Presseschau

Schimmel und Ungeziefer in Restaurants, Dreijährige und die Handysucht, Schawinskis Angriff auf SRF und dem Crypto-Leaks-Untersuchungsleiter fehlt die Akteneinsicht

© CH Media

Die wichtigsten Themen aus der heutigen Sonntagspresse in der Übersicht für Sie zusammengestellt.

Schimmel und Ungeziefer: 789 Anzeigen gegen Schweizer Wirte

Was sich in Schweizer Restaurantküchen abspielt, bleibt den Gästen verborgen. Zwar finden jedes Jahr tausende Kontrollen statt. Doch die Ergebnisse sind streng geheim. So hat es das Parlament mit dem neuen Lebensmittelgesetz beschlossen. Nun zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung», dass die Inspektoren teils schwere Mängel vorfinden. Das Tamedia Recherchedesk hatte Einsicht in über 270 Strafentscheide. Sie zeigen, wie einzelne Beizer verschimmelte Lebensmittel lagern, mit schmutzigen Geräten arbeiten. Oder Esswaren verkaufen, die so stark verunreinigt sind, dass die Gesundheit der Kunden gefährdet ist. Nicht nur in schäbigen Spelunken, sondern auch in vermeintlichen Edelbeizen.

Dem Personal mangle es an guter Ausbildung, weil verschiedene Kantone heute kein Wirtepatent mehr voraussetzen. Was eine mögliche Erklärung ist für den deutlichen Anstieg der Anzeigen. So zeigen neue Daten des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (BLV): 789 Wirte wurden im Jahr 2018 wegen Verstössen gegen das Lebensmittelgesetz verzeigt.

Crypto-Leaks: Oberholzer muss bei den Bundesbehörden um Einsicht in Akten ersuchen

Alt Bundesrichter Niklaus Oberholzer, der vom Bundesrat eingesetzt worden ist, um die Crypto-Affäre zu untersuchen, hat nicht zu allen relevanten Dokumenten einen direkten Zugang. Das berichtet die «NZZ am Sonntag». Wie einem vertraulichen Papier des Bundesrats zu entnehmen ist, ist der Bundesrat zwar willens «den Sachverhalt mit grösstmöglicher Transparenz untersuchen.» Allerdings mit einer juristischen Einschränkung: Es gelte, «die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Archivierung zu respektieren und die Freigabe der Dossiers im Einzelfall zu prüfen», heisst es in dem Papier.

Dies sei insbesondere für Dokumente nötig, «die aufgrund besonders schützenswerter Personendaten unter Schutzfrist stehen». Oberholzer muss deshalb für seine Untersuchung – wie alle übrigen Nutzerinnen und Nutzer des Bundesarchivs – Einsichtsgesuche einreichen. Das bestätigt ein Sprecher des Bundesarchivs. Zuständig für die Freigabe der Dokumente sei nicht das Bundesarchiv selber, sondern jene Verwaltungseinheiten, aus denen die Dokumente stammten. Das heisst zum Beispiel, dass Dokumente aus dem Geheimdienst von diesem selber zuhanden des Untersuchungsleiters freigegeben werden müssen.

Schon Dreijährige sind handysüchtig

Animationsfilme im Netz sind bei kleinen Kindern beliebt. Doch die digitalen Zeitvertreiber bergen Risiken, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. «Heute sind schon Dreijährige von Youtube und Netflix abhängig», sagt Joachim Zahn, Leiter des Vereins Zischtig, der Eltern und Kinder im Umgang mit den digitalen Medien schult. Bei Zahn in der Beratung melden sich Mütter und Väter, deren Kinder ohne Videofilm das Essen verweigern.

«Dann rufen sie uns an und wollen wissen: Wie lange kann ich mein Kind hungern lassen? Es isst nicht mehr ohne Youtube.» Andere suchten Hilfe beim Elternnotruf, weil das Kind um sich schlägt, tobt und schreit, wenn es auf Bilder-Entzug gesetzt wird. Es gebe eine «wachsende Besorgnis», sagt Arlette Rutschmann von der Mütter- und Väterberatung der Stadt Zürich.

Schawinskis Angriff auf SRF

Noch einen Monat, dann ist Roger Schawinskis Sendung auf SRF Geschichte. Die letzten Wochen vor seinem erzwungenen Abgang kostet der Medienpionier richtig aus: Er veröffentlicht ein Buch, SRF strahlt einen Dok-Film über ihn aus, voraussichtlich wird er in zahlreichen Interviews seine Sicht der Dinge darlegen. In der Talk-Sendung vom letzten Montag lieferte einen Vorgeschmack darauf, was auf uns zukommt: Der gekränkte Moderator attackierte SRF scharf.

«Ich habe das Gefühl, das Fernsehen wird immer biederer, ängstlicher, zurückhaltender», sagte er und machte dafür unter anderem Direktorin Nathalie Wappler verantwortlich, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Der 74-Jährige zeigt keinerlei Verständnis für die Absetzung seiner Sendung. Er sieht sich als Opfer eines Zeitgeists, wo es für ältere, kantige Männer wie ihn keinen Platz mehr habe.

Postauto-Skandal: Gefälligkeitsgutachten kostete Millionen

Wenn ein Unternehmen oder eine Behörde in einen Skandal verwickelt ist, gibt es ein beliebtes Mittel, um sich reinzuwaschen: Eine externe Untersuchung durch eine namhafte Anwaltskanzlei. Das Problem: Wirklich unabhängig sind diese externen Prüfer meist nicht. In der Regel arbeiten sie seit Jahren mit ihren Auftraggebern zusammen. Logische Konsequenz: Oft fallen die Untersuchungen ungefähr so aus, wie sich das die Auftraggeber wünschen. Bei der Aufklärung der Postauto-Subventionsskandals schrieb die Kanzlei Kellerhals Carrard einen Untersuchungsbericht zuhanden des Verwaltungsrates.

Doch ausgerechnet ein Protokoll vom 26. Juni 2013 beweist, dass der Post-Verwaltungsrat schon damals darüber diskutiert hat, wie Gewinne «verschoben» werden können – und genau das fehlt im Bericht. Die Post hat für den Untersuchungsbericht von Keller Carrard allerdings viel Geld bezahlt. «Die Gesamtkosten für die Untersuchung belaufen sich auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag», schreibt die Medienstelle des Staatsbetriebs, wie der «SonntagsBlick» berichtet. Das heisst wohl rund fünf bis sieben Millionen Franken.

«Diese Kosten beinhalten aber weit mehr als die Arbeiten von Kellerhals Carrard, so beispielsweise auch die Arbeiten von Ernst & Young und die Arbeiten der Experten», rechtfertigt sich die Post. Und der nächste lukrative Grossauftrag ist schon gesichert: Vor wenigen Wochen hat der Bundesrat Kellerhals Carrard damit beauftragt, gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer die sogenannte Crypto-Affäre zu untersuchen.

Bundesratswahlen: Gipfeltreffen der Parteien

Die Spitzen der grössten Schweizer Parteien treffen sich im kommenden März in Bern zu einem «Konkordanz-Gipfel», um über die künftige Zusammensetzung der Landesregierung zu beraten, das berichtet die «NZZ am Sonntag». Der Anstoss dazu kam von CVP-Präsident Gerhard Pfister. Hintergrund dieser Initiative ist der Wählerzuwachs der Grünen in den Parlamentswahlen vom vergangenen Herbst. Die Grünen fordern eine Änderung der Zauberformel, welche die parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrats regelt.

Sie scheiterten aber im Dezember mit ihrer Kandidatin Regula Rytz. In den Wahlen hatten die Grünen die CVP überholt und waren nahe an die FDP herangekommen. Regula Rytz, die Präsidentin der Grünen, setzt einige Hoffnungen in das Gipfeltreffen. «Die Bundesratsparteien stehen unter Zugzwang», sagt sie. Es gehe nun darum, eine neue Formel zu finden, mit welcher der Wählerwille besser abgebildet werde. Von den anderen Parteien verlangt Ritz als erstes verbindliche Zusagen, dass es «keine taktischen Rücktritte von Bundesräten kurz vor den Wahlen mehr gibt.»

Brändi statt Handy: Brettspiele boomen

Beim Onlinehändler Digitec-Galaxus hat sich 2019 der Umsatz mit Brettspielen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Insgesamt sei eine fünfstellige Anzahl Spiele verkauft worden, schreibt der Marktführer unter den Schweizer Onlineshops. Gegenüber 2015 habe sich der Umsatz mit Brettspielen sogar verachtfacht.

40% der Käufer seien zwischen 30 und 39 Jahre alt. Weitere 25% stammen aus der Alterskategorie 20 bis 29 Jahre. Das am besten verkaufte Spiel ist Monopoly, es ­folgen die Schweizer Erfindung Brändi Dog und das preisgekrönte Legespiel Azul, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1