie vorgesehen fortgeführt.

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